Kommentar von
Svenja Stengl
11.03.2026
Svenja Stengl ist bereits zum dritten Mal in Malawi, um in einem Programm zur Früherkennung, Diagnose und Behandlung von Gebärmutterhalskrebs zu unterstützen.

In Österreich kann die Zahl der Erkrankungen dank kostenloser HPV-Impfungen für Kinder und Jugendliche vermindert und Gebärmutterhalskrebs dank Früherkennung immer besser behandelt werden. In Malawi macht diese vermeidbare Krankheit noch immer rund 40 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen aus. Die Sterblichkeitsrate ist eine der höchsten der Welt.

Jedes Jahr sterben laut Weltgesundheitsorganisation mehr als 3.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Seit 2019 steuern wir mit einem umfassenden Programm dagegen. Das ist besonders nachhaltig, wie Svenja berichtet. Nicht nur deshalb ist sie mit einem fröhlichen Gefühl zu ihrem aktuellen Einsatz nach Malawi aufgebrochen.

Gebärmutterhalskrebs kommt in Malawi sehr häufig vor, weil leider auch sehr viele Frauen HIV-positiv sind. Ihr Immunsystem ist durch die antiretrovirale Therapie, die sie bekommen, eingeschränkt. Sie infizieren sich leichter mit Humanen Papillomaviren (HPV), die den Krebs auslösen.

Unterwegs mit einer gynäkologischen Ambulanz

Dagegen gibt es eigentlich eine Impfung, aber die ist im Malawi kaum verfügbar. Das Land zählt zu den einkommensschwächsten weltweit und die Menschen haben kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung – und noch viel weniger zu präventiven Maßnahmen wie Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen. Die bieten wir in einem Lastwagen an, der zur gynäkologischen Ambulanz umgebaut wurde. Ich habe bei meinem Einsatz die Möglichkeit, mitzufahren. Es warten sicher 80 Frauen auf uns, die wir an einem einzigen Tag untersuchen.

Alternative Untersuchungsmethoden

In Österreich ist ein Krebs-/PAP-Abstrich die gängige Untersuchungsmethode. In Malawi gibt es allerdings nicht genügend histologische Institute, die Abstriche analysieren könnten. Daher setzen wir dort auf so genannte VIA (Visual Inspection with Acetic Acid). Dafür wird der Gebärmutterhals mit verdünnter Essigsäure betupft und anschließend mit bloßem Auge oder einfacher Vergrößerung untersucht.

Unser Team hat damit schon viel Erfahrung und kann Veränderungen gut erkennen. Wenn wir kleinere Krebsvorstufen feststellen, behandeln wir diese gleich vor Ort. Wenn diese schon größer sind, überweisen wir die Frauen in unser Krankenhaus in Blantyre, einer Stadt im Süden Malawis. 

„Schallen“ als wichtigste Kompetenz

In Blantyre arbeite ich in der Ambulanz und untersuche von Früh bis Spät eine Frau nach der anderen. Da habe ich nur eine kleine Mittagspause. Das ist ziemlich anstrengend. In meiner Praxis in Wien arbeite ich selten so lange am Stück. Zur Unterstützung ist eine Pflegefachkraft dabei, die auch dolmetscht.

Die wichtigste Qualifikation für die Arbeit dort ist das kompetente Durchführen eines Ultraschalles. Das Team in Blantyre ist sehr erfahren darin und auch ich habe mittlerweile sehr viel Know-how mit dieser Form der Diagnostik. Bei meinem letzten Aufenthalt hatte ich die Aufgabe einen Bericht zu verfassen, wie diese kostengünstige und einfache Untersuchung in unserem Projekt noch besser eingesetzt werden kann.

Kostenlose Behandlung und Anreise

In der gynäkologischen Ambulanz in Blantyre werden, wenn nötig, auch Proben für histologische Untersuchungen entnommen. Wir beraten die Frauen und finden mit ihnen gemeinsam heraus, was die beste Therapie für sie ist. Die ist je nach Stadium sehr unterschiedlich. Das kann eine Operation sein, eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie.

Die Abteilung für Chemotherapie ist direkt in unserem Krankenhaus angesiedelt. Für die Strahlentherapie können wir die Patientinnen in eine andere Institution überweisen. Das alles ist für die Frauen kostenlos. Ärzte ohne Grenzen übernimmt auch die Kosten für die Anreise, da sie oft aus sehr entlegenen Regionen zu uns kommen.

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Untypisch, aber nachhaltig

Das Programm gegen Gebärmutterhalskrebs ist für Ärzte ohne Grenzen eher untypisch, weil wir uns meist auf medizinische Nothilfe konzentrieren. Es ist allerdings besonders nachhaltig. Da die Krankheit erst im Alter von 25 bis 40 Jahren ausbricht, wissen wir bei jeder jungen Frau, die wir heute impfen, dass sie ziemlich sicher keinen Gebärmutterhalskrebs bekommen wird. Und wenn wir die Erkrankung frühzeitig erkennen können, sind die Chancen auf Genesung sehr gut. 

Fröhlich in den Einsatz

Ich kenne das Krankenhaus mittlerweile gut. Vor allem weiß ich, wie gut das Programm läuft. Daher bin ich mit einem sehr fröhlichen Gefühl dorthin gefahren und ich freue mich, dass ich dieses Mal länger bleiben kann. In den kommenden 5 Monaten wartet viel Arbeit auf mich, aber auch das Wissen, dass ich zur Gesundheit vieler Frauen beitragen kann.