Indien

Bihar: Eröffnung einer Intensivstation zur Behandlung mangelernährter Kinder

Im Bundesstaat Bihar wurde Anfang März am Darbhanga Medical College Hospital in Bihar eine Intensivstation zur Behandlung von Mangelernährung eröffnet („Malnutrition Intensive Care Unit“, kurz MICU). In dieser neu geschaffenen Abteilung werden schwer und akut mangelernährte Kinder behandelt. Sie wird gemeinsam von Ärzte ohne Grenzen und MitarbeiterInnen des Gesundheitsministeriums am Darbhanga Medical College geführt.

Zugang zu Behandlung erleichtern

Die Intensivstation wurde mit dem Ziel eingerichtet, Kindern mit den schwersten Fällen akuter Mangelernährung in diesem Bezirk den Zugang zu einer Behandlung zu erleichtern: „Die Eröffnung der Station ist ein sehr begrüßenswerter Schritt, um schwere Fälle von Mangelernährung in Bihar behandeln zu können. Sie zeigt, dass schwere akute Mangelernährung ein wichtiges medizinisches Thema ist, das besondere Aufmerksamkeit innerhalb des öffentlichen Gesundheitssystems benötigt“, so Geoffroy Duqué, Landesdirektor von Ärzte ohne Grenzen in Indien.

Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung sind auf Grund der damit einhergehenden Schwächung des Immunsystems besonders anfällig für Infektionen. Sie sind damit einem speziell hohen Risiko ausgesetzt, an Kinderkrankheiten wie Atemwegsinfektionen oder Durchfall zu sterben. Schwere Mangelernährung kann auch in Gesundheitseinrichtungen in regionalen Gemeinden behandelt werden, doch Fälle mit Komplikationen benötigen eine sofortige stationäre Aufnahme.

Die Station wird eine Anlaufstelle für solche Fälle sein und spezialisierte stationäre medizinische Betreuung für die am schwersten erkrankten PatientInnen mit dem höchsten Sterblichkeitsrisiko anbieten. Die durch den Direktor des Darbhanga Medical College Hospital Dr. S.N. Sinha eröffnete Abteilung ist die erste ihrer Art in Indien.

Training für medizinisches Personal

Ärzte ohne Grenzen wird bis 2015 in enger Zusammenarbeit mit dem Darbhanga Medical College Hospital Weiterbildungen für das medizinische Personal durchführen. So wird der Aufbau von Betreuungskapazitäten und die Weiterführung der Arbeit der Intensivstation gewährleistet.

„Es ist eine Ehre für das Darbhanga Medical College Hospital, als erste Institution des Landes medizinische Versorgung für mangelernährte Kinder anzubieten. Die Nachhaltigkeit der Aktivitäten der Station ist uns daher sehr wichtig, und wir hoffen, dass sie neue Maßstäbe in der Behandlung von Mangelernährung in Bihar setzen wird. Ich bin davon überzeugt, dass sie ihren Beitrag dazu leisten wird, die Mangelernährung im Bezirk Darbhanga zu beenden“, erläutert Dr. S.N. Sinha.

Die Eröffnung ist ein wichtiger Schritt in der Behandlung von schwerer akuter Mangelernährung im Bundesstaat Bihar. In dieser Region wird geschätzt, dass 8,6% der Kinder im Alter unter fünf Jahren schwer mangelernährt sind (Quelle: NFHS III – 2005/2006). Bei einer Verbreitung von rund 3,5% sind damit alleine im Bezirk Darbhanga 27.000 Kinder von schwerer akuter Mangelernährung betroffen.

Public Talk in Linz über Projekte in Bihar

Der oberösterreichische Arzt Dr. Klaus Täuber war 2013 während seines Einsatzes in Bihar bei einem Hilfsprogramm zur Behandlung mangelernährter Kinder tätig. Am 12. März wird er bei einem Public Talk  von Ärzte ohne Grenzen  in Linz von der Arbeit vor Ort berichten:  Mangelernährung in Indien: Eine stille Katastrophe

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1999 in Indien tätig. Neben der Behandlung von Mangelernährung konzentriert sich Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit der staatlichen Gesundheitsversorgung von Bihar auch auf Kala Azar, einer vernachlässigten Krankheit, die in Bihar endemisch ist. In Indien betreit Ärzte ohne Grenzen auch Projekte in Andhra Pradesh, Chattisgarh, Jammu & Kashmir, Maharashtra, Manipur and Nagaland.

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