Libyen: Eine Krise in der Krise

In Libyen spielen sich mehrere besorgniserregende Entwicklungen gleichzeitig ab: Die Eskalation des bewaffneten Konflikts, die Ankunft des Coronavirus, der Zusammenbruch des Gesundheitssystems und die Begrenzung humanitärer Hilfe durch aktuelle Reisebeschränkungen. Kurzum: Eine Krise in der Krise, die das Potenzial für eine – noch massivere – humanitäre Katastrophe birgt.

Mohammed aus Mali ist nach Libyen geflüchtet - in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Neben seinem Job als Hilfsarbeiter sammelt er nun in der Nähe des Stadteingangs Altmetalle, um Geld dazu zu verdienen - für 0.64 Euro pro 1kg. Was er auch sucht, ist Hoffnung.

Erst der Bürgerkrieg, dann Corona

Laut IOM leben zwischen 700.000 und einer Million Migrantinnen und Migranten in Libyen - der Großteil von ihnen wie Mohammed unter schrecklichen Lebensbedingungen. Sie sind der beständigen Gefahr ausgesetzt, willkürlich eingesperrt, gefoltert oder getötet zu werden. Rund 1.500 Flüchtlinge, Asylsuchende und Migrantinnen und Migranten werden landesweit in den offiziellen Lagern willkürlich festgehalten (Stand: 26. März). Die Bedingungen sind katastrophal, erst kürzlich wurden 30 Inhaftierte ermordet, mindestens elf verletzt.

Libyen ist kein sicherer Ort. Wir fordern ein Ende der willkürlichen Inhaftierung: Unsere Geschäftsführerin Laura Leyser hat eine wichtige Botschaft an die österreichische Bundesregierung. Nehmen Sie sich eine Minute Zeit zum Zuhören:


 

Am 28. Mai wurden die ersten Fälle von COVID-19 in Libyen offiziell bestätigt - mittlerweile sind es 156, darunter drei Tote (Quelle: WHO, 2. Juni). Durch die ohnehin bereits katastrophale Gesundheitsversorgung und die kaum vorhandenen Testmöglichkeiten befürchten wir enorme Dunkelziffern. In den Gesundheitseinrichtungen, die noch geöffnet haben, mangelt es an qualifiziertem Personal, Medikamenten und Schutzausrüstungen. Die katastrophale Situation wird durch die Ausgangssperren und den anhaltenden Konflikt verschärft.

Wie Mohammed haben uns weitere Migrantinnen und Migranten einen Einblick in ihr Leben gegeben. Was sie erlebt haben und welche Hoffnungen, Sorgen und Ängste sie haben, erfahren Sie in der Slideshow:

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