Haiti

Noteinsatz in Haiti: Tag 4

In den chirurgischen Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince wird rund um die Uhr gearbeitet, um die immense Zahl der durch das Erdbeben verwundeten Menschen zu behandeln. Die Priorität liegt auf lebensnotwendigen Eingriffen wie Amputationen und Kaiserschnitten. Erfahrene Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen berichten, dass sie noch nie so viele schwere Verletzungen auf einmal gesehen hätten.

Im Choscol Krankenhaus, in das Ärzte ohne Grenzen umgezogen ist, nachdem die ursprünglichen medizinischen Einrichtungen durch das Beben zerstört wurden, wird seit Freitag Früh durchgehend operiert. Auch vor dem Trinité Krankenhaus haben die Mitarbeiter begonnen, in einem improvisierten Operationssaal zu arbeiten. Im Distrikt Carrefour, der schwer vom Erdbeben betroffen wurde, hat Ärzte ohne Grenzen ebenfalls in einem Krankenhaus mit zwei Operationssälen zu arbeiten begonnen.

Hans van Dillen, einer der Landeskoordinatoren von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince, berichtet: "Als die Menschen gesehen haben, dass wir in der Gesundheitseinrichtung arbeiten, haben sich am Eingang Schlangen gebildet. Patienten wurden in Schubkarren gebracht und auf den Rücken anderer getragen. Es gibt in der Gegend andere Krankenhäuser, aber die sind bereits mit verletzten Menschen überfüllt, und die Anzahl haitianischer Fachkräfte und der Vorrat an medizinischem Material ist begrenzt."

Schwierige Logistik

Es ist immer noch schwierig, zusätzliche Gebäude zu finden, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeiten kann und weitere Mitarbeiter und mehr Material ins Land zu bekommen. Das größte Problem ist der Engpass am Flughafen. Viele Frachtflugzeuge mussten umkehren. Der Mangel an Landegenehmigungen hat dazu geführt, dass das dringend erwartete Frachtflugzeug mit einem aufblasbaren Krankenhaus bereits 24 Stunden Verspätung hat.

Haitianische Mitarbeiter vermisst

Ärzte ohne Grenzen hat es geschafft, mehr als 70 zusätzliche internationale Mitarbeiter nach Port-au-Prince zu bringen, die meisten von ihnen sind über die Dominikanische Republik angereist. Es ist traurige Gewissheit, dass einige haitianische Mitarbeiter das Beben nicht überlebt haben. Es wird noch immer versucht, vermisste Mitarbeiter ausfindig zu machen, die Sorge um sie ist groß. Ärzte ohne Grenzen ist außerdem über den Nahrungs- und Wassermangel besorgt, der zu Spannungen in der Stadt führt. Es gibt kaum Anzeichen von Verteilungen, und die Berichte über Plünderungen nehmen zu, wobei unsere Mitarbeiter bisher nicht Zeuge gewaltsamer Übergriffe wurde.

Ausweitung der Hilfsmaßnahmen

Ärzte ohne Grenzen arbeitet an einer Ausweitung der Hilfsmaßnahmen. Als nächstes werden die schwer zugänglichen Gebiete der Stadt untersucht, da die Mitarbeiter hier große Not befürchten. Mobile Teams werden versuchen in Regionen zu gelangen, in denen es keine funktionierende Gesundheitseinrichtungen gibt. Außerdem soll psychologische Hilfe für die traumatisierten Menschen angeboten werden.

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