Fahrer:innen sind für alle unsere Projekte unverzichtbar. In Eswatini ist das Fahren traditionell eine Aufgabe für Männer. Fikile Ngwenya wollte sich davon nicht abhalten lassen.
04.05.2022

Als Fikile Ngwenya als Feldfahrerin für uns Shiselweni, Eswatini, eingestellt wurde, war sie begeistert. Sie war zwar als Frau in diesem traditionell männlichen Beruf mit Fragen und Kritik konfrontiert, aber sie genießt es, ein selbstbewusstes Vorbild für ihre Gemeinschaft zu sein. Fikile berichtet:

Nachdem mein Mann in die Region Shiselweni versetzt worden war, suchte ich nach einem Job. Ich sah immer diese Kleintransporter in der Stadt herumfahren – Autos von Ärzte ohne Grenzen. Dann erzählte mir ein Freund, dass die Organisation Haushälterinnen, Datenschreiberinnen und Fahrerinnen einstellt. Also habe ich drei Bewerbungen geschrieben! 

Kurz darauf wurde ich zum Vorstellungsgespräch als Fahrerin eingeladen. Ich war sehr, sehr glücklich, denn ich wusste, dass ich einen Job hatte! So zuversichtlich war ich, dass ich es schaffen würde. 

Ich war die letzte Person, die zum Vorstellungsgespräch kam und hörte, wie jemand fragte: "Warum ist es diesmal eine Frau?” Einen Tag später hatte ich den Job. 

Stolz

Ich weiß, wie man fährt. Wenn man mir einen Geländewagen gibt, fahre ich ihn; wenn man mir einen Kleinbus gibt, fahre ich ihn. Wenn ich ankomme, überprüfe ich mein Auto und stelle sicher, dass das Öl, das Wasser und alles andere in Ordnung ist. Ich sorge für Sauberkeit. Wenn jemand in mein Auto steigt, ist klar, dass es das einer Dame ist.  

In den Gemeinden, die wir besuchen, werde ich geschätzt. Die Leute rufen mir zu: „You, woman! Du fährst so ein großes Auto.“ Sie sagen: „Ärzte ohne Grenzen hilft uns und unseren Verwandten“; sie schätzen Ärzte ohne Grenzen. Ich habe viel durch die Arbeit gelernt, zum Beispiel über HIV und Tuberkulose. 

Ruhe

Aber als Frau stehe ich vor Herausforderungen. Selbst die Menschen, die ich fahre, hintergehen mich manchmal. Aber das stresst mich nicht. In gewisser Weise bestärkt es mich, sie bestärken mich, indem sie versuchen, mich nicht ernst nehmen.  

Ich erinnere mich noch: Als ich gerade angefangen hatte, bei Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten, hörte ich einen Kollegen, wie er zu jemandem im Büro sagte: "Ich werde mich niemals von einer Frau fahren lassen." 

Einige Zeit später musste ich ihn in die Stadt fahren. Da fragte ich ihn: „Erinnerst du dich, was du gesagt hast? Und was ist jetzt?“  

(Selbst)-Vertrauen

Fikile, MSF driver

Zu Hause bin ich Ehefrau und Mutter. Ich habe Enkelkinder. Ich bin eine Frau. Und ich bin Fahrerin.

Wir sind alle unterschiedlich. Nicht alle können Ärzt:innen sein. Jeder hat eine eigene, einzigartige Gabe. All den Frauen da draußen möchte ich raten: Habt keine Angst davor, eine Frau zu sein und einen Job zu machen, auch wenn er als Männerarbeit gilt. Habt keine Angst vor nichts. Traut euch und tut es - tut es mit einem glücklichen Herzen, tut es mit Vertrauen. 

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