Nigeria

Weltfrauentag 2016: Barrieren bei der Hilfe für Überlebende sexueller Gewalt überwinden

Leider müssen wir davon ausgehen, dass in allen Ländern, in denen wir weltweit helfen, Menschen von sexueller Gewalt betroffen sind. Wir haben daher in vielen Ländern die Hilfe für Überlebende in unsere Projekte integriert oder bieten in speziellen Teilen unserer Programme entsprechende Hilfe an. Ganz überwiegend sind es Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind.

Sich zu vergegenwärtigen, wo überall unsere Hilfe für Betroffene gefordert ist, ist bedrückend: 2014 haben wir in fast 30 Ländern 11.000 Überlebenden sexueller Gewalt zur Seite gestanden. Dabei schließt unsere Unterstützung eine umfangreiche medizinische Sofort-Hilfe, psychosoziale Begleitung und dadurch gegebenenfalls auch Hilfe bei juristischen Schritten ein. Wir machen dieses umfassende Angebot auch deswegen, weil wir wissen, dass die psychische Kraft der Betroffenen oftmals nicht dafür reicht, immer wieder unterschiedliche Akteure ansprechen zu müssen. Diese „Hilfe aus einer Hand“ ist ein Beispiel dafür, wie Barrieren überwunden werden können, damit Frauen die Unterstützung bekommen, die für sie bei diesem schwierigen, mit persönlichem wie gesellschaftlichen Stigma verbundenen Thema bestehen. Ein weiterer wichtiger Ansatz besteht darin, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, um Veränderungen zu bewirken.

Beispiel Simbabwe: Eine junge Frau, die von uns psychosoziale Unterstützung erhalten hat, weil sie von ihrem ehemaligen Partner sexuell missbraucht wurde, kann anschließend wieder einen positiven Blick in die Zukunft entwerfen: Sie berichtet, dass sie wieder Licht am Ende des Tunnels sehe und sich später einmal beruflich selbstständig machen möchte.

Es kommt vor, dass wir die einzigen vor Ort sind, die entsprechende Hilfe anbieten, wie z.B. in der Großstadt Port Harcourt in Nigeria. Anderswo bringen wir Projekte auf den Weg, wie in Papua-Neuguinea – ein Land mit bestürzend hohen Raten an familiärer und sexueller Gewalt. Für uns ist es ein Erfolg, dass wir das Thema in dem Land so weit voranbringen konnten, dass wir unsere Projekte nun an die dortigen Gesundheitsbehörden übergeben können. In Papua-Neuguinea sehen wir vor allem ein sehr großes Problem darin, dass es leider nur sechs Zufluchtshäuser im ganzen Land gibt. Fünf von ihnen sind in der Hauptstadt Port Moresby und in keinem werden unbegleitete Jugendliche aufgenommen. So laufen Betroffene – auch Kinder und Jugendliche – Gefahr, in ein Umfeld zurückkehren zu müssen, in dem sie wieder auf die Täter treffen (mehr dazu: Bericht zeigt „Teufelskreis“ sexueller Gewalt in Papua-Neuguinea).

Auch wenn – nicht nur in Papua-Neuguinea – noch viel zu tun bleibt, können wir doch auch viele positive Schritte bewirken und betroffenen Frauen ein Stück Lebensfreude wiedergeben.

Mehr erfahren:

Was Worte nicht ausdrücken können – therapeutische Hilfe für Überlebende sexueller Gewalt

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