Zentralafrikanische Republik

Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik überfallen

Bangui/Wien, 3. Juni 2014. In der Stadt Ndélé im Norden der Zentralafrikanischen Republik ist gestern eine Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen von Bewaffneten überfallen worden. Als Konsequenz hat die internationale medizinische Hilfsorganisation Mitarbeiter in die Hauptstadt Bangui evakuiert. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige Organisation, die in Ndélé medizinische Hilfe leistet.

Gegen 1.30 Uhr des 2. Juni sind vier bewaffnete Männer in das Gebäude von Ärzte ohne Grenzen in Ndélé eingedrungen. Es handelte sich um einen Raubüberfall. „Wir sind schockiert über die Gewalt, der unsere Mitarbeiter ausgesetzt waren”, sagt Javier Eguren, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik. „Wir sind nach wie vor entschlossen, den Menschen im Land zu helfen, doch dafür müssen die Konfliktparteien uns respektieren und minimale Sicherheitsstandards garantieren können. Andernfalls können wir unsere Arbeit nicht fortsetzen.“

Ein Teil des Teams ist nun aus Ndélé evakuiert worden. Ärzte ohne Grenzen evaluiert die Lage vor Ort und verhandelt mit den lokalen Autoritäten, ob es eine Perspektive zur Fortsetzung des Projektes gibt. „Wir führen hier wöchentlich 1.600 Behandlungen durch”, sagt Eguren. „Mehr als ein Drittel davon an Kindern unter fünf Jahren. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige Organisation, die in der Stadt medizinische Hilfe leistet. Würden wir diese Arbeit einstellen, wäre das tragisch für die Menschen.”

Nur einen Monat nach dem Massaker in der Stadt Boguila , bei dem 18 Zivilisten - davon drei Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen - getötet worden waren, zeigt dieser jüngste Angriff, wie schwierig die Arbeit für humanitäre Hilfsorganisationen im Land geworden ist. Zwischen Dezember 2012 und März 2014 sind die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik rund 115 Mal Opfer von Sicherheitsvorfällen geworden.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Krankenhaus in Ndélé seit 2010. Seit Dezember 2013 hat die Organisation die Zahl der Programme im Land von 10 auf 21 mehr als verdoppelt. Hinzu kommen sechs Programme für Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik in Nachbarländern. Ärzte ohne Grenzen ist seit 1997 in der Zentralafrikanischen Republik tätig. Zurzeit arbeiten mehr als 300 internationale und 2.000 lokale Mitarbeiter der Organisation im Land.

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