Simbabwe

Was Worte nicht ausdrücken können – therapeutische Hilfe für Überlebende sexueller Gewalt

In vielen Ländern, in denen wir arbeiten, bieten wir Menschen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, medizinische und psychosoziale Hilfe an. 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen. In der Poliklinik in Mbare in Simbabwe, gehört das so genannte "Body Mapping" zu unserem therapeutischen Angebot. Die Methode, bei der kreativ gearbeitet wird, soll Betroffene dabei unterstützen, mit den schlimmen Erlebnissen umzugehen und einen Blick nach vorn zu entwickeln.

In unserem psychosozialen Hilfsprogramm in Mbare wenden die Frauen auch Übungen des "Body Mapping" an. Dabei stellen sie mit Zeichnungen, Symbolen und Worten ihren Lebensweg dar und geben Körpererfahrungen wieder. Sie setzen ihre Erfahrungen somit künstlerisch-visuell um.

Eine Frau und ein junges Mädchen beschreiben, was sie durchleben mussten und wie das therapeutische Angebot ihnen dabei geholfen hat, wieder in die Zukunft blicken zu können:

Erleichterung für eine junge Frau: "Licht am Ende des Tunnels."

Die junge Frau wurde von ihrem ehemaligen Partner sexuell missbraucht. Niemand in ihrer Familie und ihrem Freundeskreis glaubte ihr. Sie kam in eine der Therapiesitzungen von Ärzte ohne Grenzen für Menschen, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Zum ersten Mal konnte sie offen darüber sprechen, was ihr widerfahren war, ohne verurteilt zu werden. Sie berichtet, dass der Missbrauch ihr Herz gebrochen habe. Auf dem Bild, das sie gezeichnet hat, steht der Stein für dieses gebrochene Herz. Nach der Therapie ist es ihr nun wieder möglich, „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen. Sie möchte später einmal ihr eigenes Geschäft betreiben und ist sehr froh über die Hilfe, die sie in unserem Programm erhalten hat.

13-jähriges Mädchen: "Ich will Richterin werden!"

Ein 13-jähriges Mädchen wurde von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht. Sie wurde von ihm schwanger. Aus Angst vor dem Stiefvater, der sie bedrohte, berichtete sie niemandem davon. Selbst ihrer Mutter erzählte sie nichts, da sie befürchtete, dass diese an der Seite ihres Mannes stehen würde. Schließlich wurde der Missbrauch doch bekannt, und man schickte sie zur Behandlung und beratenden Unterstützung zu uns. Sie wurde an einen sicheren Ort gebracht, an dem sie ihr Baby zur Welt bringen konnte. Der Fall kam vor Gericht, und der Stiefvater wurde zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Das Mädchen erhielt von uns weiterhin psychosoziale Hilfe, und auch das Kind haben wir während der Zeit des Prozesses unterstützt – es wurde dann von seiner Mutter zur Adoption frei gegeben. Das Mädchen quälte sich wegen seiner schmerzvollen Erfahrungen - sie beschreibt, dass sie sich fühlte, als sei ihr Herz durchstochen worden.

Inzwischen geht sie wieder zur Schule. Wegen der Ungerechtigkeit, die sie erfahren musste, möchte sie später einmal Richterin werden.  Weil sie selbst erfahren hat, dass ihr Gerechtigkeit zu Teil wurde, ist für sie nun alles wieder möglich: Sie will hoch hinaus und ihren Traum verwirklichen und Richterin werden.

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