Lampedusa: EU darf das Leben von Flüchtlingen und Migranten nicht länger gefährden

11.02.2015
Restriktive EU-Politik lässt verzweifelten Menschen keine andere Wahl, als über das Mittelmeer zu fliehen.

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Rom/Wien, am 11. Februar 2015 – Nach den tödlichen Schiffstragödien im Mittelmeer, bei denen mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen sein dürften, fordert die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) die EU dringend auf, ihre Migrations- und Grenzpolitik zu überdenken. Die EU-Politik darf nicht länger das Leben tausender Menschen gefährden.

„Aufgrund der eskalierenden Gewalt in Libyen, Syrien und dem Irak nimmt die Zahl der Menschen, die auf der Flucht vor Kriegen sind, immer mehr zu“, sagt Manu Moncada, der Koordinator der Einsätze von  Ärzte ohne Grenzen  in Italien. Die restriktive Grenzpolitik der EU-Mitgliedsstaaten lasse verzweifelten Flüchtlingen und Migranten keine andere Wahl, als die gefährliche Route über das Meer zu wählen, sagt Moncada. „Italien und die anderen EU-Staaten müssen jetzt endlich ihre Verantwortung übernehmen und sich ernsthaft mit dieser Krise befassen, um weitere unnötige Todesfälle zu verhindern.“

Bereits nach der Einstellung der italienischen Mittelmeer-Rettungsaktion „Mare Nostrum“ im vergangenen Jahr hatte  Ärzte ohne Grenzen  die Befürchtung geäußert, dass die Lage sich weiter verschlimmern werde. In den kommenden Monaten startet wieder die Saison, in der vermehrt Flüchtlinge und Migranten versuchen werden, das Mittelmeer zu durchqueren.

Ärzte ohne Grenzen  betont erneut, dass die Seenotrettung im Mittelmeer absolut notwendig ist, wenn die betroffenen Personen keine andere, legale Möglichkeiten haben, Europa zu erreichen. Flüchtlinge sollten ihr Leben nach der Flucht aus ihrer Heimat nicht ein zweites Mal riskieren müssen.