Antibiotikaresistenz: Ärzte ohne Grenzen entwickelt Diagnose-App

Das medizinische Personal von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) soll künftig im Feld per Handy passende Medikamente bei Antibiotikaresistenzen finden. Google fördert „ASTapp“ mit 1,1 Mio. Euro.

Antibiotikaresistenz (ABR) – Krankheitserreger, die Resistenzen gegen gängige Medikamente entwickelt haben – zählt zu den großen internationalen Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Man geht davon aus, dass ABR in 50 Jahren weltweit die häufigste Todesursache sein wird.

Verschärft wird das Problem, weil es in vielen Teilen der Welt an diagnostischen Labors mangelt und Medizinerinnen und Medizinern oft die Fähigkeit fehlt, Antibiogrammtests zu lesen und richtig zu interpretieren. Das führt in vielen Fällen zu unzureichender Behandlung mit Breitbandantibiotika, die nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt sind. 

Die MSF Foundation, eine von Ärzte ohne Grenzen  gegründete und auf Innovation spezialisierte Abteilung, entwickelt derzeit eine kostenlose Smartphone-App namens ASTapp, die Medizinerinnen und Medizinern bei der Diagnose von Antibiotikaresistenzen in ressourcenschwachen Umgebungen helfen soll. Das Projekt wurde mit dem „Google AI Impact Challenge“, einem Förderpreis von Google für gemeinnützige Anwendungen von künstlicher Intelligenz, ausgezeichnet. ASTapp wird von Google mit 1,3 Millionen Dollar (1,16 Mio. Euro) unterstützt.
 

Künstliche Intelligenz deutet Testergebnisse

Mittels künstlicher Intelligenz und Bildverarbeitungstechnologen sollen so auch Nicht-Mikrobiologen Tests einfacher interpretieren und Antibiotikaresistenzen messen können. Das wird Ärztinnen und Ärzten künftig helfen, für ihre Patientinnen und Patienten die bestmöglichen Antibiotika zur Behandlung zu finden. Die MSF Foundation arbeitet seit einem Jahr an dem Projekt. Die kostenlose App soll Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen sowie dem Gesundheitspersonal in einkommensschwachen Regionen bei der Behandlung von Infektionen helfen. Damit können Testergebnisse künftig auch offline auf Smartphones oder Tablets ausgewertet und Behandlungsratschläge gegeben werden. 

Die App soll weiters zum Sammeln von Daten über Antibiotikaresistenzen verwendet werden und somit gemäß den Zielen der Weltgesundheitsorganisation WHO einen Beitrag zur weltweiten Kontrolle von Resistenzen leisten.
 

Ab Herbst im Testeinsatz

In voraussichtlich vier Monaten soll es den ersten Prototypen geben. In einer folgenden Testphase, die acht bis zwölf Monate dauern soll, werden mögliche Probleme behoben. Zugleich werden ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Einsätze auf der ganzen Welt trainiert. In etwa drei Jahren soll die App voll einsatzfähig sein. 

Ende 2019 wird die App bereits in den Feldlaboren von Ärzte ohne Grenzengetestet, beginnend in Amman, Jordanien. Antibiotikaresistenz wurden bisher in allen Regionen nachgewiesen, wo Ärzte ohne Grenzen Test durchgeführt hat. Besonders häufig trat sie im Nahen Osten auf. Gründe sind die Schwere der zu behandelnden Wunden sowie die leichte Verfügbarkeit rezeptfreier Antibiotika. Im Laufe des Jahres wird ASTapp schrittweise in anderen Laboren von Ärzte ohne Grenzen eingeführt, darunter im JemenLiberiaMaliHaiti und der Zentralafrikanischen Republik.

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