Die aktuelle Lage im Libanon
Nach der Ankündigung eines vorübergehenden Waffenstillstands im Libanon ist die Erleichterung unter der Bevölkerung nur von kurzer Dauer. Die humanitären Bedürfnisse im Land sind enorm. Seit Jahren steht der Libanon im Konflikt mit Israel.
Viele Menschen sind nach den letzten großen Angriffen Ende 2024 gerade wieder in betroffene Gebiete zurückgekehrt. Jetzt müssen sie die Gebiete wieder verlassen. Menschen werden vertrieben, verletzt und getötet. Über eine Million Menschen mussten seit 2. März ihr Zuhause verlassen und brauchen jetzt dringend Unterstützung.
Unsere Kolleg:innen berichten von schwangeren Patientinnen, die ihre Kontrolltermine nicht einhalten können oder Menschen mit Diabetes, die dringend Insulin brauchen. Chronisch Kranke haben kaum Zugang zu ihren lebenswichtigen Medikamenten oder Behandlungen.
Die medizinische Versorgung wird auch dadurch erschwert, dass es immer wieder zu Angriffen kommt, die Gesundheitseinrichtungen treffen. Explosionen in der Nähe eines Krankenhauses in Sour zerstören lebenswichtige Dialysemaschinen. Mehrere Krankenhäuser erleiden Schäden durch die Angriffe.
Wir fordern den Schutz der Zivilbevölkerung, von Gesundheitspersonal und medizinischen Einrichtungen sowie die Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Humanitäre Hilfe im Libanon muss dringend verstärkt werden.
Hier sieht man ein Krankenhaus in Tyre, das Anfang Juni 2026 von einer Bombe getroffen wurde:
Wie wir aktuell im Libanon helfen
Durch die Eskalation des Konflikts müssen wir schnell reagieren und unsere Hilfe anpassen. Nach der vorübergehenden Aussetzung unserer Projekte im Süden sind wir inzwischen wieder in der Region aktiv und haben unsere Präsenz dort ausgebaut. In Bourj Hammoud, Beirut, Tripoli und Arsal läuft unsere Arbeit weiter. Wir bauen unsere Hilfe aus, um Vertriebene zu unterstützen.
Wir starten 23 mobile Kliniken in Libanonberg, Beirut, Bekaa und Nordlibanon. Dort unterstützen wir Menschen mit medizinischer Versorgung und psychologischer Erste Hilfe. In Beirut betreiben wir außerdem eine eigenständige Klinik.
Wir unterstützen Gesundheitseinrichtungen mit medizinischem Material und Treibstoff. In Unterkünften für Vertriebene verteilen wir sauberes Wasser und Hilfsgüter. Außerdem starten wir Angebote über Telemedizin, um Menschen in schwer erreichbaren Gebieten zu versorgen.
Viele unserer Kolleg:innen sind selbst betroffen. Sie leisten weiterhin Hilfe.
Unsere Hilfe vor der Eskalation 2026
Durch eine anhaltende Wirtschaftskrise und die israelischen Bombenangriffe 2024 ist die humanitäre Lage im Land angespannt. Eine rapide Inflation, die jahrelange Korruption in den Institutionen führte im Libanon zu einem begrenzten Zugang zu Strom und sauberem Wasser machen der Bevölkerung zu schaffen.
Libanon beherbergt eine große Zahl syrischer und palästinensischer Geflüchtete, die oft in prekären Verhältnissen leben.
Im August 2020 erschütterte eine gewaltige Explosion die Hauptstadt Beirut: Mindestens 200 Menschen kamen dabei ums Leben und viele Häuser und Geschäfte wurden zerstört. Die Explosion und das darauffolgende Chaos führten zu einem sprunghaften Anstieg der COVID-19-Fälle. Die Wirtschaftslage und damit die Lebensbedingungen verschlechterten sich im folgenden Jahr dramatisch. Das Gesundheitssystem kollabierte und die, an die Verbraucher:innen weitergegebenen, Kosten wurden für viele unleistbar.
Zusätzlich, zur schlechten humanitären Lage, kam es im Zuge des Konflikts zwischen Israel und Palästina zu Angriffen im Libanon. Ende 2024 wurden Häuser und Infrastruktur zerstört.
143.500
ambulante Behandlungen
16.100
Familien mit Hilfsgütern versorgt
10.500
psychologische Beratungen
Gesundheitsversorgung
Wir bieten Gesundheitsversorgung für Schwangere, Mütter und Kinder. Wir ermöglichen psychologische Betreuung, die Behandlung chronischer Krankheiten und Routineimpfungen für Kinder. Wir betreiben Kliniken im ganzen Land, um die Menschen medizinisch und psychologisch zu versorgen.
Unterstützung des nationalen Gesundheitssystems
Wir unterstützen das nationale Gesundheitssystem durch Schulungen, medizinische Spenden und die Bereitstellung von Medikamenten. Besonders in Tripoli im Nordlibanon unterstützen wir öffentliche Gesundheitszentren.
In Zusammenarbeit mit dem libanesischen Gesundheitsministerium führen wir auch Impfkampagnen durch. Zuletzt im August 2024 in Arsal, wo das Risiko für Krankheitsausbrüche wegen überfüllter Geflüchtetenlager besonders hoch ist.
Nothilfe
Unsere Teams reagieren auf gesundheitliche Notfälle, einschließlich katastrophaler Wasser- und Sanitärverhältnisse im Nordosten des Landes: Wir behandeln wasserübertragene Krankheiten und verteilen Hygienekits. Nach der Eskalation des Konflikts im Süden des Libanon schicken wir mobile medizinische Teams nach Nabatieh, um den wachsenden Bedarf der vertriebenen Menschen zu decken.
Während der israelischen Bombardierungen 2024 sind wir mit 22 Teams im Einsatz, um Menschen in besonders betroffenen Regionen zu unterstützen. Wir bieten Traumaversorgung und psychologische Unterstützung in Beirut, Libanonberg, Baalbe-Hermel und Akkar. In regionalen Krankenhäusern helfen wir mit Trainings und Hilfsgütern.
Im Laufe des Kriegs sind viele Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden. Wir unterstützen sie mit Wasser, Essen, Decken und Hygiene-Paketen. Nach dem Waffenstillstand im November 2024 kehrten viele in ihre zerstörten Häuser zurück, aber durch die zerstörte Infrastruktur ist der Zugang zu Gesundheitsversorgung weiterhin eingeschränkt.
Reproduktive und psychische Gesundheit
In Wadi Khaled und in Baalbek-Hermel liefern wir reproduktive Gesundheitsversorgung. Außerdem integrieren wir psychologische Unterstützung in unsere Angebote. In den Städten Arsal und Hermel behandeln wir außerdem chronische Krankheiten und überweisen Patient:innen in Notfällen an spezialisierte Einrichtungen.
In Saida betreiben wir eine telefonische Hotline für psychologische Unterstützung. Dadurch entlasten wir Gesundheitseinrichtungen, die wegen steigender Fallzahlen und zerstörter Infrastruktur überlastet sind. Wir helfen zusätzlich mit chirurgischer Unterstützung und medizinischen Gütern.
1976
Beginn der Arbeit
29,6
Mio. EUR
Ausgaben (Vorjahr)
365
Einsatzkräfte