Demokratische Republik Kongo

Besorgniserregende humanitäre Lage im Osten der DR Kongo

Die ohnehin prekäre humanitäre Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat sich weiter verschlechtert, nachdem die Grenzstadt Goma letzte Woche von den Rebellen eingenommen wurde und hunderte Menschen verletzt und Tausende vertrieben wurden.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben rasch mit Nothilfemaßnahmen begonnen, um den Opfern der Gewalt und den neu vertriebenen Menschen rund um Goma zu Hilfe zu kommen.

Medizinische Hilfe verstärkt

Seit Ende letzter Woche haben ein Chirurg und ein Anästhesist von Ärzte ohne Grenzen das Team im Krankenhaus Virunga in Goma verstärkt, in dem 60 Patienten und Patientinnen mit Verletzungen aufgenommen wurden. Sie führen rund zehn chirurgische Eingriffe pro Tag durch. 11 Personen konnten die Klinik bereits verlassen.

„Die Gesundheitsstrukturen in Goma waren nicht darauf vorbereitet, so viele Verletzte aufzunehmen“ erklärt Jacky Bonnan, Chirurg von Ärzte ohne Grenzen. „Vor der Unterstützung durch Ärzte ohne Grenzen hat das chirurgische Team des Krankenhauses von Virunga 48 Stunden ununterbrochen gearbeitet, um trotz fehlender Ressourcen die Patienten zu stabilisieren. Sie haben unglaubliche Arbeit geleistet.“

Anhaltende Kämpfe

Derzeit herrscht in Goma Ruhe, aber in der restlichen Provinz finden weiterhin immer wieder Kämpfe statt. Die medizinischen Teams des allgemeinen Krankenhauses in Masisi haben am Sonntag nach heftigen Kämpfen in und um die Stadt 21 Verletzte behandelt. Sieben von ihnen mussten notoperiert werden. Im Krankenhaus Mweso haben die Ärzte nach Zusammenstößen zwischen der kongolesischen Armee und diversen bewaffneten Milizen 27 Kriegsverletzte behandelt.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen konnten die Frontlinie überqueren und an das Krankenhaus Minova sowie an 950 am Weg verstreute Familien medizinisches Material verteilen. Das Krankenhaus hat in den vergangenen sieben Tagen 26 Fälle sexueller Gewalt und 200 Kriegsverletzte registriert.

Viele Vertriebene

Vertreibungen sind in diesem seit Jahren andauernden Konflikt eine Konstante, das Ausmaß dieser Vertreibungen erreicht aber nun ein Rekordniveau: Hunderttausende Menschen sind derzeit vertrieben. Vor ein paar Monaten hat Ärzte ohne Grenzen damit begonnen, 50.000 Menschen, die vor den Kämpfen in ihren Dörfern geflohen waren und in den Lagern von Mugunga im Westen Gomas Zuflucht gesucht hatten, kostenlos medizinisch zu versorgen. Seit dem Fall der Stadt hat sich die Anzahl der Vertriebenen in den Lagern verdoppelt.

Ärzte ohne Grenzen hat seine Hilfsaktivitäten verstärkt und unterstützt derzeit zwei Gesundheitszentren, in denen die Organisation täglich über 200 medizinische Behandlungen durchführt. Die Teams haben auch über 30 Latrinen und Duschen in einem der Lager errichtet.

„Diese Menschen sind verletzlich und leben nach wie vor in einer immer prekäreren Lage“  erklärt Grace Tang, Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Nord-Kivu. „Die Kämpfe, die seit Jahrzehnten in dieser Region wüten, finden nach wie statt – die Menschen können nicht nach Hause zurück, sie sind permanent vertrieben.“

Trotz der jüngsten Ereignisse setzt Ärzte ohne Grenzen seine Hilfe in mehreren großen Referenzkrankenhäusern und Dutzenden Gesundheitszentren fort, die monatlich tausenden Patienten und Patientinnen in Rutshuru, Masisi, Mweso, Kitchanga, Walikale, Pinga und Kanyaruchinya sowie in den Vertriebenenlagern von Mugunga kostenlose medizinische Versorgung bieten.

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