Tina-Maria Monego19.06.2017

Es ist oft die Logistik, die Leben rettet

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Wandern, Skifahren und Motorsport: Diesen Hobbies widmet sich die abenteuerlustige Rally-Copilotin Tina-Maria Monego. Derzeit ist die gebürtige Steirerin auf ihrem ersten Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen in Simbabwe, wo sie für die Organisation der Materialbeschaffung zuständig ist. Im Einsatzblog erzählt die Logistikerin von ihren Eindrücken vor Ort und den Herausforderungen ihrer Arbeit.

Ich arbeite als Logistikerin im sogenannten „Out Of District Project – OOD“ (Gutu – Mwenezi – Beitbridge). Wir sind in Rutenga stationiert und unterstützen das Ministry of Health & Child Care (MoHCC)  im ganzen Distrikt von Mwenezi und in Beitbridge, der Grenzstadt zu Südafrika. Mwenezi District ist mit 13.150 km² größer als Oberösterreich und liegt in der Tiefebene im Süden von Simbabwe. Es gibt nur eine einzige asphaltierte Straße, die von Südafrika nach Harare führt. Ansonsten sind die Straßen teils in sehr schlechtem Zustand, speziell durch die Überflutungen in der Regenzeit, in der auch viele Brücken weggeschwemmt werden. Wir betreuen derzeit zehn der 22 Kliniken mit größtenteils mangelhafter Infrastruktur sowie Patienten und Patientinnen in Zelten, Schulen oder Kirchen im schwer zugänglichen „Outreach“. Von den circa 190.000 Einwohnern und Einwohnerinnen sind fast 18% mit HIV infiziert.

Als einzige Logistikerin für das Teilprojekt in Mwenezi und Beitbridge ist mein Arbeitsbereich sehr umfangreich. Abgesehen von der typischen Logistikerin-Tätigkeit der Materialversorgung und -lagerung sowie Wahrung der Kühlkette, bin ich so etwas wie die Hausmeisterin für beide Bürogebäude und Gästehäuser in Rutenga und Beitbridge. Ich bin zuständig für den Fuhrpark, die Fahrer und die Organisation der Waren- und Mitarbeitertransporte.

Meine Hauptaufgabe liegt jedoch in der Unterstützung und Verbesserung der Infrastruktur der Kliniken. Im Fokus steht in erster Linie die Wasserversorgung, die in vielen Spitälern derzeit auf dem Transport von Kanistern durch die Krankenschwestern basiert. Da es nur selten eine direkte Versorgung durch den Staat gibt, unterstützen wir mit der Bohrung oder Spülung von Wasserbohrlöchern sowie der Bereitstellung und ggf. Reparatur von Wassertanks, -pumpen und -leitungen. Da auch die Stromversorgung nicht überall gegeben ist bzw. sehr schwankt, helfen wir auch in diesem Bereich. Aufgrund der hohen Kosten findet hauptsächlich eine Notversorgung mittels Solarenergie oder Batterien statt. Durch Unwetter und Überschwemmungen fehlen in manchen Klinken Dächer oder einfache Schattenspender im Wartebereich. Vielerorts mangelt es an Fenstern, Türen oder Betten. Gebärende liegen teilweise auf dem Boden.

Durch meine bisherigen Tätigkeiten als Fuhrparkmanagerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Logistik und WIFI-Trainerin, kann ich hier einiges an Erfahrung einbringen. Abgesehen von neuem logistischem Know-how ist der Einsatz eine große Bereicherung für meine persönliche Weiterentwicklung. Die Zufriedenheit und Lebensfreude der Simbabwer und deren Geduld und grenzenlose Freundlichkeit in jeder Situation beeindrucken mich immer wieder und ich hoffe, es färbt einiges davon auf mich ab.

Simbabwe ist ein wunderschönes Land und galt bis Mitte der 90er als der „Brotkorb“ Südafrikas. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1980 wird das Land von Robert Mugabe geführt. Auf Grund der schlechten Wirtschaftslage steht der Gesundheitssektor vor großen Herausforderungen. Es mangelt an medizinischer Versorgung. Darüber hinaus sind Teile des Landes von Überschwemmungen und Krankheitsausbrüchen durch verunreinigtes Wasser betroffen. Gleichzeitig zählt Simbabwe zu den Ländern mit der weltweit höchsten Rate an HIV-Infizierten (circa 14% aller Einwohner und Einwohnerinnen; 32.000 Neuinfektionen pro Jahr).

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2000 in Simbabwe und unterstützt das Ministry of Health & Child Care (MoHCC) hauptsächlich im Bereich HIV/AIDS und anderen einhergehenden Infektionen wie Tuberkulose. Die Organisation betreibt auch Projekte rund um sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt sowie sexuell übertragbare Krankheiten.

 

 

 

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