Südsudan

Südsudan: Patientenzahlen verdreifacht – dringend mehr Hilfe nötig

Der seit 2013 anhaltende Bürgerkrieg, die fehlende humanitäre Hilfe und der Mangel an Nahrung zwingen weiterhin tausende Menschen im Südsudan zur Flucht. In Malakal suchen momentan 48.000 Menschen in einem völlig überfüllten Vertriebenenlager Unterschlupf. Die Gesundheit der Bevölkerung wird durch die schlechten Lebensbedingungen noch weiter gefährdet. Auch die kleine Mary James, ein dreimonatiges Baby, leidet unter der Situation und wird aufgrund einer schweren Lungenentzündung in unserem Spital versorgt.

Mehr als 16.000 Menschen haben in den Sommermonaten auf der Suche nach Schutz das Lager in Malakal erreicht. Aufgrund dieses neuerlichen Zustroms hat sich seit Juni die Anzahl der Patienten und Patientinnen, die wir vor Ort behandeln, verdreifacht. Auch versorgen unsere Teams fünf Mal mehr Kinder im Alter von unter fünf Jahren; eine der verletzlichsten Gruppen. Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen mit 50 Betten und einer Notaufnahme war daher in den vergangenen Wochen bis über seine Kapazitätsgrenzen hinaus gefüllt. Behandelt werden unter anderem Kinder mit schwerer Malaria oder lebensbedrohlicher Lungenentzündung – eine davon ist die kleine Mary James.

Mary James kämpft um ihr Leben

In den ersten zwei Monaten ihres jungen Lebens schlief die dreimonatige Mary James ohne Decke oder Matratze in einem Bettgestell aus Metall in einer kleinen, feuchten Unterkunft inmitten des überfüllten Vertriebenenlagers. Jetzt schläft sie in einem Krankenbett von Ärzte ohne Grenzen und kämpft um ihr Leben:

Mit der bevorstehenden kalten Jahreszeit leiden mehr und mehr Kinder wie Mary James unter Lungenentzündung und anderen Atemwegserkrankungen. Diese Krankheiten sind für mehr als die Hälfte der Neuaufnahmen in der Kinderstation unseres Krankenhauses in Malakal verantwortlich. „Die Ursache dieser Symptome sind die Überfüllung und die furchtbaren Lebensbedingungen hier“, erklärt unser Arzt Yasser Sharaf. „Nachts hört man alle husten und Krankheiten verbreiten sich. Wir brauchen mehr Platz!“ unterstreicht Nya, die mit ihren beiden Söhnen und vier unbegleiteten Kindern, die sie bei sich aufgenommen hat, in einer kleinen Hütte mit ein paar Plastikmatten lebt. In diesem Bereich des Lagers müssen die Menschen mit weniger als vier Quadratmetern pro Person auskommen  – das ist weniger als ein Siebtel des Lebensraums, der nach internationalen humanitären Standards für einen Menschen vorgesehen ist.

Situation muss dringend verbessert werden

Unter diesen Bedingungen ist es kein Wunder, dass sich vor Sonnenaufgang vor den wenigen Gesundheitsposten im Lager bereits Schlangen bilden. Doch die Einrichtungen schließen um 17:00 Uhr und jeden zweiten Sonntag sind sie gar nicht geöffnet. In diesen Zeiten stehen lange Menschenschlangen vor der Notaufnahme des Spitals von Ärzte ohen Grenzen. Zu viele der Kranken kommen in einem äußerst schlechten Zustand, wie damals die kleine Mary James.

Tausende von Neuankömmlingen leben in Malakal in behelfsmäßigen Unterkünften auf sumpfigem Gelände, Kinder spielen im Schlamm zwischen Stacheldrahtzäunen und Müllhaufen. Ärzte ohne Grenzen fürchtet eine weitere Verschlechterung, wenn die Lage nicht so rasch wie möglich verbessert wird: Es braucht mehr Platz, mehr Sanitäranlagen und Latrinen und einen besseren Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie essentielle Hilfsgüter wie Decken.

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