Haiti

Haiti: Zu wenig Betten für Cholera-Patienten

Port-au-Prince/Wien, 24. November 2014 . Mehr als 2.000 Menschen mit Cholera-Symptomen mussten seit Mitte Oktober in Port-au-Prince stationär behandelt werden. Ein Großteil der haitianischen Bevölkerung ist aufgrund eines Mangels an sauberem Trinkwasser und Latrinen der Gefahr einer Cholera-Ansteckung ausgesetzt. Doch die Kapazitäten zur Behandlung der Betroffenen sind nach wie vor unzureichend. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF)  hat daher seine Hilfsaktivitäten mit fast 320 Betten rapide aufgestockt.

Vier Jahre seit dem ersten Auftreten von Cholera kämpft das Gesundheitssystem noch immer mit Engpässen bei der Finanzierung, Personalressourcen und entsprechenden Medikamenten. Das zeigt, wie unvorbereitet die Behörden heute gegenüber bekannten und vorhersehbaren Ausbrüchen sind. „Die Menschen kommen in einem kritischen Zustand zu uns, da es kein System gibt, das schnell Hilfe bereitstellen kann – trotz eines bestehenden nationalen Plans zur Beseitigung von Cholera“, bedauert Oliver Schultz, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Haiti.

Ansturm von Kranken in Behandlungszentrum

Fast 100 Kranke kommen täglich in das Notfallzentrum in Martissant in Port-au-Prince. „Wir haben versucht, Patienten an andere Cholera-Behandlungszentren zu verweisen, doch wir stellten bald fest, dass dort nicht genügend Betten sind“, erklärt Olivia Gayraud, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. „Das Martissant-Zentrum war rasch vom Ansturm der Patienten überlastet, denn die nationalen Gesundheitsstrukturen sind schlecht auf Cholera-Ausbrüche vorbereitet – obwohl sie in der Regenzeit vorhersehbar sind.“

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen bauten daher rasch zwei Cholera-Behandlungszentren im Umkreis von Martissant und Delmas 33 auf. Das Gesundheitsministerium eröffnete ebenfalls Einrichtungen, die jedoch wegen fehlender finanzieller Ressourcen bald nicht mehr funktionstüchtig waren. Ärzte ohne Grenzen unterstützt laufend einige dieser Einrichtungen, und hat seit 10. Oktober rund 2.000 Patienten und Patientinnen behandelt.

Kaum Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen

Viele der Kranken kommen aus Regionen, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen katastrophal ist. „Slums sind eine günstige Umgebung für die Entstehung des Cholera-Erregers und dessen Verbreitung“ erklärt Olivia Gayraud. Sobald sich eine Person durch Wasser oder Nahrungsmittel infiziert hat, wird die Ausbreitung der Krankheit durch ungenügende Hygienemaßnahmen, einen Mangel an Latrinen und ein ineffizientes Abwassersystem verstärkt. Daher ist es wesentlich, die Hygienemaßnahmen zu verbessern und die Bevölkerung zu sensibilisieren, um die Krankheit zu bekämpfen.

In Haiti ist die Cholera in der Regenzeit besonders heftig. In den letzten Jahren hat die Bevölkerung ihre Immunität gegenüber der Krankheit langsam verloren. Verglichen mit demselben Zeitraum 2013 hat sich die Anzahl der von Ärzte ohne Grenzen behandelten Patienten fast verdoppelt.

Aktivierung eines Notfallplans nötig

Der Mangel an sanitärer Infrastruktur und an Maßnahmen zur Wasseraufbereitung könnte die Epidemie nun verschlimmern. „Die Ausrottung von Cholera erfordert radikale Maßnahmen in der Prävention und Behandlung. Es muss gewährleistet sein, dass der Chlorgehalt des verteilten Wassers ausreichend ist, um eine Verbreitung der Krankheit zu verhindern“, erklärt Oliver Schulz. „Die haitianischen Behörden  müssen in Zusammenarbeit mit ihren internationalen Partnern einen Notfallplan aktivieren und die Behandlung von Cholera-Fällen rasch in ihre Gesundheitseinrichtungen integrieren.“

Seit dem Auftreten der ersten Cholera-Fälle in Haiti Ende Oktober 2010 hat Ärzte ohne Grenzen medizinische Notfall-Teams im ganzen Land verteilt. Von den 711.558 vom Gesundheitsministerium bis zum 28. Oktober 2014 registrierten Fällen hat Ärzte ohne Grenzen über 204.000 behandelt, wobei die Sterblichkeitsrate weniger als ein Prozent betrug. Nachdem Personal ausgebildet und Material geliefert wurde, hat Ärzte ohne Grenzen seit 2011 die Cholera-Behandlungszentren außerhalb der Region, die vom großen Erdbeben 2010 betroffen war, nach und nach den Behörden übergeben.

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