Libyen

Sirte: Die Sicherheit medizinischer Einrichtungen muss respektiert werden

Misrata/Wien, 20. Oktober 2011 – Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) ruft die Kriegsparteien in Libyen dazu auf, umgehend alle Überfälle auf medizinische Einrichtungen in der Stadt Sirte zu beenden. Alle Verletzten müssen die Möglichkeit haben, ohne Diskriminierung und ohne Angst vor Vergeltungsmaßnahmen, Zugang zu Behandlung zu bekommen.

Das Ibn Sina Krankenhaus in Sirte stand im Mittelpunkt der Kämpfe. Vergangene Woche konnten Teams von Ärzte ohne Grenzen von Misrata aus nach Sirte fahren und die Schäden am Krankenhaus begutachten.

Angriff auf Krankenhaus

„Das Ibn Sina Krankenhaus war unter Beschuss und wurde angegriffen“, sagte Barbara Frederick, die Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Eine Explosion zerstörte einen Operationssaal und die meisten Fenster wurden beschädigt. Wegen der Kämpfe der vergangenen Wochen mussten die Patienten und Patientinnen in die Gänge verlegt werden.“

Die Sicherheit im Krankenhaus war nicht gewährleistet. „Vergangene Woche gingen viele Kämpfer mit ihren Waffen im Spital ein und aus, um die Patienten zu sehen“, berichtete Frederick. „Wir wissen nicht, nach wem sie suchten.“

Chirurgie wieder funktionsfähig

Ärzte ohne Grenzen untersuchte in Ibn Sina den Bedarf an medizinischer Hilfe, gab chirurgisches Material aus, organisierte die Wiederaufnahme der Operationen in den beiden instandgesetzten Operationssälen und lieferte 150.000 Liter Wasser.  Das Krankenhaus, das ohne Wasser und ohne Elektrizität war, ist jetzt wieder voll funktionsfähig. Mit der Unterstützung des libyschen Gesundheitspersonals war die Wiederaufnahme der chirurgischen Aktivitäten möglich.

Aber die Sicherheit bleibt ein entscheidender Faktor, um - gemäß dem internationalen humanitären Recht - zu garantieren, dass alle Verwundeten Zugang zu Behandlung haben, unabhängig davon, auf welcher Seite sie stehen.

Der Großteil der Bevölkerung von Sirte ist aus der Stadt geflohen, die einer Geisterstadt gleicht. Manche Zivilisten aber können wegen der Kämpfe im Norden die Stadt noch immer nicht verlassen. Ärzte ohne Grenzen ruft die Kriegsparteien dazu auf, umgehend sicher zu stellen, dass Zivilisten Zugang zu Behandlung haben, und die Sicherheit der Verletzten in den medizinischen Einrichtungen zu gewährleisten.

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