Vera Schmitz18.05.2015

Salut de Conakry!

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Mein zweiter Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen hat mich nach dem Südsudan dieses Mal nach Westafrika geführt – genauer gesagt nach Conakry, der Hauptstadt Guineas. Seit Anfang April 2015 bin ich hier nun bereits als Krankenschwester im Einsatz gegen Ebola.

Guinea ist neben Sierra Leone und Liberia eines der drei am stärksten von Ebola betroffenen Länder – hier hat alles begonnen und hier gibt es auch nach wie vor immer wieder neue Fälle von Ebola. Die Epidemie ist noch nicht ausgestanden, auch wenn Liberia nun als Ebola-frei erklärt wurde – denn in Sierra Leone und Guinea gibt es immer noch Fälle.

Auch hier ist die Situation derzeit relativ ruhig, jedoch war und sind die Zahlen der Krankheitsfälle hier schon immer sehr schwankend. Daher ist besonders diese Phase aber auch potentiell sehr gefährlich – Ebola dauert nun schon mehr als ein Jahr an, man könnte fast sagen es wird zur Gewohnheit – dabei kann jeder einzelne Krankheitsfall wieder eine neue Welle auslösen.

Ärzte ohne Grenzen hat daher in den letzten Wochen mit verstärkten Interventionen und Ausbau der Ressourcen begonnen, vor allem die Aufklärung in der Bevölkerung zu Gesundheitsthemen und das Erreichen der Kontaktpersonen von Ebola-Betroffenen sind extrem wichtig.

Jede Entlassung eines geheilten Patienten wird hier demnach auch gefeiert – letzte Woche gab es sogar ein Großereignis – die 400. Ebola Überlebende konnte unser Behandlungszentrum verlassen!!

Genau dort befindet sich auch mein täglicher Arbeitsplatz: Im „CTE“ -  das steht für „Centre du Traitement Ebola“ und bedeutet schlicht Ebola-Behandlungszentrum. Derzeit befindet sich das CTE noch im Areal eines Krankenhauses – in den kommenden Monaten ist jedoch ein großer Umzug geplant. Das CTE zieht um – bzw. wird bereits seit einiger Zeit an einem neuen Ort in der Stadt kräftig geplant, konstruiert und gebaut. Das derzeitige CTE war nie für einen Ebola-Ausbruch dieser Größenordnung und dieser Zeitspanne geplant. Niemand konnte ahnen, dass die Epidemie aber solche Ausmaße annimmt und nach über einem Jahr noch immer nicht ausgestanden ist.

Dafür wird das neue Zentrum umso schöner und besser konstruiert werden – vor allem mit dem Wissen, das sich im letzten Jahr angesammelt hat.

Das Projekt hier ist aber auch für mich persönlich eine neue Herausforderung. Zwar kenne ich nach meinem ersten Einsatz im Südsudan in Malakal (über den ich übrigens auch gebloggt habe) die Grundstrukturen – aber hier ist fast alles komplett anders! Nicht nur allein die Tatsache, dass ein Ebola-Projekt an sich schon ein spezieller Fall für sich ist, auch das ganze Drumherum und meine tatsächliche Arbeit unterscheiden sich sehr von meinem ersten Projekt. Was das alles zwar nicht unbedingt leichter, aber dafür doch umso spannender und interessanter macht!

So handelt es sich zum einen um ein sehr großes Projekt – das lässt sich schon allein aufgrund des zahlreichen Personals messen – derzeit bin ich für die Bedürfnisse von > 50 Krankenschwestern/-pflegern (inklusive 4 Gruppenleiter und 2 Teamleiter) plus 11 sogenannten „Aide-Soignants“ („Pflegehelfer“ – hier vor allem zuständig für das Verteilen und Hilfestellung bei den Mahlzeiten und Getränken) zuständig.

Für die volle Kapazität – also den Fall, wenn alle vorhandenen Betten voll ausgelastet sind -  ist das aber noch immer nicht genug, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass das neue CTE eine höhere Bettenkapazität von bis zu 70 hat (derzeit 50). Aus diesem Grund wurden in den letzten Wochen neues Krankenpflegepersonal, neue Ärzte und neue „Hygiénistes“ rekrutiert. Die Hygiénistes werden auch als „Sprayer“ bezeichnet und sind diejenigen, die jede Tour in die Hochrisikozone begleiten müssen – also dort wo die Patienten, Verdachtsfälle sowie bestätigte Ebola-Patienten untergebracht sind und welche man nur im PPE, das sind diese gelben Schutzanzüge, betreten darf. Der Sprayer ist derjenige mit der desinfizierenden Chlorlösung auf dem Rücken, zuständig dafür, nach jedem potentiellen Kontakt mit Patienten oder kontaminiertem Material seine Kollegen zu besprühen und somit zu desinfizieren, vor allem die Hände.

Mit Beginn dieser Woche wird das neue Personal nun nach und nach eingeschult – und ich werde damit beginnen, noch ein paar mehr Aide-Soignants zu rekrutieren… ;-)

Ein Großteil meiner Arbeit ist also das Personalmanagement: Neues Personal, Dienstpläne erstellen, Urlaubsanträge… und dabei möglichst allen gerecht werden. Nachdem die Lage derzeit zum Glück aber ansonsten recht ruhig ist, werden meine Kollegen und ich in den nächsten Wochen aber auch die Zeit für Schulungen nutzen. Und schließlich steht dann auch bald der große Umzug an, der auch gut geplant sein will.

Davon und wie es sich anfühlt auf „der anderen Seite“ in der Hochrisikozone zu sein, dann mehr beim nächsten Blog aus Conakry! 

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