Sonja Schleser13.10.2014

Nilkreuzfahrt einmal anders

3 Kommentare

Die letzte Woche bin ich zur mobilen Aufklärungsverantwortlichen mutiert und durfte täglich auf dem Nil herumcruisen. Zuerst lernte ich das 38-koepfige Team an "Community Health Workers" (GesundheitshelferInnen) in Wau Shilouk kennen.

Dort betreut Ärzte ohne Grenzen ein „ATFC“ (Abk. für „Ambulatory Therapeutic Feeding Centre“), also ein ambulantes Behandlungszentrum für Mangelernährung mit derzeit 250 PatienInnen, die an drei Tagen der Woche kommen, um sich ihren Essensvorrat für die Folgewoche abzuholen.

Die Community Health Workers sind für eine Vielzahl an Aktivitäten zuständig: wöchentliche Erhebung des Ernährungszustandes der Kinder unter fünf Jahren, Motivation von PatientInnen, die dem Programm fernbleiben, wieder ins Programm zurück zu kommen, Überweisungen von PatientInnen mit Tuberkulose oder Kala Azar, wöchentliche Aufzeichnung der Sterblichkeitsraten, etc.

PatientInnen, die nicht in Wau Shilouk behandelt werden können und stationär aufgenommen werden müssen, werden mit dem Boot nach Malakal überstellt.


Transport von drei PatientInnen mit Kala Azar von Wau Shilouk nach Malakan © Sonja Schleser/MSF

Zwei Bootsstunden entfernt von Malakal Richtung Norden liegt Kodok, wo Ärzte ohne Grenzen bis Ende August ein eigenes Team vor Ort hatte. Die Tätigkeiten sind mittlerweile auf ein Ernährungszentrum beschränkt, das einmal pro Woche von unseren MitarbeiterInnen betreut wird.

Kodok ist ein ruhiges, idyllisches Dorf, wo die Menschen fast ausschließlich in Tukuls leben und die Straßen voll von Rindern, Ziegen und Hühnern sind. Ein morgendlicher Spaziergang auf dem Markt lässt einen vollkommen die angespannte Atmosphäre in Malakal vergessen. Auch hier gibt es eine Gruppe von GesundheitshelferInnen, die für die Aufklärung der Bevölkerung über Gesundheitsthemen zuständig sind.

Weggefährten zum Ernährungszentrum in Kodok (c) Sonja Schleser/MSF


Idyllisches Kodok (c) Sonja Schleser/MSF

Nach 2 Tagen Kodok ging’s dann weiter nach Lul. Auch dort betreut Ärzte ohne Grenzen ein Ernährungszentrum, das man vom Hafen aus in einem 20 Minuten Marsch durch die Sumpflandschaft erreicht. Der Transport von PatientInnen ist eine echte Herausforderung. Über eine Stunde dauert es, mit dem Boot ans äußerste Ende der Halbinsel zu fahren. Dabei kämpft man sich im Schneckentempo durch Schilf und Meere von Seerosen, um dann mit einem völlig überfüllten Boot am Hauptanlegeplatz in Lul zurück zu kommen.


Hafen in Lul (c) Sonja Schleser/MSF

Zurück in Malakal wurde ich begrüßt mit einer kleinen Schießerei nahe des UNMISS-Lagers (Basis der Vereinten Nationen) und heute Nacht wurde unser Basislager ausgeraubt (nur Geld und ein Laptop!). Die Sicherheitslage ist weiterhin stabil, aber der Regen macht mittlerweile recht lange Pausen und das beunruhigt dann doch ein wenig. Zu einem netten Einsatz in einem idyllischen Dörfchen am Nil würde ich aus jetziger Sicht nicht nein sagen =)

Um sich ein bisschen aus dieser Welt auszuklinken und zu entspannen, gibt es die lustigsten Bewältigungsstrategien. Die neueste lautet Kuchen backen und solange vor dem Ofen stehen bleiben, bis das yummy Teil fertig ist. Klingt total blöd, wie man sieht bin ich aber nicht die Einzige bei der es Wunder wirkt =)


(c) Sonja Schleser/MSF


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Kommentare

magguieme
Alternativ wäre wohl Waschmaschinezusehen - also dort, wo überhaupt vorhanden.
Barbara Wessely
Hallo Sonja, tut mir leid bin erst heute dazu gekommen, deine Beiträge zu lesen ... bin beeindruckt - freue mich aber auch auf den Lifebericht im Büro lg von mir & Monika
Elisabeth Geierhofer
Freue mich schon auf deine Rückkehr, ist ja schon bald laut Mamma, und hoffe Du erzählst uns dabei viel von deinem Aufenthalt. Hoffe auch auf viele Bilder. Schade, das ich nicht jünger bin, so etwas würde ich auch sofort machen. Liebe Grüße Lisi

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