Griechenland

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Auch 2017 leistet Ärzte ohne Grenzen humanitäre Hilfe in Griechenland: Flüchtlinge und Migranten tragen die Folgen des umstrittenen EU-Türkei-Abkommens von März 2016. Den Behörden zufolge leben heute 62.784 Flüchtlinge in Griechenland. 15.860 von ihnen haben auf den griechischen Inseln Zuflucht gesucht.

Griechenland wurde zur Haupteintrittspforte für Menschen, die versuchen, Europa zu erreichen: Mehr als 856.000 Flüchtlinge und Migranten kamen 2015 auf dem Land- und Seeweg in Griechenland an, ein Drittel waren Frauen und Kinder. Sie haben dort jedoch nur eingeschränkten Zugang zu einer Gesundheitsversorgung und leben unter extrem schlechten Bedingungen. Etwa 91 Prozent von ihnen kamen aus Ländern, in denen Krieg und Gewalt herrschte. Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Hilfe in Griechenland; Flüchtlinge erhalten zudem Unterstützung durch viele Freiwillige und zivilgesellschaftliche Organisationen.

Überblick unserer Hilfe:

Ärzte ohne Grenzen arbeitet derzeit an 20 Standorten in Griechenland. Flüchtlinge erhalten psychologische Hilfe, sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung sowie medizinische Behandlung für chronische Krankheiten. Auf den Inseln leben die Geflüchteten meist in überfüllten Unterkünften unter prekären hygienischen Bedingungen. Ein großes Problem stellen zudem der langsame Registrierungsprozess, die Familienzusammenführung, der fehlende Zugang zu rechtlicher Beratung und ein allgemeines Unsicherheitsgefühl in den sogenannten „Hotspots“ dar, den geschlossenen Flüchtlingszentren. Auf dem griechischen Festland ist die Lage von Camp zu Camp sehr unterschiedlich. In vielen Flüchtlingslagern reicht die Grundversorgung nicht aus, und einige Unterkünfte sind weder für einen längeren Aufenthalt noch für den Winter geeignet. Weiterhin schleppend ist zudem die behördliche Kooperation in Griechenland: Flüchtlinge und Migranten sind die Leidtragenden dieses Prozesses.

Griechische Inseln

  • Seit Oktober 2016 arbeitet Ärzte ohne Grenzen in Mytilene in einem Krankenhaus, das die stationäre Versorgung aller Flüchtlinge und Migranten übernimmt, die auf Lesbos untergebracht sind. Die Teams bieten psychologische Hilfe, sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung sowie die Behandlung chronischer Krankheiten an, wie Herzkreislauf-Erkrankungen, chronische Lungenprobleme, Asthma oder Epilepsie. Zudem übernimmt Ärzte ohne Grenzen die Transportkosten für die Menschen, die in die Klinik müssen.
  • Seit November 2015 arbeiten die Teams auch auf der Insel Samos, wo sie psychologische Hilfe und Gesundheitsaufklärung anbieten. Gemeinsam mit dem Griechischen Flüchtlingsrat leistet Ärzte ohne Grenzen auch rechtliche Beratung und Hilfe bei Asylanträgen. Auf Samos hat sich die Lage im Hotspot ähnlich verschlechtert wie anderswo in Griechenland: Flüchtlinge leben hier in einem völlig überfüllten Camp. Das Zentrum war zunächst für 600 Menschen gebaut worden, doch mittlerweile sind hier rund 2.000 Menschen untergebracht. Neuankömmlinge erhalten oft keine angemessene Unterkunft, es gibt viele unbegleitete Jugendliche und Schwangere, und einige Containerunterkünfte sind zerfallen: Sie wurden abgebrannt, haben zerbrochene Fensterscheiben oder Löcher im Fußboden.
  • In der Stadt Samos betreut Ärzte ohne Grenzen eine temporäre Unterkunft vor allem für Frauen und Kinder sowie für Menschen, die auf dem Festland medizinische Hilfe benötigen.

Athen

  • Flüchtlinge und Migranten werden in einem Tageszentrum medizinisch versorgt. Das Team bietet psychologische Hilfe, sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung sowie Gesundheitsaufklärung an. Bei Bedarf übernimmt Ärzte ohne Grenzen auch die Transportkosten zu öffentlichen Gesundheitseinrichtungen und stellt den Patientinnen und Patienten kulturelle Mediatoren mit Sprachkenntnissen in Arabisch oder Farsi zur Seite.
  • In 14 Camps im Norden und Zentrum Griechenlands sowie in einigen Stadtvierteln von Athen haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen 3.625 Flüchtlingskinder im Alter von acht Wochen bis 17 Jahren gegen die häufigsten Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Masern, Mumps, Polio oder Windpocken geimpft.
  • Seit Februar 2016 leisten die Teams basismedizinische und psychologische Hilfe am Viktoria-Platz. Schwere Fälle werden zur Nachsorge an lokale Kliniken überwiesen.
  • Etwa 1.200 Flüchtlinge leben in den Camps in Malakasa, Lavrio und Ritsona, nordöstlich von Athen. Die Teams leisten psychologische Hilfe, da die Menschen in ihrer Heimat, auf der Flucht oder in Griechenland Gewalt erlitten haben. Mobile Teams versorgen zudem rund 2.400 Menschen am Standort Elliniko mit medizinischer und psychologischer Hilfe.
  • Auch Folteropfer erhalten seit Ende 2014 umfangreiche Hilfe in der Hauptstadt von Griechenland: Flüchtlinge werden in Athen medizinisch und psychologisch versorgt. Ärzte ohne Grenzen kooperiert mit dem Tageszentrum Babel und dem Griechischen Flüchtlingsrat. Menschen können auch Rechtshilfe, soziale Unterstützung und Integrationsleistungen in Anspruch nehmen. Von Oktober 2014 bis Dezember 2016 haben mehr als 350 Folteropfer aus 38 Ländern diese Hilfe von Ärzte ohne Grenzen benötigt. Die meisten litten unter posttraumatischen Belastungsstörungen, extremer Angst und Depressionen.

Griechisches Festland

  • Ärzte ohne Grenzen leistet psychologische und psychiatrische Hilfe sowie Gesundheitsaufklärung in fünf Lagern (Kalochori, Frakapor, Softex, Derveni, Kavalari) nahe Tessaloniki, auf dem Festland von Griechenland. Flüchtlinge erhalten zudem in drei öffentlichen Krankenhäusern Hilfe durch sprachliche und kulturelle Mediatoren. 2017 wird Ärzte ohne Grenzen eine Klinik eröffnen, die neben medizinischer und psychologischer Hilfe auch Rechtsberatung, soziale Unterstützung sowie psychosoziale Aktivitäten anbieten wird. Seit Oktober 2016 hat das Team 474 psychologische Gespräche geführt.
  • Anfang Dezember 2016 machte das Team von Ärzte ohne Grenzen das Lager Frakapor winterfest, indem die riesige Lagerhalle, in der die Zelte der Flüchtlinge stehen, geheizt wird.
  • Seit Ende April arbeitet Ärzte ohne Grenzen im Nordwesten Griechenlands. Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Irak, die in den Lagern in der Region Epirus untergebracht sind, können psychologische und psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen. Seit Mai haben die Teams 658 Einzel- und 103 Familiengespräche geführt.
  • In einem alten Hotel in Thermopiles leben vorwiegend syrische Familien. Ärzte ohne Grenzen stellt für die rund 600 Flüchtlinge zweimal monatlich psychologische Hilfe zur Verfügung und bietet zudem eine sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung für diese Flüchtlinge in Griechenland an.

Unsichtbares Leid: Im April 2014 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen den Bericht „Invisible Suffering“ (PDF-Download), der die massiven Folgen der Internierung für die körperliche und seelische Gesundheit der MigrantInnen und Flüchtlinge in Griechenland dokumentiert.

Weitere Informationen zu Flüchtlingen, die in Europa Hilfe suchen, finden Sie auf unseren Einsatzländerseiten zu Italien, Bulgarien und Serbien sowie auf der Themenseite zu unserem Rettungseinsatz im Mittelmeer

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