Sudan: Noteinsatz für Vertriebene

Während der Südsudan sich auf seine Unabhängigkeitserklärung am Samstag vorbereitet, sind etwa 260.000 Vertriebene dringend auf Hilfe angewiesen. Dazu gehören auch 100.000 Menschen, die Mitte Mai vor den schweren Kämpfen und Bombardements in der zwischen Nord- und Südsudan umstrittenen Grenzregion Abyei geflohen sind.

Die meisten Vertriebenen aus Abyei haben sich nur wenige Tagesmärsche entfernt südlich niedergelassen – in der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr nach dem Abflauen der Kämpfe. Einige sind aber auch bis zu zehn Tage gelaufen. Anfang Juni kamen 5.000 Vertriebene in den Dörfern Juong Pakok und Mayen Pajok im Norden des Bundesstaats Warrap im Südsudan an. Bis Anfang Juli waren es schon 6.300 –  und jeden Tag kommen neue hinzu.

„Die Vertriebenen sind in einem schrecklichen Zustand. Sie sind völlig erschöpft und traumatisiert“, erklärt Carole Coeur, Nothilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Viele haben erlebt, wie Familienangehörige durch das heftige Bombardement getötet wurden. Weil die Kämpfe andauerten, mussten sie fliehen, nachdem sie ihre toten Kinder und Eltern begraben hatten. Andere haben auf der Flucht in den Süden bei Überfällen durch Soldaten Angehörige aus den Augen verloren und wissen nicht, ob sie noch leben.“

Im Südsudan herrscht chronische Mangelernährung. Weniger als ein Viertel der Bevölkerung hat Zugang zu einer medizinischen Gesundheitsversorgung. Die Hungerzeit zwischen den Ernten hat begonnen und hunderttausende Vertriebene sowie 300.000 Rückkehrer aus dem Nordsudan müssen mit den ohnehin schon knappen Lebensmitteln auskommen.

Bevölkerung ist hilfsbereit

„Die Bevölkerung in den Dörfern hat die Vertriebenen herzlich aufgenommen und ihnen geholfen, so gut es geht“, sagt Coeur. „Aber es gibt einfach nicht genug Lebensmittel und sauberes Wasser und zu wenige Unterkünfte für die Bevölkerung und die Vertriebenen. Die Temperatur steigt tagsüber auf 40 Grad im Schatten, Malaria ist weit verbreitet und nun beginnt auch noch die Regenzeit. Die Menschen sind zwar den Bomben entkommen, aber sie befinden sich noch immer in einer akuten Notsituation.“

Mitte Juni startete das Notfall-Team von Ärzte ohne Grenzen ein neues Projekt für die Vertriebenen in den beiden Dörfern. Mehr als 3.000 Kinder wurden gegen Masern geimpft, 224 Familien erhielten Haushalts-Kits mit notwendigen Gebrauchsgütern, Moskitonetzen, Plastikplanen, Kochutensilien und Wasch- und Hygieneartikeln. Zusätzlich verteilten die Teams mehr als 90.000 hochproteinhaltige Kekse und planen die Bereitstellung von 2.000 Zelten, um den Familien längerfristig eine Unterkunft zu bieten.

Eine mobile Klinik leistet medizinische Hilfe in der Region Juong Pajok, eine weitere wird für die Region Mayen Pajok eingesetzt werden. Die ambulante Versorgung schwer mangelernährter Kinder mit therapeutischer Fertignahrung ist ein Kernbestandteil des medizinischen Nothilfe-Einsatzes.

Bedarf an Nothilfe nach Unabhängigkeit

Während sich die Situation in Abyei inzwischen beruhigt hat, hält die Gewalt im benachbarten Bundesstaat Süd-Kordofan, der beim Nordsudan verbleibt, weiter an und hat inzwischen geschätzte 70.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Auch nach der offiziellen Unabhängigkeit des Südsudans werden bewaffnete Kämpfe, Gewalt und Unsicherheit das Leben vieler Menschen gefährden. Neben den Spannungen zwischen Nord- und Südsudan sind die Menschen im Südsudan nach wie vor durch Kämpfe zwischen neu formierten Milizen und der südsudanesischen Armee, durch die Präsenz der Rebellengruppe Lord’s Resistance Army, sowie durch Kämpfe zwischen Gemeinden und durch Streitigkeiten wie Vieh-Raub bedroht.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1979 im Sudan. In diesem Jahr arbeiten mehr als 2.000 sudanesische und fast 200 internationale Mitarbeiter in 13 Projekten in 8 Bundesstaaten des Südsudan. Zwischen Januar und April 2011 haben sie 6.422 Patienten stationär behandelt, 140.519 ambulante und 29.278 vorgeburtliche Konsultationen durchgeführt, 2.681 Kinder entbunden und 6.109 mangelernährte Kinder in Ernährungsprogramme aufgenommen. Sie führten 1.828 Operationen durch und behandelten 1.079 Kala Azar-Patienten, 10.392 Malaria-Patienten und 2.347 Tuberkulose-Patienten.

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