Irak

Ärzte ohne Grenzen weitet medizinische Hilfe für Vertriebene aus

Ärzte ohne Grenzen hat in den vergangenen Tagen die medizinische Hilfe im Irak ausgeweitet. In der Stadt Tikrit hält ein Team der Organisation im einzigen noch funktionierenden Krankenhaus eine medizinische Notversorgung aufrecht. Auch in der Stadt Hawijah in der Provinz Kirkuk unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme. Mobile Kliniken haben damit begonnen, Vertriebene zu behandeln, weitere mobile Ärzte-Teams sind geplant. Trotz der schwierigen Sicherheitslage arbeiten derzeit 375 Mitarbeiter der Organisation in sieben Provinzen des Landes.

Provinz Salah ad Din

In Tikrit behandeln ein Chirurg und ein Anästhesist von Ärzte ohne Grenzen durchschnittlich 100 Patienten am Tag. Am vergangenen Sonntag führten sie unter anderem zwölf Kaiserschnitte und 14 größere Operationen etwa wegen Bauchverletzungen durch. Ein Gynäkologe soll das Team in den kommenden Tagen verstärken. Außerdem ist geplant, medizinisches Material für den Fall eines Zustroms vieler Verletzter zu liefern.

Alle anderen Kliniken der Stadt sind seit den jüngsten Kämpfen verlassen. Nach den Berichten des Teams ist Benzin knapp und der Strom ist ausgefallen. Am Freitag war eine neue Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Tikrit, die am Wochenende eröffnet werden sollte, durch Artilleriebeschuss auf die Stadt schwer beschädigt worden. In der Klinik wurde glücklicherweise niemand verletzt.

Provinz Kirkuk

In der Stadt Hawijah unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme der Klinik, die die medizinische Versorgung von 500.000 Menschen sicherstellen soll. Die meisten Mediziner sind aus der Stadt geflohen. Ärzte ohne Grenzen plant, einen Chirurgen und einen Gynäkologen in das Krankenhaus zu entsenden. Mobile Kliniken werden kommende Woche die Arbeit aufnehmen, um Vertriebene zu behandeln. Zudem sollen Hilfsgüter verteilt werden.

Provinz Ninive

Auch in der Provinz Ninive sollen ab der kommenden Woche mobile Kliniken starten. Anfang der Woche wurden Hilfsgüter an 750 Familien verteilt, die aus Mossul geflohen waren.

Provinz al-Anbar

Ärzte ohne Grenzen stellt dem Krankenhaus von Falludscha Medikamente und medizinisches Material zur Verfügung. Die Lieferung sollte kommende Woche ankommen.

Provinz Nadschaf

Ärzte ohne Grenzen beobachtet die Entwicklung in den Provinzen Nadschaf und Kerbala genau und bereitet sich auf einen möglichen Zustrom von Vertriebenen aus dem Nordirak vor, sollten die kriegerischen Auseinandersetzungen in den Provinzen Bagdad, Anbar und Babil zunehmen.

Seit 2010 arbeitet die Organisation im Krankenhaus Al-Zaharaa in der Stadt Nadschaf. Unterstützt wird der Operationssaal, die Intensivpflege auf der Neugeborenen-Station, die Entbindungsstation und die Wöchnerinnenstation. Ziel von Ärzte ohne Grenzen ist, die Mortalität bei Neugeborenen zu senken. 2013 wurden 25.000 Geburten begleitet, 1.866 Neugeborene wurden auf der Intensivstation behandelt. Seit Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus Unterstützung leistet, hat die Organisation rund 72.320 Mütter medizinisch betreut.

Provinz Erbil

In der Kurdischen Autonomieregion betreibt Ärzte ohne Grenzen in der Gegend zwischen Erbil und Mossul mobile Kliniken in den Orten Bashiqah und Tess-Kharab. Hier leben viele Vertriebene, die immer noch nicht nach Mossul zurückkehren können.

Für syrische Flüchtlinge stellen Teams von Ärzte ohne Grenzen seit Oktober 2013 die medizinische Grundversorgung in den Lagern Darashakran und Kawargosk sicher.

Provinz Dohuk

Schon seit Mai 2012 leistet Ärzte ohne Grenzen für syrische Flüchtlinge im einzigen Gesundheitszentrum des Lagers Domiz medizinische Hilfe. 2013 führten die Teams mehr als 126.000 Konsultationen durch, pro Woche waren es rund 2.400. Ursprünglich auf die Aufnahme von 27.000 Flüchtlinge ausgelegt, beherbergt das Lager heute 45.000 Personen.

Überweisung von komplizierten chirurgischen Fällen

Ein Netzwerk von sieben irakischen Ärzten in Bagdad, Mossul, Kirkuk, Basra, Kerbala und Anbar arbeiten eng mit dem chirurgischen Spezialkrankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in der jordanischen Hauptstadt Amman zusammen. Sie überweisen Verletzte und Kranke, die komplizierte Operationen benötigen. Am Dienstag wurden trotz der aktuellen Kämpfe sechs Patienten aus Bagdad nach Amman ausgeflogen.

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