Syrien

Ost-Aleppo: Aus dem Inneren eines zerbombten Krankenhauses

Am 17. November wurde das letzte verbliebene chirurgische Krankenhaus in Ost-Aleppo bombardiert. Der Schaden war so groß, dass das Spital den Betrieb einstellen musste. Es hatte eine Notaufnahme, eine Intensivstation und einige Operationssäle, in denen orthopädische und allgemeine Eingriffe vorgenommen wurden.

Fotos aus der Klinik

Der Zugang zu Gesundheitsversorgung in Ost-Aleppo wurde für die Bevölkerung durch die Schließung des Krankenhauses weiter - fast ganz - eingeschränkt. Die Menschen leben hier seit Monaten unter Belagerung. 

Seit der Wiederaufnahme der verheerenden Luftangriffe am 15. November wurden alle verbliebenen Kliniken getroffen, manche mehrmals. Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Angriffe auf zivile Einrichtungen und ruft alle Kriegsparteien zur Einhaltung der internationalen humanitären Gesetze auf.

Augenzeugenbericht über den Angriff auf das Krankenhaus vom 15.November

Dr. Abu Wassim arbeitete im Spital, als dieses am 17. November 2016 bei Luftangriffen getroffen wurde.

«Zunächst hörten wir, wie die Geschosse auf Gebäude am Ende der Strasse prasselten, etwa 500 Meter vom Spital entfernt. Wir hörten, wie 40 oder noch mehr Granaten explodierten, und der Lärm kam immer näher. Das war der Zeitpunkt, als das Personal – Techniker, Pflegepersonal und Ärzte – alle Patienten evakuierte und ins Kellergeschoss brachte.

Es waren etwa 15 Patienten, darunter ein Kind aus der Intensivstation, das wegen einer Verletzung am Herzen operiert worden war. Der Junge war gerade dabei, das Bewusstsein wiederzuerlangen, als die Granaten gleich vor dem Fenster der Intensivstation in der Strasse einschlugen. Um ihn in den Keller zu bringen, mussten wir ihn von der Beatmungsmaschine abkoppeln.

Der Angriff dauerte zwei Stunden; konstant schlugen Geschosse ein. Im Kellergeschoss war es sehr eng, einige Patienten lagen auf dem Boden.

Einer unserer Mitarbeiter kam bei dem Angriff ums Leben. Er wurde von einem Granatsplitter getroffen, der ihm die Brust durchbohrte und ein großes Blutgefäß durchtrennte. Er verlor viel Blut und wir mussten ihn ohne Strom operieren. Leider konnten wir ihn nicht retten und er starb.

Vor der Bombardierung war ich im OP gewesen, wo ich eine Amputation vorgenommen hatte. Ich musste die Operation mit einer LED-Lampe zu Ende führen, da wir keinen Strom mehr hatten. Unser mobiler Sauerstoffkonzentrator war restlos verbrannt.

Während des Angriffs konnten wir keine Patienten entlassen, da die Ambulanzwagen nicht zu uns durchkamen. Doch sobald die Bombardierung nachließ, bestellten wir Wagen zum Hintereingang des Spitals, mit denen wir die Patienten in nahe gelegene Kliniken bringen ließen. Der Haupteingang war komplett mit Schutt bedeckt und nicht zugänglich. Die Autos, die vor dem Spital gestanden hatten, waren ausgebrannt und auch ein Krankenwagen zerstört.

Viele unserer Mitarbeitenden hatten in den oberen Stockwerken des Spitals gelebt. Diese sind nun beschädigt und nicht mehr bewohnbar – weder Türen noch Fenster sind noch da. Unser Personal muss sich auf die Suche nach einer neuen Unterkunft machen.»

Fotoserie aus dem Inneren des zerbombten Krankenhauses

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