Demokratische Republik Kongo

Anhaltende Gewalt im Nordosten des Kongo

Seit September leben die Bewohner des Distrikts Haut Uélé im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo in ständiger Angst und unter kritischen Bedingungen. Sie sind gefangen in einer Region, die von regelmäßigen Wellen der Gewalt gezeichnet ist. Der Konflikt zwischen bewaffneten Gruppen und der ugandischen Rebellengruppe LRA hat Schätzungen zufolge etwa 250.000 Menschen vertrieben.

Tausende Menschen leben im Busch mit wenig Nahrung und kaum einer medizinischen Versorgung, und in den meisten Fällen haben Hilfsorganisationen keinen Zugang zu ihnen. Sogar dort, wo sich Vertriebene in sichereren Gegenden zusammengetan haben, war die geleistete Hilfe bisher unzureichend. Das Gesundheitssystem ist großteils zusammengebrochen, und die meisten medizinischen Dienstleistungen mussten aufgrund der Unsicherheit unterbrochen werden.In der Region sind mehrere Teams von Ärzte ohne Grenzen/ Médecins Sans Frontières (MSF) aktiv, sie leisten medizinische Nothilfe und bieten kostenlose Konsultationen an. Ärzte ohne Grenzen betreibt auch ein Projekt in der Stadt Dungu. Die Aktivitäten dort beinhalten chirurgische Eingriffe, ernährungstherapeutische Hilfe, psychologische Unterstützung und Unterstützung für Opfer sexueller Gewalt sowie Basisgesundheitsversorgung in zwei Gesundheitszentren. Die Hälfte der 45.000 Bewohner Dungus sind Menschen, die aufgrund der Gewalt vertrieben wurden.Vergangenen Montag hat das MSF-Team in Dungu drei Überlebende eines grauenvollen Angriffs eingeflogen, der sich fünf Tage zuvor in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bangadi ereignet hatte, das 100 Kilometer nord-westlich von Dungu liegt. Die Anzahl der Dorfbewohner, die beim Angriff ums Leben kamen, ist noch nicht bekannt.Die Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen, Claire Debard, hat die Evakuierung organisiert und konnte mit den drei Überlebenden sprechen:

Montag, 17. August 2009

„Heute Nachmittag hat das MSF-Team drei neue Verletzte in Empfang genommen, die schreckliche Gewalttaten von Mitgliedern einer bewaffneten Gruppe in der Umgebung von Bangadi überlebt haben.Der Transfer per Flugzeug hätte bereits einen Tag früher passieren sollen, aber der Pilot konnte aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht starten. Erst heute um 15 Uhr konnte unser Arzt hinfliegen. Er kam um 17 Uhr mit zwei Männern und einer Frau zurück, alle waren etwa sechzig Jahre alt. Da sie an den Knien sichtbare Verletzungen hatten und sehr schwach waren, haben wir sie ins allgemeine Krankenhaus in Dungu gebracht, wo sie ein medizinisches Team erwartete.Die Patienten wiesen schwere Verletzungen auf, darunter zwei offene Brüche und einen geschlossenen Bruch an den Beinen, sie benötigten externe Fixierungen und mussten stillgelegt werden. Nachdem sie behandelt wurden, konnte ich mich mit den beiden Männern unterhalten:„Wir sind aus einem Dorf vier Kilometer von Bangadi, meine Frau, unsere fünf-jährige Adoptivtochter und mein ältester Bruder. Anfang August hat uns unser Dorfältester die Anweisung gegeben, das Dorf zu verlassen und nach Bangadi zu fliehen, da sich ganz in der Nähe unseres Dorfs eine bewaffnete Gruppe befand und er unsere Sicherheit nicht mehr gewährleisten konnte. Leider hatten wir nach ein paar Tagen in Bangadi nichts mehr zu essen, unsere Lage war unmöglich. Daher hat unsere kleine Familie am Mittwoch, den 12. August, beschlossen, in das Dorf zurückzukehren, um unsere Lebensmittelvorräte zu holen, mit denen wir dann in Bangadi überleben hätten können. Als wir im Dorf ankamen, wurden wir von einer Gruppe von fünf bewaffneten Männern überrascht, die drei Geisel bei sich hatten, darunter eine Frau, die für uns übersetzte. Sie haben uns die Arme am Rücken verbunden und uns in den Busch geschleppt. Am nächsten Tag haben sie zuerst unser kleines Mädchen ins Dorf mitgenommen, da sie ein Huhn und Erdnüsse holen wollten…. Sie sind ohne sie zurückgekommen, sie hatten nur noch ihre Fesseln in den Händen. Sie….. gestorben.Dann haben sie uns gesagt, dass sie uns nicht umbringen würden, sondern dass wir mit ihnen ins Dorf zurück sollten. Dort würden sie dann unsere Lebensmittelvorräte nehmen und uns schlagen. Das haben sie auch getan: Sie haben uns an den Beinen und Knien geschlagen, und danach sind sie in den Busch geflohen und haben uns dort auf dem Boden liegend zurückgelassen. So haben wir dann die Nacht verbracht, am Boden…Am Montag Morgen hab ich beschlossen, dass wir etwas tun müssen, und ich hab mich kriechend auf den Weg in Richtung des nächsten Dorfes gemacht – Yamba, zwei Kilometer von unserem entfernt. Es ist mir gelungen. Die Menschen aus dem Dorf haben in Bangadi Hilfe geholt. Meine Frau und ich wurden – unter großen Schmerzen - am Fahrrad transportiert. Mein Bruder wurde in einem Netz transportiert, da er sich auf dem Fahrrad nicht halten konnte.“

Das könnte Sie auch interessieren

Teilen

Vervielfältigen