17.05.2022

Am 11. April kam es nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen im Osten Südafrikas zu Überschwemmungen. Fast 450 Menschen kamen ums Leben, 40.000 haben ihr Zuhause verloren. Besonders betroffen ist die Provinz KwaZulul-Natal, in der auch die Hafenstadt Durban liegt.

Unser Team ist nun seit einem Monat vor Ort, um zu helfen. Hier sind einige der Erkenntnisse, die es gewonnen hat:

1. Durch die Überschwemmung wurde eine Krise rund um den Zugang zu Wasser ausgelöst, die größer ist, als man denkt. 

Im Monat nach den Überschwemmungen schien die Sonne an den meisten Tagen. Aufgrund der Zerstörung der Infrastruktur sind aber Hunderttausende ohne Trinkwasser. Tongaat, eine Gemeinde mit über 50 000 Einwohner:innen im Norden von Durban, wird zum Beispiel bis zu einem halben Jahr ohne Wasser sein. 

"In einigen Gebieten, in denen viele Menschen obdachlos sind, wie Dassenhoek und KwaNgedezi, kommt kurz Wasser aus den Hähnen, nur um dann gleich wieder zu verschwinden. Es wird also noch lange dauern, bis eine gleichmäßige Wasserzufuhr gewährleistet ist", sagt Danish Malik, unser Koordinator für Wasser und sanitäre Einrichtungen in Durban.

Um zu helfen, haben wir 40 Wassertanks in den wichtigsten Notunterkünften und Kliniken installiert, die größtenteils durch ein zunehmend effizientes kommunales Wassertanksystem oder durch unsere eigenen zwei Wassertankwagen gefüllt werden. Wassertanks sind jedoch extrem teuer, und mittel- und längerfristig sind auch nachhaltigere Lösungen erforderlich. Wir führen derzeit Gespräche mit der Stadt über die Errichtung einer Oberflächenwasseraufbereitungsanlage in Tongaat und das Bohren von Bohrlöchern in den Gemeinden Mfume und Mbulula im Süden von Durban.

2. Eine ungewartete mobile Toilette ist schlimmer als gar keine Toilette.

Die Überschwemmungen verursachten schwere Schäden an der Abwasserinfrastruktur, einschließlich der Hauptabwasserkanäle und mehrerer Kläranlagen. In Orten wie Kwangedezi, Tongaat und Umhlatuzana sehen wir, dass riesige Mengen unbehandeltes Abwasser in die Umgebung gelangen, was das Risiko des Ausbruchs von durch Wasser übertragenen Krankheiten in diesen Orten erhöht. Es muss mehr getan werden, um die Gemeinden in diesen Regionen zu helfen, sich selbst vor Krankheiten zu schützen. Zu diesem Zweck schulen unsere Gesundheitsberater:innen derzeit mehr als 200 Mitglieder des Gesundheitsministeriums in den Bereichen Wassersicherheit, Hygiene und Krankheitsprävention.

In den überfüllten Notunterkünften ist die Abwasserentsorgung eine große Herausforderung. Zwar haben die meisten von ihnen inzwischen mobile Toiletten gespendet bekommen, doch werden diese meist nicht gewartet, so dass sie sehr bald verstopft sind. Wir haben 60 Toiletten aufgestellt und warten diese regelmäßig. Außerdem haben wir die Stadtverwaltung aufgefordert, die Reinigung der vielen von anderen Seiten gespendeten Toiletten zu übernehmen. 

3. Die Menschen brauchen psychosoziale Beratung.

Unsere Ärzt:innen und Krankenpfleger:innen haben mehr als 30 Notunterkünfte besucht. Zunächst ging es darum, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie HIV, Tuberkulose, Bluthochdruck und Diabetes, die ihre Medikamente in den Fluten verloren hatten, mit neuen Medikamenten zu versorgen. Es dauerte nicht lange, bis die meisten versorgt wurden. Erkältungs- und Grippesymptome waren der Hauptgrund dafür, dass sich weitere Bewohner:innen der Notunterkünfte für eine Behandlung meldeten.

Am häufigsten wird jedoch die psychosoziale Beratung genutzt. Die Nachfrage steigt auch, da der unmittelbare Bedarf an Nahrungsmitteln, Wasser, Unterkünften und Sicherheit zunehmend von den örtlichen Behörden und anderen Hilfsorganisationen gedeckt wird. Am 10. Mai baten beispielsweise 26 Menschen, die in einer Unterkunft in Inanda untergebracht waren, um Beratung, viel zu viele für den einzigen registrierten Berater, der an diesem Tag Dienst hatte.

"Viele Menschen sind immer noch fassungslos und können sich nicht an die neue Realität gewöhnen - dass sie alles verloren haben und in diesen Unterkünften leben müssen", sagt Nokuthula Shandu, eine unserer registrierten Berater:innen. Sie meint auch, dass in den Beratungsgesprächen deutlich wird, dass das Trauma und der Verlust durch die Fluten durch frühere Traumata wie die Erfahrungen mit den gewalttätigen Unruhen im Jahr 2021, die Arbeitslosigkeit aufgrund der COVID-19-Beschränkungen und die stark steigenden Lebenshaltungskosten aufgrund der in letzter Zeit eskalierenden Treibstoffpreise noch verstärkt werden.

Das lokale Gesundheitssystem ist in der Regel nicht in der Lage, psychosoziale Betreuung anzubieten. Um den Zugang zu Beratung zu verbessern, haben unsere Spezialist:innen für psychische Gesundheit gemeinsam mit den Teams des Gesundheitsministeriums Schulungen zur psychischen Gesundheit durchgeführt.

"Längerfristig arbeiten wir mit Partnerorganisationen zusammen, um in den am stärksten betroffenen Gebieten Selbsthilfegruppen einzurichten. So sollen diejenigen, die mit ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen haben, immer Zugang zu irgendeiner Form von Unterstützung haben. Denn Tatsache ist derzeit, dass für die meisten Südafrikaner:innen psychosoziale Unterstützung einfach nicht zugänglich ist", sagt Manivasan Thandrayen, medizinische Leiterin unseres Teams in Durban.

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