Äthiopien

Äthiopien: Nicht nur einmal aus Somalia geflohen

145.000 Flüchtlinge aus Somalia leben in Lagern im Süden Äthiopiens. Etwa 110.000 von ihnen haben seit dem vergangenen Jahr ihr von Jahrzehnten des Konflikts gebeuteltes Land verlassen. Die Dürre hatte die ohnehin verheerenden Lebensbedingungen der Somalierinnen und Somalier im vergangenen Jahr weiter verschärft. Ärzte ohne Grenzen leistet in der Stadt Dolo Ado und in drei der fünf dortigen Camps medizinische und psychosoziale Hilfe. Zaynab Ahmed Abdi, deren kleiner Sohn im Ernährungszentrum im Camp Hiloweyn von Ärzte ohne Grenzen versorgt wird, berichtet von den Gründen ihrer Flucht und ihrer Situation.

Zaynab Ahmed Abdi und ihr dreijähriger Sohn Ibrahim sind seit zweieinhalb Wochen im Ernährungszentrum von Ärzte ohne Grenzen, wo der Junge versorgt wird. Das kleine Kind ist dort stationär untergebracht, weil es so schwer mangelernährt war, dass es eine Intensivversorgung benötigt. In solchen Fällen muss immer ein Erwachsener beim Kind bleiben – meist ist das die Mutter, so auch bei Ibrahim. Zaynab Ahmed Abdi ist aus Gedo in das Dolo-Gesundheitszentrum in Äthiopien gekommen, einer Region in Somalia, die nicht weit entfernt ist. Sie erzählt: „Wir mussten während der vergangenen zehn Jahre immer wieder nach Äthiopien fliehen, wegen des Krieges und der Dürre. Ich glaube, es ist das vierte oder fünfte Mal, dass wir zurück in Äthiopien sind.“

Dürre, Konflikte

Zuhause in Somalia arbeiten Zaynab und ihr Mann als Bauern, bauen Mais an, Tomaten, Bohnen und Tabak. Wegen der vielen Dürren, die Somalia in den letzten Jahren oft trafen, hatten sie große Schwierigkeiten, ihre Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Die Region Gedo ist zudem oft von kriegerischen Konflikten betroffen, zunächst zwischen verschiedenen so genannte War Lords der Region, dann während der Intervention von Äthiopien in Somalia im Jahr 2006/2007 und aktuell zwischen der von den Vereinten Nationen gestützten Regierung und der bewaffneten Opposition.„Mein Mann ging zurück nach Somalia, um seine Mutter zu holen, die wir zurücklassen mussten. Ich hoffe, dass sie schnell zu uns hier in Dolo Ado zurückkehren“, so Zaynab.

Wie eine Totenmaske

Der dreijährige Ibrahim war krank geworden und sehr dünn. Als die Familie im Gesundheitszentrum ankam, stellte eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen alle Anzeichen einer fortgeschrittenen Mangelernährung fest. Neben dem abgemagerten Körper hatte er auch Ödeme und reagierte nicht mehr auf sein Umfeld. Sein Gesicht sah wie eine Totenmaske aus. „Seine Erholung innerhalb von nur 17 Tagen war bemerkenswert. Er wurde wieder lebhaft und es ging ihm schnell besser. Wenn wir ihm zulächelten, lächelte er wieder zurück, was bedeutet, dass sein Nervensystem sich erholt hatte“, erzählt sie.

In wenigen Tagen werden Zaynab und Ibrahim in das ambulante Ernährungsprogramm verwiesen. Dort wird Ibrahims Behandlung fortgesetzt und durch tägliche Besuche im Krankenhaus ergänzt, zudem erhält auch der Rest der Familie Nahrungsmittelrationen.

Ärzte ohne Grenzen hat das Gesundheitszentrum in Dolo-Ado bereits 1997 aufgebaut und ist bis heute dort aktiv. Nach der jüngsten schwerwiegenden Krise in Somalia waren die Einrichtungen in der Stadt Dolo Ado durch den erneuten Zustrom an Flüchtlingen nach Äthiopien überlastet. Daraufhin hat Ärzte ohne Grenzen sein Engagement erhöht und seine Arbeit in Gesundheitszentren ausgedehnt. Außerdem baut die Organisation zusätzliche Stationen und eine chirurgische Abteilung auf, die sowohl für lokale Patientinnen und Patienten als auch für die Flüchtlinge der Region gedacht sind.

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