15.10.2025
David Charo Kahindi hat den Bombenangriff auf unser Krankenhaus in Old Fangak im Südsudan erlebt. Der medizinische Koordinator erzählt, was passiert ist.

Es ist Samstag früh, der 3. Mai. Gegen 4:50 Uhr werde ich durch Explosionen geweckt. Ich höre die Kampfhubschrauber über uns fliegen und Menschen schreien. Jedes Mal, wenn die Hubschrauber näherkommen, habe ich Angst: um mein Leben, um die Menschen im Ort, unsere Patient:innen und Kolleg:innen. 

Schüsse, Schreie – und dann Stille

Die Bombardierung dauert etwa eine Stunde. Ich höre nur Schüsse und Schreie der Menschen. 

Als es endlich still wird, fahre ich sofort mit dem Boot zum Krankenhaus. Am Tor treffe ich unseren Wachmann. Das Tor ist völlig zerstört. Überall liegen Patronenhülsen. Am Krankenhaus-Gelände sehe ich Teile von explodierten Waffen.

Die Apotheke brennt

Dann sehe ich die Apotheke, sie steht in Flammen. Das ganze Team und viele aus der Gemeinde versuchen das Feuer mit Wasserkübeln zu löschen. Das ist gefährlich, denn unsere Treibstofftanks stehen nur wenige Meter entfernt. Wir haben Angst, dass sie explodieren und alles zerstören. 

Bombing of MSF hospital in Old Fangak
MSF
Der Rauch ist schon von weitem zu sehen.
Bombing of MSF hospital in Old Fangak
MSF
Die Apotheke steht in Flammen
Bombing of MSF hospital in Old Fangak
MSF
Wir versuchen den Brand zu löschen.

Zuerst hoffe ich noch, dass wir wenigstens einen Teil der Medikamente retten können. Doch schnell wird klar, dass die Apotheke und damit alle Vorräte vollständig verbrennen werden. Es dauert fünf Stunden, bis wir das Feuer endlich gelöscht haben.

Wo sind unsere Patient:innen?

Dann eile ich ins Krankenhaus. In der Männerstation haben in der Nacht zuvor zwei Patienten gelegen. Jetzt ist niemand da. Nur Einschusslöcher und Blut auf dem Boden. In der Frauenstation ist es genauso.

Als Nächstes komme ich zur Notaufnahme. Unser Team behandelt gerade Verletzte, die aus der Stadt angekommen sind. Es sind insgesamt 20. Einige sind in sehr kritischen Zustand: wir müssen dringend Blutungen stoppen. Manche haben Schusswunden im Kopf, in der Brust oder im Bauch. 

Keine Medikamente mehr

Wir tun alles, was wir können. Aber es gab keine Medikamente und kein medizinisches Material mehr. Nur das, was vor dem Angriff bereits auf der Station war. Und das reicht nicht aus.

Mitten im Nirgendwo

Nachdem wir die Patient:innen stabilisiert haben, bringen wir sie mit einem Schnellboot in Sicherheit: In ein Dorf, das etwa eine Stunde entfernt liegt. Die meisten Patient:innen sind Frauen. Es gibt auch verletzte Kinder, manche erst 15 Jahre alt. 

Ich finde keine Worte, um den Patient:innen zu erklären, dass das Krankenhaus für sie nicht mehr sicher ist.

In diesem Dorf gibt es nichts außer einem Zelt. Wir sind mitten im Nirgendwo. Wir bringen die Patient:innen ins Zelt und geben ihnen Medikamente, die wir mitbringen konnten. Am nächsten Tag evakuieren wir sie mit dem Flugzeug in ein Krankenhaus in Akobo, im Osten des Landes. Dort werden sie weiter behandelt.

Bombing of MSF hospital in Old Fangak
MSF
Wir versorgen die Verletzten an einem sicheren Ort.
Bombing of MSF hospital in Old Fangak
MSF
Unsere Patient:innen werden mit dem Flugzeug evakuiert.

350 Kilogramm Hilfsgüter

Etwa 10.000 Menschen sind in dasselbe kleine Dorf wie wir geflohen. Am nächsten Morgen ist klar, dass wir nicht genug medizinische Hilfsgüter für all diese Menschen haben. 

Also rufen wir unser Team in der Hauptstadt Juba um Hilfe. Wir schaffen es mit Unterstützung der Vereinten Nationen 350 Kilogramm medizinische Hilfsgüter einzufliegen, um in diesem Zelt eine kleine Klinik zu betreiben. 

Jetzt ist nichts mehr übrig

Ich bin zutiefst erschüttert über das, was geschehen ist. Das Krankenhaus gab es seit mehr als zehn Jahren. Es war eine wichtige Anlaufstelle für über 100.000 Menschen in der Region.

Wir verurteilen diese Angriffe aufs Schärfste. Krankenhäuser dürfen niemals Ziel von Angriffen sein. 

Unser Krankenhaus hatte 35 Betten, eine Ambulanz, stationäre Abteilungen und eine Geburtenstation. Wir haben schwer erkrankte Patient:innen an spezialisiertere Einrichtungen überwiesen. Jetzt ist nichts mehr davon übrig. 


Unser Krankenhaus in Old Fangak im Bundesstaat Jonglei wird am 3. Mai von zwei Kampfhubschraubern bombardiert. Die Apotheke und wichtige medizinische Ressourcen sind zerstört. In der Gemeinde werden bei dem Angriff mindestens sieben Menschen getötet; 27 Menschen sind verletzt, darunter vier unserer Mitarbeitenden.

Angriffe im Südsudan

Seit Jahresbeginn 2025 haben die Angriffe auf medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen im Südsudan besorgniserregend zugenommen. Hier einige Beispiele: