Demokratische Republik Kongo

Eden ist wieder bei Bewusstsein

Eden ist neun Jahre alt. Er lebt in Goma, im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Bei Kämpfen zwischen kongolesischen Regierungstruppen und der Rebellengruppe M23 wurde der Junge schwer verwundet. Er ist einer von 60 Verletzten, die Ärzte ohne Grenzen und die medizinischen Mitarbeiter des Virunga-Krankenhauses derzeit behandeln.

Eine Krankenschwester trägt einen Jungen quer durch die Krankenstation. Er hat den abwesenden Blick von Patienten, die aus der Vollnarkose erwacht sind. „Das ist Eden. Wir holen ihn gerade aus dem Aufwachraum und bringen ihn in sein Bett”, sagt die Krankenschwester. Wenig später hallt sein Weinen durch die Flure. Eden ist wieder bei Bewusstsein.

Plötzlich schlug eine Granate ein

Eden besuchte gerade seinen Onkel in Goma, als die Kämpfe begannen. Sie hörten Schüsse, gerieten in Panik. Dann rief jemand von draußen: „Bleibt in euren Häusern, draußen ist es nicht sicher.“ Die Familie blieb im Wohnraum des Hauses und hoffte, dass sie dort vor den Schüssen sicher sei. Doch plötzlich schlug eine Granate ein. Vier Familienmitglieder waren sofort tot, sechs weitere wurden schwer verletzt, unter ihnen Eden.

 „Die Verletzung war so groß, dass wir seinen linken Unterschenkel nicht mehr retten konnten”, berichtet Jacky Bonnan, Chirurg von Ärzte ohne Grenzen. „Aber wir haben alles getan, um sein rechtes Bein zu retten und nun hoffen wir, dass es gut verheilen wird.”

Kampf auch in Nachbardörfern

Die fünf weiteren Mitglieder von Edens Familie, die durch die Granate verletzt wurden, werden auch im Virunga-Krankenhaus versorgt. Bei Edens Onkel musste ebenfalls eine Operation durchgeführt werden, sein rechtes Bein wurde amputiert. „Ich verstehe das nicht“, sagt der Onkel. „Die anderen, die nach draußen rannten, sind verschont geblieben und wir, die wir uns drinnen versteckten, sind trotzdem hier gelandet.“

Mehr als 480 Menschen wurden in weniger als einer Woche verletzt während der Kämpfe, die in Goma und in den benachbarten Dörfern stattfanden.

Behandlung vieler Notfälle

„Die Krankenhäuser waren nicht darauf vorbereitet, so viele Unfallopfer aufzunehmen“, sagt Jacky Bonnan. „Bevor Ärzte ohne Grenzen ins Virunga-Krankenhaus kam, arbeitete das dortige chirurgische Team rund um die Uhr, 48 Stunden am Stück, um die Patienten zu stabilisieren – trotz fehlenden Materials. Sie haben einen großartigen Job gemacht.“Sofort nachdem die Kämpfe nachließen, schickte Ärzte ohne Grenzen ein chirurgisches Team, damit das Krankenhaus weitere Notfälle behandeln konnte. Rund zehn chirurgische Operationen führen die Mitarbeiter derzeit am Tag durch. Ärzte ohne Grenzen stellt zusätzlich auch medizinisches Material und Medikamente zur Verfügung, damit Patienten bis zu ihrer Entlassung versorgt werden können.

Trotz der jüngsten Gewaltausbrüche setzt Ärzte ohne Grenzen seine medizinische Hilfe in mehreren großen Referenzkrankenhäusern und Dutzenden Gesundheitszentren im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo fort. Monatlich werden in Rutshuru, Masisi, Mweso, Kitchanga, Walikale, Pinga und Kanyaruchinya sowie in den Vertriebenenlagern von Mugunga Tausende Patienten kostenlos versorgt.

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