Somalia

Ärzte ohne Grenzen muss größtes Gesundheitszentrum in Somalia wegen zunehmender Unsicherheit schließen

Ärzte ohne Grenzen hat neun Jahre lang für die Bevölkerung in der Region Bakool im Süden Somalias medizinische Hilfe geleistet. Jetzt ist es für die Organisation aufgrund der Sicherheitslage bedauerlicherweise nicht mehr möglich, die Arbeit fortzuführen. Ärzte ohne Grenzen hat die Entscheidung zur Beendung der Arbeit in Bakool selbst getroffen, die Organisation wurde nicht von den Behörden dazu aufgefordert. Alle weiteren medizinischen Aktivitäten im Land gehen weiter.

Es ist sehr schwierig, in Somalia humanitäre Hilfe zu leisten. Dies hat die Entführung von Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen im April dieses Jahres einmal mehr deutlich gemacht hat. Ärzte ohne Grenzen ist dankbar, dass dieser Vorfall mit Hilfe der lokalen Bevölkerung ein gutes Ende genommen hat. Die Organisation kann als Folge der Entführung und anderer Ereignisse während des letzten Jahres der Bevölkerung in Bakool aber keine medizinische Hilfe mehr anbieten, ohne die Sicherheit der Mitarbeiter zu gefährden. Ärzte ohne Grenzen hat das Projekt in den letzten Monaten deshalb von Nairobi aus betreut, unterstützt durch gelegentliche Besuche der internationalen Mitarbeiter in den Projekten. Nach der Entführung mussten die Projektbesuche eingestellt werden.

„Aufgrund der immensen Bedürfnisse in und um Bakool haben wir die Aktivitäten unter sehr schwierigen Bedingungen lange Zeit fortgeführt. Jetzt mussten wir uns aber eingestehen, dass die Risiken nicht mehr akzeptabel sind“, sagte Jerome Oberreit, Programmdirektor von Ärzte ohne Grenzen in Belgien.

Aktivitäten in der Region Bakool

Die Aktivitäten in Bakool schließen ein Gesundheitszentrum in der Stadt Huddur ein – die größte stationäre Einrichtung in Süd- und Zentralsomalia – und vier abgelegene Gesundheitsposten in den Orten Labatan Jerow, El Garas, El Berde und Rabdure.

Das Gesundheitszentrum in Huddur war in den letzten neun Jahren von einem Ernährungszentrum zu einem Gesundheitszentrum mit einer Kapazität von 287 Betten gewachsen. 157 nationale Mitarbeiter wurden dort regelmäßig ausgebildet. Im Gesundheitszentrum und den vier Gesundheitsposten wurden seit dem Jahr 2002 mehr als 270.000 ambulante und 11.000 stationäre Behandlungen durchgeführt. Es gab mehr als 3.300 Kala Azar-Fälle, 945 mit Tuberkulose, zudem wurden 2.000 Kinder schwer mangelernährte Kinder unterstützt.

Sicherheitslage verschlechtert sich zunehmend

Ärzte ohne Grenzen musste in den letzten 14 Monaten vier Projekte schließen, da sich die Sicherheitssituation zunehmend verschlechtert hat, einschließlich Entführungen und schweren Angriffen auf somalische Mitarbeiter. Die kostenlose medizinische Hilfe, die Ärzte ohne Grenzen in den Regionen Banadir, Bay, Galgaduud, Hiraan, Lower Juba, Middle Shabelle, Lower Shabelle und Mudug anbietet, hängt davon ab, dass die Gemeinden und Behörden weitere auf Mitarbeiter gerichtete Vorfälle verhindern.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Somalia. Seit dem Jahr 2008 sind nur somalischen Mitarbeiter in den Projekten in Süd- und Zentralsomalia tätig. Internationale Mitarbeiter in Nairobi unterstützen die Projekte und besuchen diese, wenn die Sicherheitslage es erlaubt. Die Organisation konnte während des letzten Jahres dank des großen Engagements, der harten Arbeit und des Muts der somalischen Mitarbeiter Hunderttausend somalischen Menschen medizinische Hilfe anbieten.

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben im Jahr 2008 mehr als 720.000 ambulante Patienten behandelt, unter ihnen waren mehr als 267.000 Kinder unter fünf Jahren. Mehr als 55.000 Frauen kamen zur Geburtsnachsorge und 24.000 Menschen wurden stationär behandelt. Das Team hat mehr als 3.800 chirurgische Eingriffe vorgenommen. Etwa 1.000 Menschen litten an der vernachlässigten Krankheit Kala Azar, 4.000 an Malaria und mehr als 1.500 Patienten haben mit der Tuberkulosebehandlung begonnen. Nahezu 35.000 mangelernährte Menschen wurden betreut und knapp 83.000 Impfungen durchgeführt.

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