Libyen

Libyen: Endlich medizinische Nothilfe in Misrata möglich

Seit zehn Tagen befinden sich drei Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in der belagerten Stadt Misrata, um den medizinischen Bedarf zu erkunden.

Am Donnerstag sind zusätzlich zwei Chirurgen, zwei Anästhesisten, drei Krankenpfleger, ein Arzt und ein Logistiker in Misrata angekommen. Dieses Team ist an Bord eines Schiffes aus Malta mit zwölf Tonnen Medikamenten und medizinischem Material nach Misrata gefahren. Das jetzt insgesamt zwölfköpfigen Team der Organisation wird im Krankenhaus Kasr Ahmed Patienten behandeln und operieren und zudem das Krankenhaus Al Hikma unterstützen, in dem ein Mitarbeiter bereits mit der Arbeit begonnen hat.

Ein Chirurg von Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Krankenhaus Al Hikma, in das Patienten für komplizierte Operationen überwiesen werden. Er unterstützt die libyschen Ärzte, die seit mehreren Wochen ohne Unterbrechung dort arbeiten.

Die übrigen Mitarbeiter bereiten sich darauf vor, im Krankenhaus Kasr Ahmed im Osten der Stadt die Arbeit aufzunehmen. Zunächst wird das Team den Operationssaal betriebsfähig machen und einen Aufwachraum sowie ein Behandlungszimmer einrichten. Zudem plant Ärzte ohne Grenzen, die Kapazität des Krankenhauses von jetzt zwölf Betten auf etwa 50 zu erweitern.

Das Team wird Einwohner Misratas, die mehrheitlich vor den Kämpfen im Zentrum und im Süden der Stadt hierher geflüchtet sind, ebenso behandeln wie Migranten aus afrikanischen und asiatischen Ländern, die in der Umgebung des Hafens Zuflucht gesucht haben und dort auf ein Schiff warten, das sie aus der Stadt bringt. Die medizinische, chirurgische und pädiatrische Nothilfe wird in den kommenden Tagen anlaufen.

Zu wenige Krankenhausbetten, zu wenige Medikamente

Ärzte ohne Grenzen ist im Moment die einzige internationale medizinische Nichtregierungsorganisation in Misrata. Die Mitarbeiter haben festgestellt, dass die effektive Kapazität der Krankenhäuser in der Stadt mit etwa 100 Betten für eine Bevölkerung von etwa 300.000 Personen äußerst begrenzt ist.

Um Schwangere und Kinder angemessen behandeln zu können, plant Ärzte ohne Grenzen, einen zweiten Operationssaal einzurichten und die Zahl der Betten zu erhöhen. Am Samstag wird ein Schiff mit fünf weiteren Mitarbeitern an Bord von Bengasi aus in Richtung Misrata auslaufen. Das Team besteht aus einer Hebamme, zwei Krankenpflegern, einem Logistiker und einer Psychologin und wird sich auf die Behandlung Schwangerer, Neugeborener und Kinder im Krankenhaus Tubah konzentrieren.

Das Team soll durch fünf weitere Mitarbeiter - einen Gynäkologen, einen Anästhesisten, einen OP-Pfleger, einen Kinderarzt und einen medizinischen Leiter - vervollständigt werden, die am Mittwoch zusammen mit 7,5 Tonnen medizinischen Materials per Schiff von Malta nach Misrata aufbrechen werden.

Lage an der tunesischen Grenze bleibt unsicher

Am Mittwoch haben Regierungstruppen das Krankenhaus der Stadt Sintan im Westen Libyens bombardiert und beschädigt. Daraufhin haben Teams von Ärzte ohne Grenzen per Krankenwagen 18 Patienten evakuiert, Erste Hilfe geleistet und sie weiter versorgt.

Im Gebiet der tunesisch-libyschen Grenze sind bewaffnete Oppositionsgruppen zwischen Gaddafi-treuen Truppen eingeschlossen. Die Auseinandersetzungen dauern an. Die meisten Flüchtlinge, die in Tunesien Zuflucht gesucht haben, sind Frauen und Kinder, während viele Männer nach Libyen zurückgekehrt sind, um ihre Häuser zu schützen oder an den Kämpfen teilzunehmen. Südlich des tunesischen Grenzorts Dehiba steigt der Bedarf an medizinischer Hilfe. Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen ist vor allem in den Gesundheitszentren nötig, besonders bei Operationen, bei der Stabilisierung und der Untersuchung von Verletzten.

Ärzte ohne Grenzen leistet weiterhin psychologische Hilfe in einem Flüchtlingslager und in Aufnahmestellen in Tunesien.

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