Syrien

Ärzte ohne Grenzen verteilt Hilfsgüter für den Winter an 8.000 Familien in Aleppo

Barcelona/Wien, am 28. Dezember 2015 – Teams der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) konnten in den vergangenen Wochen dringend benötigte Hilfsgüter an Tausende Familie in der syrischen Stadt Aleppo verteilen. Für die Menschen dort ist es der fünfte Winter, den sie im Bürgerkrieg verbringen müssen. Trotz des großen Bedarfs war es Hilfsorganisationen zuvor wegen der unsicheren Lage nicht gelungen, Hilfsgüter zu verteilen. Nun wurden zusammen mit dem Stadtrat von Aleppo 5.200 Kits mit Hygiene-Utensilien und Material für den Winter an vertriebene Familien verteilt; weitere 2.600 solcher Pakete sollen folgen.

Die Pakete wurden – nachdem zuvor der Bedarf ermittelt worden war – in verschiedenen Bezirken Aleppos ausgegeben; etwa an Familien, deren Häuser kürzlich bombardiert und beschädigt worden waren. Was ausgegeben wird, richtet sich nach den Bedürfnissen der jeweiligen Familien. Die Kits enthalten Dosenvorräte, Winterkleidung, Decken, Planen und Seile sowie verschiedene Hygieneartikel.

„Die Hilfsgüter werden an fast 40.000 Menschen verteilt. Sie sollen ihnen dabei helfen, mit den harschen Bedingungen zurechtzukommen, denen sie wegen des Konflikts und fehlender Unterstützung ausgesetzt sind”, sagt Carlos J. Francisco, Koordinator der Hilfsprojekte von Ärzte ohne Grenzen in Nordsyrien. „Nach fast fünf Jahren Krieg ist die Lage in und um Aleppo für den Großteil der Bevölkerung kaum noch zu ertragen.”

Zugang zu humanitärer und medizinischer Hilfe schwierig

„Täglich erleben wir mit, wie bewohnte Gebiete und wichtige zivile Infrastruktur wie etwa Krankenhäuser oder das Wasserverteilungssystem der Stadt angegriffen werden“, berichtet Francisco weiter. „Ambulanzen, Märkte oder Bäckereien werden angegriffen und zerstört. Das macht es für die Menschen zunehmend schwierig und gefährlich, Zugang zu den grundlegendsten Dienstleistungen, zu humanitärer und medizinischer Hilfe zu erhalten.“

Die harschen Bedingungen des Winters verschlimmern die ohnehin kritische Lage der Bevölkerung. Von den 300.000 Menschen, die zurzeit im Osten von Aleppo leben, sind aufgrund des Konflikts rund 55 Prozent vertrieben – das sind rund 176.000 Menschen. Fast zwei Drittel von ihnen mussten mehr als einmal an einen anderen Ort fliehen. Auch wenn der vertriebene Teil der Bevölkerung größtenteils aus der Stadt Aleppo kommt – durch die Intensivierung des Konflikts in den südlich gelegenen Orten Hama und Idleb wurden auch dort rund 3.800 Menschen gezwungen zu fliehen.

Ganze Stadtviertel zerstört

In Aleppo – die zweitgrößte Stadt des Landes, mit einer Million Einwohnern vor dem Krieg – befindet sich eine der Frontlinien dieses Konflikts. Ganze Stadtviertel wurden durch Explosionen und jahrelange Belagerung zerstört, viele Straßenzüge sind ohne elektrischen Strom und fließendes Wasser.

Die Verteilung der Hilfsgüter in Aleppo musste zwischenzeitlich unterbrochen werden, weil die wichtigste Straße zwischen Kilis in der Türkei und Aleppo vor einigen Tagen nahezu unbefahrbar war. Teile Aleppos waren dadurch vollständig von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Mehrere Konvois wurden bombardiert und ein LKW, der Wintersachen für Familien nach Aleppo bringen sollte, wurde beschossen. Die Straße ist nicht nur die wichtigste Versorgungsstrecke für den belagerten östlichen Teil der Stadt, sondern unentbehrlich für 600.000 Menschen, die im gesamten Gebiet leben und mit Nahrungsmitteln, Benzin und humanitärer Hilfe versorgt werden müssen.

Ärzte ohne Grenzen betreibt sechs medizinische Einrichtungen im Norden Syriens und unterstützt mehr als 150 Gesundheitsposten und Krankenhäuser im ganzen Land – vor allem in den belagerten Gebieten. Die meisten dieser Einrichtungen sind temporär und werden von syrischen Ärzten betrieben, ohne Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Die Unterstützung für die syrischen Ärzte erfolgt in erster Linie durch die Versorgung mit medizinischem Material und in Form von Fernberatung

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Nach vermehrten Luftangriffen auf Krankenhäuser im Norden Syriens wurden mindestens 35 syrische Patienten und medizinisches Personal getötet und 72 Menschen verwundet. Seit der Eskalation der Angriffe Ende September wurden den ganzen Oktober hindurch zwölf Krankenhäuser gezielt angegriffen. Darunter waren sechs von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Krankenhäuser.

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