Syrien

Ärzte ohne Grenzen Österreich: 2012 mehr Unterstützung für Hilfsprogramme als je zuvor

Ärzte ohne Grenzen hat im vergangenen Jahr in Österreich einen neuen Spendenrekord erzielt und konnte mit 17,8 Millionen Euro mehr Geld für die Hilfsprogramme zur Verfügung stellen als je zuvor. Bei der Präsentation des Jahresberichts 2012 zeigte sich die Hilfsorganisation äußerst besorgt über die humanitäre Notlage in Syrien und forderte die dringende Ausweitung der internationalen Hilfe für die Menschen im Kriegsgebiet.

Wien, am 16. Mai 2013. Bei der Präsentation des Jahresberichts 2012 in Wien zeigte sich die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) am Donnerstag besorgt über die humanitäre Lage in Syrien . „Die syrische Bevölkerung ist täglich mit maßloser Gewalt konfrontiert. Tausende Familien sind innerhalb der Landesgrenzen auf der Flucht, sie leiden unter Nahrungs- und Wassermangel, und der Zusammenbruch des zuvor gut funktionierenden Gesundheitssystems ist für viele Menschen lebensbedrohlich“, berichtet Reinhard Dörflinger, der Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Doch obwohl der Konflikt bereits seit mehr als zwei Jahren anhält, wird in den umkämpften Gebieten von internationaler Seite kaum humanitäre Hilfe geleistet.“ Die diplomatische Patt-Situation, welche die Weltgemeinde in Bezug auf den Syrien-Konflikt lähmt, sei keine Entschuldigung für das bisherige Versagen der humanitären Hilfe für die Bevölkerung im Kriegsgebiet, so Dörflinger weiter.

Syrien-Nothilfe ausweiten

Ärzte ohne Grenzen betreibt derzeit vier Feldkrankenhäuser in von der Opposition kontrollierten Gebieten im Norden des Landes, und zunehmend versorgen auch mobile Kliniken Menschen in Dörfern und Vertriebenenlagern. In anderen Regionen werden syrische Feldkliniken und Ärzte-Netzwerke mit Medikamenten und medizinischem Material unterstützt. Angesichts der enormen Bedürfnisse reicht diese Hilfe aber nicht aus. „Wir appellieren deshalb an die internationale Gemeinschaft, an Staaten und auch an andere Organisationen, die Nothilfe für die Menschen in Syrien dringend auszuweiten“, so Dörflinger.

2012 - Jahr der Gewalt

Neben dem Bürgerkrieg in Syrien war das Jahr 2012 auch in vielen anderen Einsatzländern von Ärzte ohne Grenzen von Gewalt geprägt. Zu den größten Herausforderungen gehörten die Einsätze im Norden Malis, die durch Kämpfe im Sudan ausgelöste Flüchtlingskrise im Südsudan und der immer wieder aufflammende Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Auch die chronische Ernährungskrise in der Sahelzone, die im vergangenen Sommer für kurze Zeit verstärkt öffentlich wahrgenommen wurde, war ein Schwerpunkt der Arbeit. Insgesamt leisteten die Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen 2012 medizinische Nothilfe für rund neun Millionen Menschen in 72 Ländern.

Spendenrekord

In 24 dieser Länder wurden die Hilfsprogramme mit Spenden aus Österreich unterstützt. „Die österreichische Sektion von Ärzte ohne Grenzen konnte im vergangenen Jahr 17,8 Millionen Euro direkt für Hilfsprogramme bereitstellen, mehr als je zuvor“, berichtet Mario Thaler, der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Ermöglicht wurde das durch einen neuen Rekord an Spendeneinnahmen: Insgesamt spendeten rund 247.000 Privatpersonen und Firmen im vergangenen Jahr fast 21,2 Millionen Euro, rund eineinhalb Millionen Euro mehr als im Jahr 2011.

Aufwendungen und Transparenz

Von den Ausgaben wurden neben den 17,8 Millionen Euro, die direkt in die medizinische und humanitäre Nothilfe geflossen sind (74 Prozent der Ausgaben), rund 1,3 Millionen Euro (5,6 Prozent) für die Vorbereitung und Unterstützung der Hilfseinsätze aufgewendet. 561.000 Euro (2,3 Prozent) flossen in die Bewusstseinsarbeit in Österreich, 880.000 Euro (3,7 Prozent) in den Verwaltungsaufwand und 3,5 Millionen Euro (14,4 Prozent) in die Spendenwerbung; pro ausgegebenem Euro kamen 6 Euro als Spenden zurück. Thaler: „Die große Unterstützung bestätigt, dass den Österreichern und Österreicherinnen unabhängige und unparteiliche Hilfe auch in international wenig beachteten Krisengebieten, wie etwa dem Südsudan, ein Anliegen ist. Größte Transparenz in Bezug auf unsere Arbeit ist uns wichtig, daher laden wir Interessierte dazu ein, sich in unserem Jahresbericht über unsere Tätigkeiten im Jahr 2012 zu informieren.“

Internationale Hilfseinsätze

Insgesamt wurden über das Wiener Büro von Ärzte ohne Grenzen 114 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf insgesamt 162 Hilfseinsätze in 42 Ländern entsandt. 52 Prozent der Einsatzkräfte waren Angehörige medizinischer Berufe, 48 Prozent gehörten zu nichtmedizinischen Berufsgruppen wie Logistik, Technik, Personal- und Finanzwesen.

Mit der Präsentation des Jahresberichts 2012 startet auch die neue Image-und Informationskampagne von Ärzte ohne Grenzen Österreich, die den Schwerpunkt auf die Motivation zur Mitarbeit und die Kernkompetenz „Humanitäre Hilfe“ legt. Konzipiert und umgesetzt wurde die Kampagne, die ab sofort  in Print, am Plakat, online, sowie in TV, Kino und Radio zu sehen und hören sein wird, von der Werbeagentur Schulterwurf, die damit seit 5 Jahren für Ärzte ohne Grenzen arbeitet. Für die Spots stellten Michou Friesz und Sven-Eric Bechtolf ihre Stimmen zur Verfügung. Die Musik zu den Spots stammt von der 20jährigen Wiener Singer-Songwriterin und Pianistin Mira Perusich, die den Song „Saviour“ exklusiv für Ärzte ohne Grenzen komponierte und aufnahm.

Jahresbericht 2012

Der Jahresbericht 2012 steht hier zum Download bereit. Ab Juni 2013 findet sich unter diesem Link auch der noch detailliertere Finanzbericht 2012.

Alternativ können Sie den Jahresbericht 2012 auch online betrachten - einfach anklicken:

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