Südsudan

Südsudan: Mobile Teams helfen während der Flucht

Der Konflikt im Südsudan hat massive Auswirkungen für die Bevölkerung. Auch die Menschen in den Bezirken Leer und Mayendit sind schwer von den Kämpfen betroffen – und von deren Folgen: Flucht, Mangelernährung und fehlende Gesundheitsversorgung. Ärzte ohne Grenzen setzt mobile Teams ein um die Betroffenen zu versorgen; auch wenn diese fliehen müssen.

Der Südsudan spaltete sich im Jahr 2011 nach einem jahrzehntelangem Konflikt vom Sudan ab. Die politische Auseinandersetzung zwischen dem derzeitigen Präsidenten Salva Kiir und dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar führte 2013 zu einem Bürgerkrieg. Die Konfliktparteien kämpfen seither um die politische Führung des Landes. Nach Jahren des Krieges ist die Landwirtschaft zusammengebrochen, Teile der Bevölkerung sind von Mangelernährung betroffen. Aufgrund der anhaltenden Verschiebung der Frontlinien mussten Millionen von Menschen ihr zu Hause verlassen und sind ständig auf der Flucht.

Mobile Teams bleiben bei den Menschen

Im September 2016 hat Ärzte ohne Grenzen als Reaktion auf den Bedarf an medizinischer Hilfe ein Netzwerk aus mobilen Einsatzteams aufgebaut. Es besteht aus lokalen Gesundheitsberatern und Gesundheitsberaterinnen und wird von internationalem Einsatzpersonal geschult und mit medizinischem Material beliefert. Die südsudanesischen Gesundheitsberater bleiben bei den Menschen: Müssen diese fliehen, gehen sie mit und können so medizinische Hilfe leisten. Behandelt werden vor allem Hauterkrankungen, Atemwegsinfektionen, Malaria und durch Wasser übertragene Krankheiten wie beispielsweise Cholera.

Lokale Gesundheitsberater werden ausgebildet

Der südsudanesische Teamleiter James* arbeitet seit einem Jahr in Thaker, im Bezirk Leer, für Ärzte ohne Grenzen. Er schildert die Gefahren seiner Arbeit:

“Unsere Arbeit als Gesundheitspersonal ist gefährlich. Wir folgen den Menschen überall hin. Einmal habe ich zusammen mit anderen acht Stunden im Sumpf verbracht. Wir mussten uns vor bewaffneten Männern verstecken. Um mich herum wurden in dieser Zeit fünf Menschen von Kugeln getroffen und starben. Ich erinnere mich, dass eine Mutter versuchte, ihr Kind zu stillen. Sie bemerkte zuerst nicht, dass es bereits tot war. Trotz allem liebe ich diesen Job. Ich liebe es, meiner Dorfgemeinschaft zu helfen. Die Menschen brauchen medizinische Versorgung. Sie brauchen uns. Viele sterben, weil sie nicht rechtzeitig zu einem Krankenhaus gelangen. Viele Kinder sterben an Mangelernährung und weil sie nicht geimpft sind“, sagt James*.

Die Lage kann von einem auf den anderen Moment umschlagen, die Teams von Ärzte ohne Grenzen müssen deshalb auf alles vorbereitet sein. Wichtig ist, die Gefahr von Angriffen so gering wie möglich zu halten, um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu schützen. Der Wiener Georg Geyer ist Einsatzkoordinator und Sicherheitsbeauftragter vor Ort. Er erklärt die Schwierigkeiten der Arbeit im Südsudan:

Ich habe schon in mehr als acht Ländern für Ärzte ohne Grenzen gearbeitet, aber die Arbeitsbedingungen im Südsudan sind wirklich sehr schwierig. Den Menschen hier muss dringend geholfen werden. Sie brauchen Nahrung und Medizin. Es stellt uns vor große Herausforderungen, in unsichere Gebiete zu gelangen. Ich bin für mein Team verantwortlich. Ich muss für ihre Sicherheit sorgen“, sagt Georg Geyer.

Trotz der Herausforderung ist Ärzte ohne Grenzen weiterhin vor Ort und hilft mit 3.000 lokalen sowie rund 300 internationalen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Südsudan. Unsere Teams reagieren auf medizinische Notfälle und bietet den Menschen in allen Regionen des Landes kostenlose Gesundheitsversorgung.

Fotos & Video über das Projekt

*Name aus Sicherheitsgründen geändert

 

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