Libyen

Libyen: Ausbau der medizinische Nothilfe in Misrata und Sintan

Trotz anhaltender Bombardements stockt Ärzte ohne Grenzen die medizinische Nothilfe in der belagerten Stadt Misrata auf und operiert Patienten im Norden der Stadt.

Seit zwei Monaten kämpfen Regierungstruppen und Aufständische erbittert um die Stadt Misrata. Die Stadt wird nach wie vor beschossen. Die angespannte Lage hält die Bewohner und Bewohnerinnen davon ab, sich behandeln zu lassen. Es gibt zu wenig medizinisches Personal, zu wenige Geburtenstationen und Krankenhausbetten für die Verwundeten. In Misrata leisten 22 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen medizinische und chirurgische Nothilfe in den Krankenhäusern Abbad und Kasr Ahmed und in der Klinik Ras Thuba.

Zu wenig Personal in den Krankenhäusern

Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist stark eingeschränkt. Viele Gesundheitseinrichtungen wurden zerstört oder liegen zu nah an der Front. In den wenigen verbleibenden Gesundheitseinrichtungen gibt es nicht genügend Personal für die Nachbehandlung nach Operationen – etwa orthopädische Chirurgen.

„Die libyschen Ärzte haben sieben Wochen lang rund um die Uhr gearbeitet und sind völlig erschöpft“, erklärt Mego Terzian, der Leiter des Nothilfeeinsatzes von Ärzte ohne Grenzen. „Darüber hinaus gibt es in den verbliebenen Kliniken keine Krankenschwestern mehr. Die meisten waren Ausländer und sind geflohen.“

Am 18. April kamen drei Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen nach Misrata und haben zehn Tage lang die Lage in den medizinischen Einrichtungen erkundet. Am 28. April kam ein neunköpfiges Team – zwei Chirurgen, zwei Anästhesisten, drei Krankenpfleger, ein Arzt und ein Logistiker – in der Stadt an. Mittlerweile sind 22 Mitarbeiter vor Ort.

Operationen und Wiederherstellung von Gesundheitseinrichtungen

Ein Operationsteam von Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Abbad-Krankenhaus im Norden der Stadt. In den vergangenen zwei Tagen haben sie zehn kompliziertere Operationen durchgeführt. Ärzte ohne Grenzen ist außerdem im Krankenhaus Kasr Ahmed im Osten der Stadt tätig. Etwa 300.000 Personen haben sich vor den Kämpfen im Westen der Stadt in dieses Gebiet geflüchtet. In der Klinik macht das Team zunächst den Operationssaal wieder betriebsfähig und stockt die Aufnahmekapazität von derzeit zwölf Betten auf 50 Betten auf. Die wenigen noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen verfügen über viel zu wenig Betten – für die ganze Stadt gibt es nur noch etwa 100.

„Die libyschen Ärzte müssen Patienten nach zwei Tagen wieder nach Hause schicken, auch wenn ihr Zustand noch nicht stabil ist, weil sie zu wenig Personal haben und weil sie sonst einem möglichen neuen massiven Zustrom von Verletzten nicht mehr gewachsenen wären”, erklärt Terzian.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet außerdem in der Geburtenstation der Ras Thuba-Klinik, führt Kaiserschnitte durch und plant, die Organisation zu verbessern. Um den Bedarf zu decken, plant Ärzte ohne Grenzen, die Kapazität auf 60 Betten aufzustocken. Ein Psychologe von Ärzte ohne Grenzen bietet außerdem dem libyschen medizinischen Personal psychologische Unterstützung an, da die Ärzte und Pfleger seit Beginn des Konfliktes unter harten Bedingungen arbeiten und ständigem Stress ausgesetzt sind.

Medikamente und medizinische Ausrüstung fehlen

In Misrata wurde Wasser immer knapper, mit häufigen Ausfällen und praktisch durchgängigen Bombardements. Als Reaktion auf den Medikamentenmangel, insbesondere fehlende Anästhetika, und den Mangel an medizinischer Ausrüstung, wie Masken und Atemschutzfilter, hat Ärzte ohne Grenzen bereits mehr als 25 Tonnen medizinische Ausrüstung und Medikamente nach Misrata geschickt.

Ärzte ohne Grenzen ist im Moment die einzige unabhängige internationale medizinische Organisation in Misrata. Die Nothilfeorganisation ist im Moment mit 22 Mitarbeitern in der Stadt Misrata tätig, in der die Organisation seit dem 18. April präsent ist. In der ersten April-Hälfte hat Ärzte ohne Grenzen zweimal per Schiff Patienten evakuiert. Etwa 100 Verwundete konnten nach Tunesien gebracht werden.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt Notaufnahme in Sintan

In der Stadt Sintan, die 140 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tripolis liegt, arbeitet ein Team von Ärzte ohne Grenzen seit dem 30. April mit den Mitarbeitern des Krankenhausen zusammen. In den vergangenen Tagen sind 30 Verletzte in das Krankenhaus gekommen, in dem Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme unterstützt, Patienten sichtet und medizinische Mitarbeiter schult. In Tunesien, an der Grenze zu Libyen, leistet Ärzte ohne Grenzen den Menschen psychologische Unterstützung, die vor dem Konflikt geflohen sind. Die Mitarbeiter arbeiten außerdem in Übergangs- und Flüchtlingslagern, in denen Menschen auf ihre Rückführung ins Heimatland oder auf ihre Weiterreise warten. Ärzte ohne Grenzen hat außerdem mobile Kliniken entlang der tunesischen Grenzen zwischen Dehiba und Ras Ajdir eingesetzt, die sich auf medizinische und psychologische Versorgung konzentrieren.

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