Südsudan

Südsudan: Ärzte ohne Grenzen fordert Zugang zu Bevölkerung im Bundesstaat Upper Nile

Juba/Wien, am 23. Juli - Die Ausweitung der Kämpfe und die zunehmende Not im südsudanesischen Bundesstaat Upper Nile erschweren es Hilfsorganisationen immer mehr, der Bevölkerung Hilfe zu leisten. Ärzte ohne Grenzen appelliert an alle Konfliktparteien, den medizinischen Teams uneingeschränkten Zugang in das Stadtgebiet von Malakal und in die Umgebung zu gewähren. Zehntausende benötigen dringend humanitäre Hilfe.

„Zehntausende Menschen haben seit drei Monaten keinen Zugang mehr zu medizinischer Hilfe“, erklärt William Robertson, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Gleichzeitig gefährdet eine neue Welle der Gewalt das Leben unzähliger Zivilisten.“

Stadt leer gefegt

Die Hauptstadt des Bundesstaats Upper Nile, Malakal, die in den vergangenen 18 Monaten mehrmals erobert und zurückerobert wurde, ist nun vollkommen leer gefegt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen konnten in den vergangenen sechs Wochen nur ein einziges Mal Lebensmittel und medizinisches Material in die Gesundheitsstation in Wau Shilluk in einem Vorort von Malakal bringen. Derzeit befinden sich 77 schwer mangelernährte Kinder im ambulanten Ernährungsprogramm des Zentrums. Momentan gibt es keine Möglichkeit, sie mit der dringend benötigten therapeutischen Fertignahrung zu versorgen.

Da in Malakal mit seiner enormen Militärpräsenz weitere Kämpfe drohen, sind viele Menschen in die UN-Schutzzone für Zivilisten geflüchtet. Doch auch dort sind sie nicht sicher: Ärzte ohne Grenzen hat neun Menschen behandelt, die bei einem Angriff auf das Gelände Anfang Juli durch Kugeln verwundet wurden.

Verletzte Zivilpersonen versorgt

Am vergangenen Sonntag und Montag wurden 36 verwundete Zivilisten in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Malakal eingeliefert, darunter 16 Frauen und fünf Kinder. Sie waren von einer Gruppe Bewaffneter angegriffen worden, als sie auf einem LKW reisten. Einige hatten mehrere Verletzungen durch Granatsplitter, andere Schusswunden. Bei fünf Patienten war eine Notoperation notwendig. Dieser Angriff ist nur eines von unzähligen Beispielen für Angriffe auf Zivilisten in Upper Nile.

Einige Bewohner von Malakal sind nach Norden in die Stadt Melut geflohen. Ärzte ohne Grenzen war wegen der Gewalt in den vergangenen sechs Wochen zweimal gezwungen, die Hilfe in Melut auszusetzen. 20.000 Vertriebene im Flüchtlingslager „Denthoma 1“ hatten dadurch zeitweise keine medizinische Versorgung mehr. Wieder andere Vertriebene sind ans andere Ufer des Weißen Nils geflohen. Dort fehlen selbst grundlegende Hilfsgüter wie Nahrungsmittel, sauberes Wasser und medizinische Versorgung.

„Die andauernde Gewalt im Südsudan zwingt Zivilisten, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben“, sagt Robertson. „Die Menschen sind ständiger Gewalt, zunehmender Vertreibung, ständiger Angst vor Angriffen, Krankheitsausbrüchen und existenziellem Hunger ausgesetzt. Ärzte ohne Grenzen ist zutiefst besorgt über die wiederholte Zugangsverweigerung für humanitäre Organisationen in die Konfliktgebiete und andere abgelegene Gegenden im Südsudan. Die Menschen bleiben dadurch ohne dringend benötigte Hilfe zurück. Unser einziges Ziel ist es, Menschen in Not Hilfe zu leisten, unabhängig von ihrer politischen oder ethnischen Zugehörigkeit.“

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