Tansania

Cholera-Ausbruch unter burundischen Flüchtlingen: Ärzte ohne Grenzen startet Noteinsatz

Genf/Wien, am 26. Mai 2015 – In den übervollen Lagern für burundische Flüchtlinge in Tansania ist die Cholera ausgebrochen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bis vergangenen Freitag 31 Menschen an der hochinfektiösen Krankheit gestorben, mehr als 3.000 Flüchtlinge haben sich bereits angesteckt. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) richtet gemeinsam mit den lokalen Behörden Cholera-Behandlungszentren sowie Stellen zur Rehydrierung von Betroffenen in den Lagern in Kagunga und Kigoma ein.

„Die Lage ist kritisch“, sagt Kassi Nanan N’Zeth, der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Die Menschen werden derzeit vor eine unmögliche Wahl gestellt: Entweder in Burundi bleiben, wo die Lage sehr unsicher ist; oder in ein Flüchtlingslager in Tansania fliehen, wo die Möglichkeit besteht, sich mit Cholera anzustecken.“

64.000 von Burundi nach Tansania geflohen

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind in den vergangenen Wochen rund 64.000 Menschen vor den Unruhen in Burundi nach Tansania geflohen. Die Lebensbedingungen in den provisorischen Flüchtlingslagern sind erschreckend schlecht. Teams von Ärzte ohne Grenzen befinden sich seit 18. Mai in den Lagern, um eine Bedarfserhebung zu machen. Sie berichten von einer alarmierenden Situation: Wenn nicht sofort Maßnahmen getroffen werden, wird sich die Cholera aufgrund der schlechten Lebensbedingungen in den Lagern rasch weiter ausbreiten.

Unterkunft auf Fußballplätzen, in Lagern oder im Freien

In der Stadt Kigoma, die am Ostufer des Tanganyika-Sees und nahe der Grenze zu Burundi liegt, leben etwa 2.000 Flüchtlinge in einem übervollen Fußballstadion. Die Sportstätte dient als Transitzentrum, von dem aus die Flüchtlinge in das offizielle Lager in Nyarugusu überstellt werden. In den bestehenden medizinischen Einrichtungen wurden allein in der vergangenen Woche mehr als 1.000 Fälle von akutem Durchfall behandelt.

In Kagunga, einem weiteren Transitlager, rund vier Stunden per Boot von Kigoma entfernt, leben derzeit etwa 15.000 Flüchtlinge. „Die medizinischen Dienste hier sind stark strapaziert, rund 200 Patienten müssen pro Tag behandelt werden“, berichtet Kassi Nanan N’Zeth. „Es gibt zu wenige Kapazitäten vor Ort, und einige Cholera-Patienten sind während ihrer Überstellung per Boot nach Kigoma gestorben. Die Lebensbedingungen sind inakzeptabel: Es werden keine Notunterkünfte zur Verfügung gestellt, die Flüchtlinge müssen diese also entweder selbst errichten oder im Freien übernachten.“

Hygiene muss verbessert werden, um Cholera zu stoppen

Sobald die ersten Personen sich durch schmutziges Wasser oder Nahrung mit Cholera angesteckt haben, breitet sich die Krankheit schnell aus. Die Ausbreitung wird beschleunigt durch schlechte Hygiene, einen Mangel an Latrinen und Abwasser, das nicht sorgfältig entsorgt wird. Die Krankheit kann nur durch eine Verbesserung der Hygienebedingungen gestoppt werden. Man kann Cholera-Patienten einfach und effektiv behandeln, indem man die durch das Übergeben und den Durchfall verlorene Flüssigkeit sowie Salze sofort ersetzt. Cholera-Patienten erhalten deshalb als Sofortmaßnahme orale Rehydrierungslösungen. Bei schweren Erkrankungen ist eine intravenöse Verabreichung von Flüssigkeit notwendig; manchmal werden auch Antibiotika verabreicht.

Derzeit sind 22 internationale medizinische und logistische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Tansania im Einsatz, sowie zahlreiche einheimische Angestellte. Ein Frachtflugzeug mit allen Materialien, die zur Errichtung der Cholera-Behandlungszentren benötigt werden, wurde bereits in das betroffene Gebiet geschickt. In Burundi selbst unterstützt Ärzte ohne Grenzen außerdem drei Gesundheitsposten nahe dem Demonstrationsort in Bujumbura, und hat die Einlieferung von Verletzten in vier Krankenhäuser ermöglicht. Gemeinsam mit dem lokalen Roten Kreuz hat das Team einen Rettungsdienst eingerichtet, um akute Fälle zu versorgen. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen führt das bestehende Hilfsprogramm zur Behandlung von Geburtsfisteln in Gitega fort.

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