Unsere Hilfe in Libyen

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen setzte 2018 die Hilfe in Libyen fort, da das Land trotz anhaltender Instabilität Ziel für Migranten aus Afrika sowie Transitland für Migranten, Asylsuchende und Geflüchtete war, um über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Die Hilfe in Libyen im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische Hilfe in Libyen für Migranten und Geflüchtete, die willkürlich in Haftanstalten festgehalten wurden. Im Jahr 2018 hielten unsere Teams insgesamt 46.900 ambulante medizinische Konsultationen ab, gaben 1.160 Schwangerenberatungen und behandelten 180 neue Tuberkulose-Patientinnen und Patienten. Viele Menschen in den Haftanstalten waren sehr gefährdet, wie unbegleitete Minderjährige, stillende Frauen und ihre Säuglinge sowie Überlebende von Menschenhandel. Letztere waren über einen längeren Zeitraum festgehalten worden, wurden gefoltert und extremer Gewalt ausgesetzt, wie der Tötung von Familienangehörigen. Unsere medizinische Hilfe in Libyen war notwendig, da die Bedingungen in den Haftanstalten sehr prekär waren: Die Zentren waren überfüllt, es mangelte an Nahrung, Trinkwasser und Latrinen. All dies begünstigte die Ausbreitung von Atemwegsinfektionen, Tuberkulose, Durchfall- und Hauterkrankungen, wie Krätze. Psychische Störungen und Traumata wurden durch die ungewisse Länge der Inhaftierung noch verschlimmert.
     
  • Ärzte ohne Grenzen kritisierte wiederholt diese inakzeptable Situation, die durch die Migrationspolitik der europäischen Regierungen verstärkt wurde. Die Kriminalisierung der Such- und Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer und die Übergabe der Verantwortung für diese Operationen von der EU an die libysche Küstenwache führten dazu, dass die libysche Küste noch mehr abgeschottet wurde.
     
  • In den Haftanstalten in Tripolis, Misrata, al-Chums und Zliten hielten unsere Teams im Rahmen der Hilfe in Libyen mehr als 31.500 ambulante Konsultationen ab und überwiesen rund 1.000 Patienten an Krankenhäuser. Dutzende Male erhielten wir in Misrata und al-Chums Zugang zu Menschen, die von der libyschen Küstenwache oder kommerziellen Schiffen nach Libyen zurückgebracht worden waren. Damit wurde gegen das internationale Flüchtlingsrecht und maritime Konventionen verstoßen. Unsere Teams hielten zudem mehr als 140 Erste-Hilfe-Sprechstunden an den Anlegepunkten der Schiffe im Jahr 2018.
     
  • Ärzte ohne Grenzen setzte die Arbeit in der Stadt Bani Walid fort, die eine Art Drehscheibe für Schmuggler und Schleuser war. Wir hielten 810 medizinische Sprechstunden für Überlebende ab und überwiesen rund ein Dutzend Patientinnen und Patienten an Krankenhäuser in Misrata und Tripolis.
     
  • Die Mehrheit der Migranten und Geflüchteten lebten außerhalb von Haftanstalten. Im Rahmen unserer Hilfe in Libyen hielten wir rund 2.500 ambulante medizinische Konsultationen in Tawergha und Misrata ab, von denen sowohl die lokale Bevölkerung als auch die Migranten profitierten. Zudem boten wir Vor- und Nachsorge für Schwangere in Bani Walid an.
     
  • Wir beendeten unsere Aktivitäten, die wir im Rahmen der Hilfe in Libyen in Bengasi, im Osten des Landes, angeboten hatten.

Ärzte ohne Grenzen leistete erstmals 2011 Hilfe in Libyen.

Quelle: International Activity Report 2018

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Libyen

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