Syrien: Wir helfen, wenn man uns lässt.

07.07.2022
Aktuell gibt es genau einen Grenzübergang zwischen der Türkei und Syrien, über den humanitäre Hilfe nach Nordwest-Syrien gelangen kann. Dieser steht vor dem aus.

Update 13.7.2022: Derzeit ist der Grenzübergang Bab Al-Hawa an der syrisch-türkischen Grenze der einzige zugelassene humanitäre Grenzübergang nach Nordwestsyrien. Am 8. Juli 2022 legte Russland sein Veto gegen einen Resolutionsentwurf ein, mit dem die grenzüberschreitende Hilfe um ein weiteres Jahr verlängert worden wäre. Am 12. Juli verlängerte der Sicherheitsrat nach mehreren Verhandlungsrunden die Resolution schließlich nur um sechs statt der ursprünglich vorgeschlagenen zwölf Monate. Das bedeutet zwar eine dringend benötigte Atempause, aber keine Sicherheit über diesen kurzen Zeitraum hinaus. Eine weitere Verlängerung hängt von einer neuen Abstimmung des Sicherheitsrates im Januar 2023 ab. 


Wir fordern den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, diese Resolution zu verlängern. Wird die Resolution nicht verlängert und auch dieser Grenzübergang geschlossen, werden Millionen Syrer:innen von der so dringend notwendigen Hilfe abgeschnitten. Claire San Filippo, Leiterin unserer Aktivitäten in Syrien für unser Operationales Zentrum in Belgien, berichtet:

Die Tür für Hilfe: Bab al-Hawa

Die Vereinten Nationen einigten sich 2014 auf eine Grenzresolution. Diese erlaubt es der UNO und Nichtregierungsorganisationen, wichtige Hilfsgüter auch ohne die Zustimmung der syrischen Regierung über bestimmte Grenzübergänge in diejenigen Teile Syriens zu bringen, die nicht von der Regierung in Damaskus kontrolliert werden. Darüber hinaus ermöglicht es die Resolution Nichtregierungsorganisationen, Mittel für humanitäre Hilfe in dieser Region zu erhalten. Seither wurde bereits mehrfach neu über die Verlängerung der Resolution beraten. Seit Juli 2020 ist Bab al-Hawa der einzige offene Grenzübergang im Nordwesten Syriens und ohne erneute Verlängerung läuft die Resolution am 10. Juli 2022 aus.

Die Konsequenzen für die Menschen in Nordwest-Syrien und unsere Arbeit wären verheerend:

Prinzipienorientierte Hilfe muss möglich sein.

Das politische Tauziehen um diesen Grenzübergang zeigt vor allem eins: Immer dann, wenn humanitäre Hilfe politischen Erwägungen unterworfen wird, immer dann, wenn humanitär helfenden Organisationen der Zugang verweigert oder erschwert wird, immer dann zahlen insbesondere die verwundbarsten Menschen in einer Gesellschaft den Preis dafür. 

Als humanitäre Organisation ist unser Hauptziel simpel: Leben retten, Leiden lindern. Einfach zu erreichen ist dieses Ziel jedoch nicht. Schon gar nicht, wenn wir derart an der Ausübung unserer Arbeit gehindert werden. Deshalb appellieren wir an alle Geberländer unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen: Lassen Sie die Menschen im Nordwesten Syriens nicht im Stich!

Jetzt helfen!