Haiti

Noteinsatz in Haiti: Tag 13

Dem großen Bedarf an chirurgischer Hilfe und Nachsorge nachzukommen, ist die Hauptaufgabe vieler Teams von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. Im Choscal-Krankenhaus im Slum von Cité Soleil wird nach wie vor rund um die Uhr gearbeitet, und es werden täglich 20 bis 25 Patienten operiert. In der Stadt Leogane, in der Mitarbeiter kürzlich damit begonnen haben, im lokalen Krankenhaus zu arbeiten, wurden bereits 30 Menschen operiert - 40 weitere stehen auf der Warteliste. Auch im Martissant-Krankenhaus, in dem schon kurz nach dem Erdbeben mit der Arbeit begonnen wurde, warten noch Menschen mit offenen Brüchen auf eine Operation.

Weil so viele Menschen operiert wurden und alle Nachsorge benötigen, gibt es einen sehr großen Bedarf an Pflegepersonal und Betten. Ärzte ohne Grenzen hat zur Unterbringung von Patienten gerade ein neues Gebäude ausfindig gemacht, einen ehemaligen Kinderhort im Zentrum von Port-au-Prince. Auch in der Stadt Bicentenaire können entsprechende Räumlichkeiten genutzt werden. Für das zerstörte Krankenhaus in Carrefour fanden die Mitarbeiter ebenfalls einen Ersatz: ein nahe gelegenes Schulgebäude.

Die Möglichkeiten, den Menschen zu helfen, haben sich durch das aufblasbare Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen auf einem Gelände in Port-au-Prince verbessert. Dort führen drei Teams Operationen durch, in den Zeltstationen gibt es Platz für rund 180 Patienten.

"Hier haben die Patienten weniger Angst"

Die schrecklichen Erinnerungen an die Zerstörung von Gebäuden während des Erdbebens lösen bei vielen Patienten Furcht aus, wenn sie sich in einem normalen Krankenhaus aufhalten.

"Hier haben die Patienten weniger Angst", erzählt Veronica Chesa, eine Krankenschwester, die im aufblasbaren Krankenhaus mit dem Namen "Saint-Louis" arbeitet. "Die Zeltstruktur des aufblasbaren Krankenhauses wirkt auf sie beruhigend. Die Menschen schlafen besser ein, und ich konnte feststellen, dass auch weniger nach Beruhigungsmitteln gefragt wird."

Die psychischen Auswirkungen des Erdbebens, sind für alle, die die Katastrophe erlebt haben, schlimm. 18 Psychiater und Psychologen von Ärzte ohne Grenzen unterstützen Patienten, aber auch Mitarbeiter, die das Erdbeben erlebt und danach weitergearbeitet haben. "Der erste Schritt besteht darin, die Menschen zu informieren, ihnen zu sagen, dass sie nicht verrückt sind, wenn sie jetzt unter Stress leiden", sagt German Casas, Psychiater von Ärzte ohne Grenzen. Wir sagen ihnen: "Es ist normal, sich zu ängstigen. Furcht ist nützlich, weil sie einen auch beschützt."

Sieben Dialysemaschinen im Einsatz

Nierenspezialisten behandeln in der Hauptstadt weiterhin Erbebenopfer, die am so genannten Crush-Syndrom leiden. Starke Muskelverletzungen können dabei zu Nierenversagen und zum Tod führen. Die Experten haben bislang bei 50 Patienten Dialyse durchgeführt, um das zu verhindern.

Stefaan Maddens gehört zu diesem Team und betont, wie wichtig es ist, Patienten mit Crush-Syndrom ausfindig zu machen. "Die Nachricht, dass wir Patienten mit Nierenversagen behandeln können, muss alle Mediziner in Port-au-Prince erreichen. Wir haben sieben Dialysemaschinen und können dadurch täglich viele Patienten behandeln. Für die meisten dieser Menschen ist das eine lebensrettende Behandlung.

Außerhalb von Port-au-Prince, in der Stadt Grand Goave, verteilen die Teams Haushaltsutensilien wie Seife, Eimer und Decken verteilt. Mehr als 1.300 Familien erhielten in den vergangenen Tagen solche Güter. Auch in Jacmel soll die Verteilung heute den gleichen Umfang  erreichen, und in Leogane sollen ebenfalls 1.200 Kits mit solchem Material ausgegeben werden.

Karte der Einsatzorte

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