Berichte aus dem Libanon Ende 2024

31.01.2025
Ende 2024 eskaliert die Lage im Libanon und es kommt zu israelischen Angriffen. Unsere Teams sind im Einsatz, um Betroffenen zu helfen.

Berichte

Hier finden Sie eine Nachlese der Berichte von September 2024 bis Jänner 2025.

31.01.2025: Wir weiten unsere Hilfe im Süden des Landes aus

Hunderttausende Menschen im Süden des Libanon haben nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Infrastruktur ist beschädigt, die Gesundheitseinrichtungen sind unterbesetzt und die medizinische Behandlung ist für viele Menschen unerschwinglich.

Als Reaktion auf diese Situation hat Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen zwei Monaten die Aktivitäten im Südlibanon ausgeweitet und drei mobile medizinische Teams in elf Städte im Gouvernement Nabatäa entsandt. Zusätzlich hierzu sind zwei mobile medizinische Teams in Städten im südlichen Gouvernement im Einsatz. Damit sollen kritische Lücken in der Gesundheitsversorgung in einigen der am stärksten betroffenen Gebiete im Südlibanon geschlossen werden.

29.11.2024: Nach Waffenruhe - Vertrieben kehren langsam zurück nach Hause

Nachdem am 26. November 2024 ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hisbollah geschlossen worden war, begannen Tausende von Familien, die durch den Konflikt gewaltsam vertrieben worden waren, in ihre Dörfer und Städte im Süden und Osten des Libanon zurückzukehren. Häufig wurden sie dabei Zeuge von großflächigen Zerstörungen, die die israelischen Bombardierungen und Überfälle hinterlassen hatten.

Unsere Teams unterstützen Betroffene durch mobilen Kliniken und Hilfsgüter.

04.11.2024: Gemeinschaftsküche versorgt Vertriebene in Beirut

Wir unterstützen im Libanon nicht nur medizinisch, sondern auch durch Gemeinschaftsprojekte. In Beirut wurde gemeinsam mit der lokalen Organisation Ahla Fawda und dem Restaurant Barzakh eine Küche im Al Azarieh-Gebäude eingerichtet, die täglich 2.500 warme Mahlzeiten an Menschen ausgibt, die vor anhaltenden Bombenangriffen geflohen sind.

Das Al Azarieh-Gebäude, einst ein geschäftiger Ort, bietet nun Schutz für Vertriebene. Unser Team hat eine voll funktionsfähige Küche aufgebaut, in der die Bewohner:innen selbst Mahlzeiten zubereiten. Schulungen zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit gewährleisten die sichere Zubereitung der Speisen.

Die Initiative ist ein Symbol der Solidarität und Zusammenarbeit im Libanon, der seit Jahren von Krisen gebeutelt ist. Neben der Versorgung von Schutzsuchenden in Beirut engagieren wir uns auch in anderen Teilen des Landes, um die grundlegenden Bedürfnisse der Vertriebenen zu decken.

Cooked food distribution in Azarieh shelter
Tracy Makhlouf/MSF
Cooked food distribution in Azarieh shelter
Tracy Makhlouf/MSF

30.10.2024: Angriffe in Baalbek-Hermel

Wir sind zutiefst besorgt über die israelischen Angriffe in Baalbek-Hermel. Tausende, darunter auch unsere Mitarbeitenden, die die Bevölkerung in der Region unterstützen, sind auf der Suche nach Schutz. Dadurch werden auch wichtige humanitäre Aktivitäten unterbrochen.

Die von den israelischen Streitkräften angeordnete Evakuierung der Stadt Baalbek und der umliegenden Gebiete zwingt die gesamte Bevölkerung zur Flucht. Es wird weder ausreichend Zeit noch Sicherheit geboten und das Leben der Menschen gefährdet.

Wir fordern die israelischen Behörden auf, die Sicherheit und Würde aller Zivilist:innen sicherzustellen - wo immer sie sich befinden. In den letzten Wochen haben unsere Mitarbeitenden in Baalbek-Hermel Vertriebene und Patient:innen mit chronischen Krankheiten medizinisch versorgt.

28.10.2024: Wie wir aktuell helfen

Im Zeitraum zwischen 25. September bis 21. Oktober 2024 haben wir folgende Aktivitäten durchgeführt:

  • 8.281 medizinische Konsultationen
  • 998 Sitzungen zur psychischen Gesundheit
  • 351 Anrufe der Hotline für psychische Gesundheit
  • 11.036 Hygiene-Kits verteilt
  • 7.432 ausgegebene Mahlzeiten
  • Verteilte Hilfsgüter: 7.432 Decken und 6.050 Matratzen
  • 79.504 Liter Trinkwasser verteilt
  • 6.678.000 Liter Wasser mit Lastwagen zu Unterkünften transportiert
  • 34.500 Liter Kraftstoff/Diesel an Krankenhäuser verteilt

10.10.2024: Wir fordern Schutz für Zivilist:innen und medizinische Einrichtungen

Wir appellieren dringend an alle Konfliktparteien, den Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Die Eskalation der Gewalt und vermehrte Luftangriffe haben viele Gesundheitseinrichtungen zur Schließung gezwungen, was den Zugang zur medizinischen Versorgung erschwert.

Unsere mobilen Teams leisten vor Ort Hilfe, behandeln Verletzte und verteilen lebensnotwendige Güter, um die dringenden Bedürfnisse zu decken.

Der Zugang zur Versorgung muss gesichert werden, um das Leid der Menschen zu lindern und die Sicherheit der medizinischen Infrastruktur zu bewahren.

28.09.2024: Tausende Menschen in Beirut auf der Flucht

In Süd-Beirut, Libanon, mussten Tausende, einschließlich unserer Teams, aufgrund heftiger Bombardements in der Nacht fliehen. Viele davon sind zu Fuß unterwegs oder stehen mit Autos in kilometerlangen Staus.

Die Lage bleibt chaotisch, während unsere Teams rund um die Uhr Wasser, Hygienesets und Decken verteilen. Mehr als 500 Schulen dienen als Notunterkünfte, und viele Menschen schlafen auf der Straße oder in ihren Autos.

Krankenhäuser sind überlastet. Bisher haben wir 400 Notfallpakete geliefert, inklusive Hygieneartikel und Matratzen, sowie psychologische Erste Hilfe bereitgestellt.

Wir fordern den Schutz von Zivilist:innen und Gesundheitspersonal.

27.09.2024: Mobile Kliniken und weitere Hilfsaktivitäten ausgebaut

Seit dem 23. September helfen wir mit mobilen Kliniken in zwei Orten auf dem Libanonberg, wo Vertriebene Zuflucht gefunden haben. Wir bieten medizinische und psychologische Beratung an.

Wir haben an acht Orten in Sidon und Tripolis lebenswichtige Güter wie Matratzen, Decken und Hygienesets für die Vertriebenen gespendet und sind dabei, den Bedarf zu ermitteln, um die Unterstützung auszuweiten.

Gestern haben wir unsere Klinik in Baalbek-Hermel wiedereröffnet, um Patient:innen mit dringend benötigten Medikamenten für ihre chronischen Erkrankungen zu versorgen. Gleichzeitig gehen bei unseren Hotlines für psychische Gesundheit täglich über 60 Anrufe ein.

Nach Angaben der libanesischen Katastrophenschutzbehörde wurden durch die jüngste Eskalation über 104.000 Menschen vertrieben. Viele haben ihr Zuhause und ihre Angehörigen verloren.

Wir sind zutiefst besorgt über die israelischen Bombenangriffe im Libanon, die zu einem großen Teil in dicht besiedelten städtischen Gebieten stattfinden. Wir fordern die sofortige Deeskalation der Gewalt, um weiteres Leid, Verletzungen und den Verlust von Menschenleben zu verhindern.

25.09.2024: Mehr als 500 Tote und 1800 Verletzte

Nach den groß angelegten israelischen Bombardierungen mehrerer Gebiete im Libanon am Montag, den 23. September, verstärken wir schrittweise die humanitäre Hilfe und reagieren auf den wachsenden Bedarf:

Wir leisten medizinische Basisversorgung für die vertriebene Bevölkerung und stellen lebenswichtige Hilfsgüter bereit. Laut Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums sind bei den Angriffen 558 Menschen ums Leben gekommen, 1.835 wurden verletzt, und tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen und Schutz in anderen Teilen des Landes suchen.

  • Unsere Teams verteilen Hilfsgüter wie Matratzen und Hygienesets in Sammelunterkünften im ganzen Land.
  • Mobile Kliniken bieten den Vertriebenen in diesen Unterkünften grundlegende medizinische Versorgung sowie psychologische Betreuung an.
  • Zusätzlich betreiben wir Hotlines, über die Vertriebene und andere Menschen in Not psychologische Unterstützung erhalten können.

Wir arbeiten weiterhin eng mit Partnern und Krankenhausnetzwerken zusammen, um je nach Entwicklung der Situation zusätzliche Unterstützung bereitzustellen. Seit gestern haben auch einige unserer Mitarbeitenden im Südlibanon, in Beirut und anderen Teilen des Landes ihre eigenen Häuser verlassen müssen. 

19.09.2024: Hilfe nach Anschlägen am 17. September

Nach Anschlägen im Libanon am 17. September haben wir uns sofort an die Akteur:innen im Gesundheitswesen gewandt, um Unterstützung zu leisten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden dabei fast 2.800 Menschen verletzt.

Wir haben 710 Kilogramm medizinisches Material für drei Krankenhäuser im Südlibanon und in Beirut gespendet. Damit ergänzen wir die 10 Tonnen medizinischer Hilfsgüter, die wir zuvor in Krankenhäusern im ganzen Land für Notfälle gelagert hatten.

Wir unterstützen weiterhin das Gesundheitssystem dort, wo Hilfe benötigt wird. Wir stehen mit den Behörden in Kontakt, um die Art der weiteren Unterstützung zu bestimmen.