Unser Einsatz in Griechenland

Nach den Bränden in den Geflüchtetenlagern auf den griechischen Inseln Lesbos und Samos, ist die Notlage akut. Ärzte ohne Grenzen hilft vor Ort und fordert gleichzeitig europäische Staaten auf, zu handeln.

 

Die Zustände in den griechischen Lagern sind seit Jahren menschenunwürdig. Leben auf engstem Raum unter katastrophalen Bedingungen – der Alltag für zehntausende Schutzsuchende. Am 9. September 2020 ist Camp Moria, das ehemals größte Geflüchtetenlager Europas, niedergebrannt. 12.000 Menschen wurden über Nacht obdachlos – ein Drittel davon sind Kinder. 

 

Was ist seit dem Brand alles passiert?

Die griechische Regierung hat mit dem Bau eines neuen Lagers auf Lesbos und der Umsiedelung der Menschen begonnen. Die Mehrheit wurde bereits ins neue Lager gebracht - auch gegen ihren Willen. Dabei wollen die Menschen nicht wieder unter den unmenschlichen Bedingungen festgehalten werden, die vor den Bränden herrschten. Erste Stimmen aus dem neuen Lager deuten nicht auf eine Verbesserung der Zustände hin: schlecht isolierte Zelte, Wassermangel, unzureichende Hygienebedingungen und einmal mehr viel zu wenig Platz. Eines ist klar: das neue Lager darf nicht zum Dauerzustand werden.

 

Genug ist genug: Kein Moria 2.0

Ärzte ohne Grenzen ruft die Europäische Union dazu auf, Versuche ein neues Elendslager auf der griechischen Insel Lesbos zu errichten, zu stoppen. Der Kreislauf des Leidens für geflüchtete Menschen, die seit Jahren auf Lesbos und anderen griechischen Inseln festsitzen, muss ein für alle Mal durchbrochen werden. Es ist höchste Zeit für eine Änderung der europäischen Migrationspolitik. Es ist allerhöchste Zeit mit der Evakuierung der Menschen auf Lesbos und anderen griechischen Inseln anzufangen. 

„Die Sturheit mit der die griechischen und europäischen Behörden Schutzsuchende mit allen Mittel auf den griechischen Inseln festhalten wollen, ist unverantwortlich und hat schwerwiegende Konsequenzen“, sagt Stephan Oberreit, Ärzte ohne Grenzen Missionsleiter in Griechenland. „Der Migrationsdruck auf die griechischen Inseln sollte auf europäischer Ebene perfekt beherrschbar sein. Die Aufnahme einiger hundert unbegleiteter Minderjähriger in eine begrenzte Anzahl europäischer Länder reicht nicht aus.“ 

Wir brauchen effizienten Umsiedlungsmechanismen, um eine sichere und würdige Unterbringung der Menschen auf dem griechischen Festland und in anderen europäischen Ländern zu gewährleisten. Alle neu errichteten Lager dürfen nur zu Transit- oder Umzugszwecken errichtet werden. Auch Österreich muss hier seinen Teil leisten. 

Jetzt aktiv werden und #Menschbleiben

Unsere Hilfe in Griechenland

  • Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische und psychologische Hilfe in Griechenland. Vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 verschlechterte sich die humanitäre Lage in den fünf Aufnahmezentren in Lesbos, Chios, Samos, Kos und Leros rasant.
  • Auf der Insel Lesbos betreuen wir eine pädiatrische Klinik außerhalb des Lagers Moria. Die Teams bieten medizinische und psychologische Hilfe für jugendliche Geflüchtete sowie Geburtshilfe für Schwangere an. In der Stadt Mythilene behandeln wir Überlebende von Folter und sexueller Gewalt sowie Menschen mit schweren psychischen Störungen. Im Zuge der Brände in Moria, errichteten wir eine Notfallklinik in der Nähe des Lagers.
  • Aufgrund der massiven Zunahme von Neuankömmlingen auf der Insel Samos, erweiterten wir 2019 unsere Hilfe vor Ort: Die Teams installierten ein Wasser- und Sanitärsystem für geflüchtete Menschen, die in der Nähe des offiziellen Aufnahmezentrums lebten. Zudem betreuen wir ein Tageszentrum, in dem wir psychologische Unterstützung sowie sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung anboten.
  • Auf der Insel Chios umfassen unsere Aktivitäten die sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, psychologische Hilfe sowie soziale Unterstützung.
  • Unsere Hilfe in Griechenland schließt außerdem die Betreuung von zwei Gesundheitszentren in Athen ein: In unserem Tageszentrum bieten wir sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, psychologische Unterstützung, Behandlung von chronischen und komplexen Krankheiten, Sozial- und Rechtshilfe an. Im zweiten Zentrum, das wir mit dem Tageszentrum Babel und dem griechischen Flüchtlingsrat betreuen, versorgen die Teams Überlebende von Folter und anderen Gewaltformen.

 

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Griechenland

In einem dringenden gemeinsamen Appell an die österreichische Bundesregierung fordern wir gemeinsam mit der Caritas Österreich und dem Österreichischen Roten Kreuz die Evakuierung von Kindern, Kranken und besonders Schutzbedürftigen nach Österreich.

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