4 Fragen zum aktuellen Ebola-Ausbruch in Uganda

Am 20. September wurde der Ebola-Ausbruch in Uganda offiziell deklariert - hier sind vier Antworten zu aktuellen, drängenden Fragen.

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18.11.2022

Bis zum 2. Oktober wurden 43 Infektionen bestätigt und 29 Todesfälle gezählt, wovon bei neun Ebola sicher als Ursache bestätigt wurde. Ärzte ohne Grenzen arbeitet mit der Gesundheitsbehörde vor Ort zusammen, um erste Notmaßnahmen zur Verhinderung der Krankheitsausbreitung umzusetzen.

Gegen die aktuelle Virusvariante in Uganda gibt es keinen Impfstoff. Bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird gegenwärtig abgeklärt, welcher Impfstoffkandidat im Rahmen von neuen klinischen Tests geeignet wäre, um eine Zulassung zu erreichen. Solange kein Impfstoff als wirksam nachgewiesen ist, muss ein Großteil der standardmäßig ergriffenen Maßnahmen überdacht werden.

Der von Merck produzierte rVSV-Impfstoff ist für die Zaire-Variante zugelassen. Er kommt bei einer Impfstrategie zum Einsatz, bei der sowohl die Kontaktpersonen von Ebola-Kranken als auch deren Kontakte geimpft werden. Ein anderer Impfstoff von Johnson & Johnson kann sowohl während eines Ausbruchs für Risikogruppen als auch präventiv für Gesundheitsmitarbeitende oder für Menschen in Gebieten verwendet werden, die noch nicht von einer Epidemie betroffen sind.

In Uganda muss das Gesundheitspersonal nun also noch ohne Impfung auskommen, bis die Tests stattgefunden haben und ein Impfstoff gefunden wurde. Ärzte ohne Grenzen hat bei der Forschungsarbeit ihre Unterstützung zugesichert, wie die Organisation dies auch 2019 bei den klinischen Studien von Johnson & Johnson in der DR Kongo tat.

Die von 2018 bis 2019 in der DR Kongo durchgeführten klinischen Studien ermöglichten die Ermittlung von Behandlungsmethoden, die auf dem Einsatz von monoklonalen, d. h. virusspezifischen Antikörpern beruhen: Mab114 und regn-eb3. Diese erhöhen die Heilungschancen erheblich.

Diese Antikörper sind jedoch nur gegen ein bestimmtes Virus wirksam – gegen die Sudan-Variante nicht. Es können daher nur die Symptome behandelt werden: Ausgleich von Flüssigkeitsverlust, Sauerstoffzufuhr, Überwachung der Blutwerte und Herz-Kreislauf-Funktion usw.

Wie bei allen Ebola-Epidemien ist die Umsetzung von Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung an Gesundheitseinrichtungen zentral, um Ansteckungen zu vermeiden. Dies gilt insbesondere im Umgang mit Ebola-Patient:innen. „Der Schutz der Gesundheitsmitarbeitenden, die an vorderster Front tätig sind, hat für uns oberste Priorität. Auch das Pflegepersonal muss geschützt werden, damit die Gesundheitsversorgung aufrechterhalten werden kann. Dazu müssen sie in Infektionsprävention und -kontrolle geschult werden und brauchen die entsprechende Schutzausrüstung“, erläutert Dr. Guyguy Manangama, stellvertretender Verantwortlicher für Nothilfeeinsätze bei Ärzte ohne Grenzen.

Die ugandischen Behörden haben bis jetzt zwei Todesfälle von Gesundheitsmitarbeitenden bestätigt: ein Arzt und eine Hebamme.

Bei einem Ebola-Ausbruch ist es entscheidend, dass die Bekämpfungsmaßnahmen in direkter Nähe der betroffenen Bevölkerung stattfinden. „Wir wissen, dass die Überlebenschancen umso höher sind, je früher Ebola-Patient:innen behandelt werden. Da die ersten Symptome nicht eindeutig sind und jenen von Malaria und Typhus ähneln, geht es vor allem darum, dass Informationen, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten möglichst schnell verfügbar sind. Denn noch immer kommen bei Ebola-Epidemien viele Menschen erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium in die Gesundheitseinrichtungen oder sterben sogar zu Hause. In dieser Zeit stecken sie natürlich auch andere an. Genau das gilt es zu vermeiden“, betont Manangama.

Ärzte ohne Grenzen empfiehlt deshalb die Einrichtung von kleineren Gesundheits- oder Isolationszentren, wo Patient:innen möglichst in der Nähe ihres Wohnorts erste Hilfe erhalten. Parallel dazu können größere Referenzeinrichtungen Kranken in fortgeschrittenem Stadium mehr Behandlungsmöglichkeiten bieten. Bei vergangenen Ausbrüchen wurden Ebola-Kranke häufig direkt in große Einrichtungen außerhalb ihrer Gemeinschaft gebracht, was bei der Bevölkerung zu Ablehnung führte und Gerüchte entstehen ließ.

In Uganda möchten wir daher ein Isolationszentrum mit 36 Betten und einer Intensivstation für bestätigte Fälle und Verdachtsfälle in Mubende eröffnen und kleinere Einrichtungen in betroffenen Unterbezirken wie zum Beispiel Madudu.

Unsere Teams vor Ort planen zudem eine Zusammenarbeit mit den Spitälern, damit diese Referenzzentren für Pflegefachkräfte werden, die sich mit der Krankheit anstecken.

Bei einem Ebola-Ausbruch ist es zentral, so schnell wie möglich Infizierte ausfindig zu machen und die Personen, mit denen sie Kontakt hatten, zu ermitteln. Manchmal leben diese weit weg vom Epizentrum des Ausbruchs. Bis jetzt sind in fünf Bezirken Fälle bestätigt worden, was eine Kontaktverfolgung in einem relativ Großen Gebiet erforderlich macht.

Außerdem wurden bereits im August, also vor der Bekanntgabe des Ausbruchs am 20. September, Todesfälle gemeldet, die möglicherweise mit Ebola in Verbindung stehen. Wie es bei einem Ebola-Ausbruch zu Beginn häufig der Fall ist, hinken die Suche nach Infizierten und Kontaktpersonen der Ausbreitung der Epidemie hinterher. Es ist deshalb wichtig, ein möglichst präzises Bild der ersten Etappen der Epidemie zu zeichnen, um Screenings und medizinische Hilfe an den richtigen Standorten anzubieten.

Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten über die Krankheit informiert ist und bei den Bekämpfungsmaßnahmen involviert wird und bei der Umsetzung mithilft. Deshalb müssen Aktivitäten zur Überwachung und Kontaktverfolgung möglichst bevölkerungsnah stattfinden. Hat man Personen mit Verdacht auf eine Ebola-Ansteckung ermittelt, müssen sie und ihre Familie Zugang zu medizinischer Versorgung haben oder sich für 21 Tage in Isolation begeben. Um die Menschen dabei zu unterstützen, müssen häufig soziale oder finanzielle Barrieren beseitigt werden, indem man beispielsweise Transportkosten für die Betroffenen übernimmt, sie für den Arbeitsausfall entschädigt oder ihnen Nahrung für die Isolation zu Hause zur Verfügung stellt. Den Patient:innen und ihren Angehörigen wird auch psychologische Hilfe angeboten.

Auch IT-Tools können bei der Echtzeitüberwachung der Epidemie hilfreich sein. Während des Ebola-Ausbruchs in der DR Kongo von 2018 bis 2020 hat Epicentre, die Forschungseinheit von Ärzte ohne Grenzen, neue Instrumente für eine vereinfachte Koordination der verschiedenen epidemiologischen Aktivitäten entwickelt. Dazu gehören Tools zur systematischen Überwachung und Erfassung von Patient:innendaten, automatisierte Berichte und eine Online-Plattform, um die Daten zum Case Management und zum Verlauf der Epidemie visuell darzustellen. Zum ersten Mal bei einer Epidemie dieses Umfangs wurde an allen Anlaufstellen für Patient:innen das gleiche Überwachungstool eingesetzt. Dies ermöglichte es, auf umfassendes Datenmaterial zu allen Ebola-Behandlungszentren zugreifen zu können. Ärzte ohne Grenzen ist bereit, diese Tools auch den ugandischen Behörden zur Verfügung zu stellen.

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Über Ebola

Ebola ist eine schwere virale Infektionskrankheit, die bei einem Ausbruch in bis zu 90 % der Fälle tödlich verlaufen kann. Die Symptome ähneln jenen von anderen Krankheiten: plötzliches hohes Fieber, Muskelschmerzen, Kopf- und Halsschmerzen. Darauf können Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag, Symptome von Nieren- oder Leberversagen und in einigen Fällen innere oder äußere Blutungen folgen. Das Virus wurde 1976 in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) entdeckt. Es gibt mehrere Virusvarianten, von denen der Zaire-Stamm in den vergangenen Jahren für die meisten Ausbrüche verantwortlich war. Das Sudan-Ebolavirus hat seit seiner Entdeckung sieben Ausbrüche ausgelöst, vier davon in Uganda und drei im Sudan. 2019 kam es in Uganda das letzte Mal zu einer Ebola-Epidemie, wobei die Sudan-Variante das letzte Mal 2012 für einen Ausbruch verantwortlich war.