Griechenland

Griechenland: Billigere Impfstoffe für Flüchtlingskinder

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) haben mit der Impfung von Flüchtlingskindern auf den griechischen Inseln Chios, Samos und Lesbos begonnen. Die medizinische Nothilfeorganisation hat dabei erstmals in einem Land mit höherem Einkommen von einer Regelung Gebrauch gemacht, die Kindern in humanitären Notsituationen den Zugang zum Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV) ermöglicht. Lungenentzündung ist nach wie vor die größte Todesursache für Kinder unter fünf Jahren weltweit. Vor allem Kinder, die in schwierigen Verhältnissen wie in Flüchtlingslagern leben, sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt.

Die Regelung für humanitäre Notsituationen wurde im Mai 2017 gemeinsam von Ärzte ohne Grenzen, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNICEF und Save the Children ins Leben gerufen und zielt darauf ab, zivilen Organisationen, Regierungen oder UN-Organisationen, die in humanitären Krisengebieten arbeiten, einen schnellen Zugang zu leistbaren Impfstoffen zu ermöglichen. Dadurch wird der Pneumokokken-Impfstoff zu einem Sonderpreis von etwa 9 US-Dollar pro Kind (für alle drei notwendigen Dosen) für humanitäre Zwecke zur Verfügung gestellt.

„Lungenentzündung kann mit dem Impfstoff leicht vorgebeugt werden, der hohe Preis verhindert aber oft den Schutz der Kinder vor der Krankheit,“ erklärt Dr. Apostolos Veizis, medizinischer Leiter von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. „Es ist ein Meilenstein, dass wir in der Lage sind, Flüchtlingskinder auch in einem reicheren Land zu diesem stark reduzierten Preis zu impfen. Dennoch müssen noch mehr Impfstoffe auf diese Art und Weise zur Verfügung gestellt werden. Außerdem müssen Regierungen, die Flüchtlingskinder aufnehmen, auch Zugang zu diesen Sonderpreisen bekommen. Alle Kinder auf der Welt sollten in der Lage sein, diesen Impfstoff zu einem erschwinglichen Preis zu bekommen."

Bisher war es nur mithilfe der globalen Impfallianz Gavi möglich, den Impfstoff zu einem reduzierten Preis zu erhalten. Gavi ist eine spendenfinanzierte Organisation mit dem Ziel, ärmeren Ländern Zugang zu neueren Impfstoffen zu ermöglichen. Dadurch hatten aber Kinder in reichen Ländern – einschließlich Kinder in Flüchtlingslagern – keinen Zugang zum Impfstoff.

Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen muss erleichtert werden

„Kinder, die in Krisengebieten leben, gehören zu den am stärksten gefährdeten Kindern der Welt, erhalten aber keinen routinemäßigen Schutz vor lebensbedrohlichen Krankheiten", sagt Suzanne Scheele von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. Diese Regelung für humanitäre Notsituationen hat geholfen, Kinder zu erreichen, die bisher nicht vor einer vermeidbaren, lebensbedrohlichen Lungenentzündung geschützt waren. Wir fordern die pharmazeutische Industrie auf, Regierungen und Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen den Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen zu erleichtern, um extrem gefährdete Kinder zu schützen, die jetzt dringend geimpft werden müssen."

Die Pharmaunternehmen Pfizer und GSK sind derzeit die einzigen Hersteller des Pneumokokken-Impfstoffes. Es handelt sich um das teuerste Produkt im Standardimpfpaket für Kinder. Die USA lehnen Verhandlungen mit Pharmaunternehmen ab, dort liegt der Listenpreis für den Impfstoff bei bis zu 540 US-Dollar pro Kind. In Frankreich kostet der gleiche Impfstoff 189 Dollar. In kleineren Ländern wie etwa dem Libanon liegt der Preis bei 243 Dollar. In Apotheken in Griechenland kostet der Impfstoff 168 Dollar pro Kind. Seit 2009 haben Pfizer und GSK allein mit dem Pneumokokken-Impfstoff 49,1 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt (Pfizer 43,5 Milliarden US-Dollar und GSK 5,6 Milliarden US-Dollar).

Die Regelung wurde bisher von Organisationen in mehreren Ländern mit niedrigem Einkommen genutzt, wobei Ärzte ohne Grenzen damit Kinder in der Zentralafrikanischen Republik, Niger, Nigeria, Südsudan und Syrien geimpft hat. Auf diese Regelung kann jedoch derzeit nur für einen einzigen Impfstoff zugegriffen werden. Sie muss dringend auf andere Impfstoffe für den Einsatz in humanitären Krisengebieten ausgedehnt werden.

„Die Regelung ist eine Notlösung, die im Wesentlichen deshalb entwickelt wurde, weil die Preise für Pneumokokken-Impfstoffe zu hoch sind", sagt Scheele. „Wirklich einen Unterschied machen werden erst neue Hersteller, die erschwinglichere Impfstoffe auf den Markt bringen und das Leben von Kindern nicht mehr durch ihre Profitgier gefährden. Wir können nicht mehr in einer Welt leben, in der Impfstoffe, die Kinder vor tödlichen Krankheiten schützen, für so viele ein Luxus sind."

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