Österreich

Ärzte ohne Grenzen weist Kritik von Außenminister Sebastian Kurz scharf zurück

Außenminister Sebastian Kurz hat heute öffentlich Kritik an der Seenotrettung durch Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer geäußert.

Dazu sagt Mario Thaler, der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich:

„Es ist empörend, dass der österreichische Außenminister Hilfsorganisationen mit Rettungsschiffen im Mittelmeer über die Medien vorwirft, Partner von Schleppern zu sein. Diese Kritik ist umso schockierender, wenn man sich bewusst macht, was sie unterstellt. Was wäre die Alternative – sollen wir uns zurückziehen, die Menschen sich selbst überlassen und noch größerer Gefahr aussetzen, nur um Menschenschmuggel schwieriger zu machen? Sollen wir die Menschen ertrinken lassen? Besonders empörend ist der Vorwurf, wir würden dafür verantwortlich sein,  dass mehr Menschen im Mittelmeer sterben würden – diese Anschuldigung zeugt von einem völlig falschen Bild der Rettungseinsätze im Mittelmeer und entspricht nicht der Realität.

Wir sind auf hoher See, um Menschenleben zu retten.

Als humanitäre Organisation sind wir weder die Grenzpolizei noch eine Organisation zur Schlepperbekämpfung. Wir sind ausschließlich auf hoher See, um Menschenleben zu retten. So nah wie möglich an den libyschen Hoheitsgewässern zu sein ist derzeit die einzige Chance, die Lebensgefahr auf dem Meer zu reduzieren. Je weniger Zeit die Menschen auf überfüllten Booten verbringen, desto geringer ist die Gefahr, dass sie sterben.

Anstatt solche Anschuldigungen zu machen, sollte der Außenminister sich überlegen, wie Österreich zu tatsächlichen Lösungen für die Krise rund um die Flüchtlingsaufnahme in Europa beitragen kann, etwa durch humanitäre Visa, Familienzusammenführungen, die Umsiedelung von Asylsuchenden aus Italien und Griechenland sowie Resettlement-Programme.“

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