Libyen: Hilfe für Verletzte an der Frontlinie

19.09.2011
Ärzte ohne Grenzen versucht, so nah wie möglich an die Enklaven Sirte und Ban Walid, wo Kämpfe toben, heranzukommen und Verwundete zu versorgen.
Libyen 2011
MSF
Misrata, Libyen, 06.05.2011: Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen bieten seit Mai 2011 in mehreren medizinischen Einrichtungen in Misrata chirurgische Nothilfe an.

Ärzte ohne Grenzen versucht, rund um die Enklaven, in denen die Kämpfe toben, Hilfe zu leisten. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen, die in Misrata stationiert sind, versorgen Verletzte in den Gebieten Sirte und Bani Walid. Sie können allerdings aus Sicherheitsgründen nicht ganz zu den Kampfgebieten vordringen.

Seit sich die Gefechte an der Frontlinie von Bani Walid und Sirte intensiviert haben, werden immer mehr Verletzte in die Spitäler von Misrata transferiert. Am 15. September wurden 34 Verwundete aufgenommen. Das Chirurgie-Team von Ärzte ohne Grenzen betreut einige von ihnen im Krankenhaus Kasr Ahmed. Dieses 18-Betten-Spital verfügt über einen Operationssaal, den Ärzte ohne Grenzen vergangenen Mai aufgebaut hat, um die chirurgischen Notfälle zu versorgen.  

Ärzte ohne Grenzen arbeitet mit Sanitätswagen, die Verletzte, die eine Notoperation benötigen, von der Front abholen. Sie werden nach Misrata gebracht, das trotz seiner Entfernung (250 km von Sirte) die nächste Stadt ist, die über medizinische Einrichtungen verfügt. Um die Verletzten überhaupt transportieren zu können, wird in näher bei den Kampfgebieten gelegenen Gesundheitseinrichtungen erste Hilfe geleistet, und schwere Fälle werden stabilisiert. Im Gesundheitszentrum Al Hicha, 140 km von Sirte, wurden am 15. September, dem Tag seiner Eröffnung, 56 Schussverletzte aufgenommen.  

Ärzte ohne Grenzen unterstützt die libyschen Teams und liefert Medikamente und medizinisches Notmaterial sowie logistisches Material. Ärzte ohne Grenzen hat die Gesundheitszentren auch mit Geburts-Kits beliefert, damit jene Frauen, die in den gefährlichen Gebieten feststecken, versorgt werden können.  

Ärzte ohne Grenzen versucht außerdem in den Städten Sirte und Bani Walid Hilfe zu leisten, wo die Lage Berichten zufolge sehr ernst ist. Die Bevölkerung in Sirte leidet unter Wassermangel und hat weder Gas noch Strom. Aber Ärzte ohne Grenzen hat es bis jetzt nicht geschafft, in diese beiden Städte vorzudringen. Nur eine Medikamentenlieferung konnte organisiert werden: Antibiotika, Schmerzmittel und Verbandsmaterial wurden an Ärzte in der Stadt Zumzum geliefert, die sich 15 km von Sirte entfernt befindet.

Ärzte ohne Grenzen verfolgt die Lage genau, während die Kämpfe weitergehen. Die Teams in Misrata leisten weiterhin psychologische Hilfe und behandeln Gefangene. Ärzte ohne Grenzen ist auch weiterhin in anderen Landesteilen wie Yefren, Zintan und Tripolis im Einsatz, wo die Gewalt bereits aufgehört hat            

Ärzte ohne Grenzen ist seit 25. Februar in Libyen tätig. Um die Unabhängigkeit seiner medizinischen Arbeit gewährleisten zu können, nimmt Ärzte ohne Grenzen nur private Spenden für die Hilfe in Libyen an und akzeptiert keinerlei Gelder von Regierungen, Organisationen oder militärisch-politischen Gruppen.