Zu den bekanntesten Epidemien der Geschichte zählen die Pest im Mittelalter, die Spanische Grippe von 1918 bis 1920, wiederkehrende Cholera-Ausbrüche sowie Ebola-Epidemien in Zentralafrika. Aus einem lokalen Ausbruch entwickelte sich zudem COVID-19, das die WHO 2020 zur Pandemie erklärte.
Breadcrumb
Das Wichtigste auf einen Blick
Hier erklären wir, was eine Epidemie ist, wie sie entsteht und wie wir sie bekämpfen.
- Eine Epidemie ist das zeitlich und örtlich begrenzte, stark gehäufte Auftreten einer Infektionskrankheit.
- Jede Pandemie beginnt als Epidemie – der Unterschied liegt im geografischen Ausmaß, nicht in der Schwere der Erkrankung.
- Aktuell: Im Mai 2026 rief die WHO wegen des Ebola-Ausbruchs mit dem Bundibugyo Virus in der DR Kongo den internationalen Gesundheitsnotstand aus.
- Was hilft: frühzeitige Erkennung, Impfung, sauberes Wasser
Wenn sich Infektionskrankheiten schnell ausbreiten, kann das für viele Menschen lebensbedrohlich werden – besonders dort, wo medizinische Versorgung fehlt oder Gesundheitssysteme bereits überlastet sind.
Wir helfen in vielen Einsatzländern, Ausbrüche früh zu erkennen, Patient:innen zu behandeln und weitere Ansteckungen zu verhindern.
Epidemien in Zahlen
1,5
Mio.
Kinder unter 5 Jahren sterben jedes Jahr an Krankheiten, vor denen sie eine Impfung schützen würde.
17
Ebola-Ausbrüche hat die DR Kongo seit 1976 erlebt.
560k+
Cholera-Verdachtsfälle aus 60 Ländern wurden im Jahr 2024 gemeldet.
Was ist eine Epidemie? Definition und Abgrenzung zur Pandemie
Epidemie (von griech. epi = auf, über + demos = Volk) bezeichnet das stark gehäufte, zeitlich und örtlich begrenzte Auftreten einer Infektionskrankheit in einer Bevölkerungsgruppe.
Fachleute sprechen von einem Ausbruch, wenn die Zahl der erkrankten Personen eine bestimmte Schwelle überschreitet oder plötzlich stark ansteigt.
Epidemie, Pandemie, Endemie – was ist der Unterschied?
Die drei Begriffe beschreiben, wie sich eine Infektionskrankheit in einer Bevölkerung ausbreitet. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie weit sich die Krankheit verbreitet und ob sie dauerhaft in einer Region vorkommt:
- Endemie: Eine Krankheit tritt dauerhaft und konstant in einer bestimmten Region auf. Malaria ist in weiten Teilen Subsahara-Afrikas endemisch.
- Epidemie: Eine Krankheit verbreitet sich plötzlich und stark innerhalb einer Region oder eines Landes – deutlich über das erwartete Maß hinaus.
- Pandemie: Eine Epidemie weitet sich länder- und kontinentübergreifend aus. Die WHO erklärte COVID-19 im März 2020 zur Pandemie.
Ursachen und Ausbreitung von Epidemien
Epidemien entstehen selten zufällig. In der Epidemiologie – der Wissenschaft von der Entstehung und Verbreitung von Krankheiten – spricht man von Risikofaktoren und begünstigenden Umständen.
Hier sind die häufigsten Auslöser im Überblick:
- Mangelnder Zugang zu sauberem Wasser: Das ist besonders bei Cholera entscheidend. Die Krankheit verbreitet sich vor allem, wenn Menschen Wasser trinken oder Lebensmittel essen, die mit Cholera-Bakterien verunreinigt sind.
- Bewaffnete Konflikte und Vertreibung: Krieg zerstört Gesundheitsinfrastruktur (Krankenhäuser, Labore, Impfstoff-Kühlketten) und unterbricht Impfprogramme.
- Fehlende oder unzureichende Impfung: Sinkt die Impfquote unter die notwendige Herdenimmunität (Anteil Geimpfter, ab dem ein Erreger sich nicht mehr effizient ausbreitet), entstehen Lücken. Bei Masern liegt dieser Schwellenwert bei rund 95 Prozent.
- Globale Mobilität: Infektionskrankheiten können sich durch Reisen und Bevölkerungsbewegungen schnell über Regionen und Länder hinweg ausbreiten. So können einzelne Fälle in neue Gebiete eingeschleppt werden und dort weitere Ansteckungen auslösen.
- Zoonosen und Ökosystemveränderungen: Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Ebola hat sein natürliches Reservoir vermutlich in Fledermäusen. Klimakrise und Waldrodung erhöhen die Kontaktfläche zwischen Mensch und Tier.
Bedeutende Epidemien und Pandemien im historischen Überblick
Infektionskrankheiten brechen seit Jahrhunderten immer wieder aus. Viele der schlimmsten Ausbrüche wären heute durch Impfung oder einfache hygienische Maßnahmen vermeidbar.
- 14. Jahrhundert – Die Pest (Erreger: Yersinia pestis, übertragen durch Flöhe): Tötete schätzungsweise 30 bis 50 Prozent der europäischen Bevölkerung.
- 1918–1920 – Die Spanische Grippe (Erreger: Influenza A H1N1): Bis zu 50 Millionen Tote weltweit – mehr als der Erste Weltkrieg.
- 1980 – Pocken ausgerottet (Erreger: Variolavirus): Bis heute die einzige beim Menschen ausgerottete Infektionskrankheit.
- 1976 bis heute – Ebola (Erreger: Ebolavirus, Filoviridae-Familie, fünf Spezies): Seit dem ersten Ausbruch in der DR Kongo hat der Erreger immer wieder zugeschlagen.
- 2020 – COVID-19 (Erreger: SARS-CoV-2, ein Coronavirus): Entwickelte sich von einem lokalen Ausbruch zur weltweiten Pandemie.
A patient who was in the COVID-19 ward is accommodated in an ambulance that will take her to Tefé's airport. The doctors decided to refer her to the state capital, Manaus, where there are more resources for her treatment of COVID-19.
The transfer of this patient took place in late December 2020, before the health system in Manaus collapsed for the second time and referrals to the state capital were interrupted.
Ebola, Cholera & Co.: Aktuelle Epidemien weltweit
Epidemien gehören auch heute zum Alltag vieler Menschen. Besonders in Krisen- und Konfliktregionen kommt es immer wieder zu Ausbrüchen von Krankheiten.
Ebola
Ebola ist eine schwere hämorrhagische Infektionskrankheit mit einer Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen und einer Fallsterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent (Zaire-Stamm).
Aktuell gibt es wieder einen Ausbruch der Ebola Krankheit in der Demokratischen Republik Kongo. Der Ausbruch wird durch den Bundibugyo-Virus verursacht – eine seltene Variante ohne zugelassenen Impfstoff oder Behandlung.
Wir sind mit über 500 Mitarbeiter:innen vor Ort, errichten spezielle Ebola Behandlungszentren und spenden Schutzausrüstung.
Cholera
Cholera ist eine bakterielle Durchfallerkrankung (Vibrio cholerae), die fäkal-oral übertragen wird und unbehandelt innerhalb von Stunden tödlich sein kann.
2024 verzeichnete die WHO über 560.000 Fälle und 6.000 Todesfälle weltweit – 50 Prozent mehr Tote als im Vorjahr.
In der DR Kongo allein waren es über 58.000 Verdachtsfälle und 1.700 Todesfälle von Januar bis Oktober 2025. Im Sudan entwickelte sich seit 2024 der schlimmste Ausbruch seit Jahren: über 96.000 Erkrankte.
Wir betreiben Cholera Behandlungszentren in der DR Kongo, im Sudan, in Yemen und weiteren Ländern.
Masern
Masern zählen zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten weltweit. Zwei MMR-Impfungen schützen nahezu vollständig – Herdenimmunität erfordert rund 95 Prozent Impfquote.
2024 starben weltweit 95.000 Menschen an Masern, überwiegend Kinder unter fünf Jahren. 59 Länder meldeten große Ausbrüche. In Europa wurden 2024 127.412 Fälle gemeldet, 2025 waren es nur noch 33.998 Fälle –die Ausbruchsgefahr bleibt trotzdem hoch.
Wir führen großangelegte Masern-Impfkampagnen in Konfliktregionen, wie in der DR Kongo und im Tschad durch.
Malaria
Malaria ist eine durch Anopheles-Mücken übertragene Vektorkrankheit, die behandelbar und durch Moskitonetze eindämmbar ist – und dennoch jedes Jahr hunderttausende Kinder tötet.
2024 wurden 282 Millionen Fälle und 610.000 Todesfälle weltweit verzeichnet.
Wir verteilen insektizidbehandelte Moskitonetze (ITNs), führen saisonale Malariaprophylaxe (SMC) durch und betreiben Gesundheitsstationen in entlegenen Regionen, um dort Malaria zu behandeln.
Ärzte ohne Grenzen im Einsatz gegen Epidemien
Seit unserer Gründung 1971 gehören Epidemien zu den Kernbereichen unserer Arbeit. In vielen betroffenen Regionen sind wir bereits mit laufenden Projekten präsent – das ermöglicht uns eine schnelle Reaktion.
Was unsere Teams konkret tun:
- Isolierung und Behandlung in spezialisierten Behandlungszentren
- Kontaktverfolgung: Infektionsketten unterbrechen
- Impfkampagnen: Routine- und Notfallimpfungen in Krisenregionen
- Schulung von lokalem Gesundheitspersonal
- Aufklärung der Bevölkerung
Epidemieprävention: Früherkennung und internationale Zusammenarbeit
Die WHO überwacht Ausbrüche über ihr Global Outbreak Alert and Response Network (GOARN). Die Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR) verpflichten Staaten, mögliche Gesundheitsnotfälle frühzeitig an die WHO zu melden.
Die Bausteine wirksamer Epidemieprävention:
- Surveillance-Systeme: Frühwarnsysteme, die Ausbrüche erkennen, bevor sie zur Epidemie werden
- Ausreichend Personal und Ausrüstung in lokalen Gesundheitssystemen
- Kontinuierliche Impfprogramme – auch in Konfliktregionen
- WASH-Maßnahmen (Water, Sanitation, Hygiene) – Grundvoraussetzung für Epidemieprävention
- Politischer Wille, in Gesundheitsinfrastruktur zu investieren
Ungleicher Zugang zu Medikamenten und Impfstoffen in Krisenregionen
Eines der drängendsten Probleme der globalen Gesundheit ist der ungleiche Zugang zu medizinischer Versorgung. Viele Medikamente und Impfstoffe existieren – doch Millionen Menschen, insbesondere in Krisenregionen, haben keinen oder nur eingeschränkten Zugang dazu.
Wir setzen uns für einen fairen Zugang zu Impfstoffen, bezahlbaren Medikamenten und medizinischer Versorgung ein – unabhängig davon, wo Menschen leben oder wie viel sie verdienen.
Wie Sie helfen können: Unterstützung für unsere Einsätze
Jede Spende ermöglicht es uns, bei Epidemien wie Ebola, Cholera oder Masern dort zu helfen, wo es am dringendsten gebraucht wird.
Häufige Fragen zu Epidemien
Welche bekannten Epidemien gab es in der Geschichte?
Wie entsteht eine Epidemie?
Eine Epidemie entsteht, wenn ein Krankheitserreger auf eine empfängliche Bevölkerung trifft und die Bedingungen eine rasche Ausbreitung begünstigen.
Was macht Ärzte ohne Grenzen bei einer Epidemie?
Wir isolieren und behandeln Erkrankte, verfolgen Kontaktpersonen, organisieren sichere Bestattungen, schulen Gesundheitspersonal, führen Impfkampagnen durch und klären die Bevölkerung auf.
Was ist der Unterschied zwischen Epidemie und Pandemie?
Der Unterschied liegt im geografischen Ausmaß: Eine Epidemie ist regional begrenzt. Eine Pandemie breitet sich über mehrere Länder und Kontinente aus. Jede Pandemie beginnt zunächst als Ausbruch und kann sich anschließend zu einer Epidemie und schließlich zu einer Pandemie entwickeln.
Wie erkennt man eine Epidemie frühzeitig?
Frühwarnsysteme der WHO und nationaler Gesundheitsbehörden beobachten weltweit das Auftreten von Infektionskrankheiten. Warnsignale sind etwa ungewöhnlich viele Krankheitsfälle, eine steigende Zahl von Todesfällen oder das Auftreten neuer Erreger in Regionen, in denen sie bisher nicht vorkamen.