Ebola – und was sonst noch geschah…

In den vergangenen Tagen und Wochen wurde viel über den Einsatz von Ärzte ohne Grenzen gegen Ebola und über unsere MitarbeiterInnen berichtet. Während unser Kampf gegen Ebola weitergeht, steht die Welt aber nicht still. Deshalb möchten wir an dieser Stelle auf einige andere Geschehnisse hinweisen, mit denen unsere Teams täglich konfrontiert sind. Die folgenden Dinge sind in den vergangenen Wochen in den mehr als 60 Ländern passiert, in denen Ärzte ohne Grenzen tätig ist. Diese Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig; sie bietet aber einen kleinen Einblick in das, was sonst noch geschehen ist. 

Amman, Jordanien : Khatam (4) stammt aus Aleppo in Syrien und erlitt in ihrem Gesicht, an den Händen und im Nacken schwere Verbrennungen, nachdem ihr Haus von einer Bombe getroffen worden war. Sie erholt sich momentan von einer Operation, die eine Woche zuvor durchgeführt im Projekt für rekonstruktive Chirurgie von Ärzte ohne Grenzen in Amman durchgeführt worden war. In diesem Projekt werden PatientInnen aus dem mittleren Osten chirurgisch und rehabilitativ behandelt. In den kommenden Monaten wird das chirurgische Team von Ärzte ohne Grenzen weitere Operationen an Khatam vornehmen müssen. Sie hat noch einen weiten Weg vor sich – die MitarbeiterInnen von Ärzte ohne Grenzen helfen ihr dabei so gut sie können.

Kunduz, Afghanistan : Ramin (12) wurde im vergangenen Monat durch einen Sprengsatz schwer verletzt und erhielt umfassende chirurgische, medizinische und psychologische Hilfe für seine Verletzungen und die Traumatisierung nach dem Vorfall. Nun konnte er gesund entlassen werden.

Shamwana, Provinz Katanga, Demokratische Republik Kongo : Ein Mann versuchte auf einem Motorrad-Taxi mit seiner Frau und einem Baby das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Shamwana zu erreichen – beide waren schwer krank. Als seine Frau zu schwach wurde, um weiterzufahren, schickte der Mann den Fahrer mit dem Baby zur Behandlung in das Krankenhaus, während er versuchte, seine Frau zu versorgen. Sie verstarb, doch der Fahrer erreichte das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen – das Baby überlebte. Nachdem der Mann die Vorkehrungen für das Begräbnis seiner Frau getroffen hatte, kam er ebenfalls in das Krankenhaus. Er wird sich gemeinsam mit seiner Schwester um das Baby kümmern.

Bentiu, Südsudan : Nach einem besonders brutalen Gewaltausbruch im Umkreis von Bentiu berichtete Dr. Erna Rijnierse von Ärzte ohne Grenzen am 30. Oktober, dass ihr Team zwölf Menschen mit Schussverletzungen und ähnlichen Wunden notärztlich versorgt und neun chirurgische Eingriffe durchgeführt hatte – inklusive der Notversorgung einer schwangeren Frau, die von einer Kugel in der Brust getroffen worden war.  Dr. Rijnierse arbeitet im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in einem Vertriebenenlager – eines der vielen Projekte der Organisation im Land. „Es ist schwierig, sich innerhalb des Lagers und sogar im Krankenhaus sicher zu bewegen, denn verirrte Kugeln kommen aus allen Richtungen“, beschreibt sie die Situation vor Ort. „Die Schießereien können jederzeit losgehen, was dann bedeutet, dass wir in den Bunker laufen müssen… Die Lage ist angespannt und äußerst unvorhersehbar.“

Port-au-Prince, Haiti : Das Team im Cholera-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen im Stadtteil Delmas behandelt derzeit rund 200 PatientInnen pro Woche. Weiters unterstützen wir das haitianische Gesundheitsministerium mit Trainings, Materialspenden und ärztlicher Betreuung anderer Gesundheitseinrichtungen bei der Bekämpfung der Krankheit. Die Durchfallerkrankung Cholera brach im Land zum ersten Mal im Jahr 2010 aus – damals behandelte Ärzte ohne Grenzen den Großteil der Betroffenen.

Grosny, Tschetschenien / Russische Föderation : Eine 35-jährige Frau, die unter extrem medikamentenresistenter TB (XDR-TB) leidet, beginnt im Rahmen der Betreuung durch das Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Republikanischen Tuberkulose-Klinik eine neue Behandlung. Sie hatte bereits 2012 eine Therapie gestartet, ertrug jedoch die schweren Nebenwirkungen der Medikamente nicht. Im Jahr 2013 entwickelte sie eine Resistenz gegen die herkömmlichen Arzneimittel und musste daher zu einer anderen Behandlungsweise mit Bedaquiline wechseln – einem neuen, vielversprechenden Tuberkulose-Medikament mit größeren Heilungschancen.

Foya, Liberia : Ein 18-jähriger Patient kann das Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen verlassen, nachdem er negativ auf Ebola getestet worden war. Er kam wenige Tage davor in das Behandlungszentrum, weil er Symptome entwickelt hatte, die sowohl bei Malaria als auch bei Ebola auftreten. Nachdem sein Test Malaria-positiv war, erhält er die entsprechende Behandlung.

Monrovia, Liberia : Hunderte Frauen singen auf den Straßen „Thank you, MSF“ („Danke, Ärzte ohne Grenzen “), nachdem sie von unseren Teams Anti-Malaria-Medikamente für sich und ihre Familien erhalten haben. Die Nothilfe-Aktion gegen Malaria wurde gestartet, da die Stadt Monrovia auf Grund der Ebola-Epidemie andere Gesundheitsprobleme nicht mehr bewältigen kann.

Bangui, Zentralafrikanische Republik : Ärzte ohne Grenzen hat in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui zwei Kliniken zur Behandlung von Opfern sexueller Gewalt eingerichtet – ein massives Problem in dem von Gewalt erschütterten Land. Das Team von Ärzte ohne Grenzen hat in einer der beiden Kliniken auch in dieser Woche weiter Betroffene beraten und medizinisch versorgt.  Ärzte ohne Grenzen betreibt Hilfsprojekte im ganzen Land – diese beiden speziellen Einrichtungen wurden im Juli eröffnet und haben im Monat September fast 250 Menschen versorgt. „Manche der Frauen werden ihr Leben lang traumatisiert sein. Doch wenn wir zum Beispiel die Familie dazu bewegen können, das Opfer zu unterstützen, gibt es eine Chance, den Übergriff zu verarbeiten und ein Leben ohne ein schweres psychologisches Trauma zu führen“, so Helene Thomas, Psychologin von Ärzte ohne Grenzen .

Epworth, Simbabwe : Der Tuberkulose-Patient Gibson Chijaka (16) hat die äußerst strapaziöse Behandlung beendet, die er vor zwei Jahren begonnen hatte. „Mir wurde heute mitgeteilt, dass ich von medikamentenresistenter Tuberkulose (DR-TB) geheilt bin. Jetzt muss ich nicht mehr dutzende ekelerregende Tabletten täglich einnehmen wie während der vergangenen zwei Jahre. Ich bin so glücklich und kann meine Freude kaum zurückhalten.“

Chaman, Pakistan : Eine schwangere Frau kam in das Krankenhaus des Gesundheitsministeriums Nahe der Grenze zu Afghanistan, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird – sie erwartete Zwillinge. Das Team musste feststellen, dass sich das erste Baby in Steißlage befand; für diese Komplikation wird normalerweise ein Kaiserschnitt empfohlen. Doch die Mutter verweigerte diese Option – so wie viele Frauen in dieser Region. Das Team von Ärzte ohne Grenzen klärte die Frau über die Risiken auf, die sie akzeptierte. Als die Wehen einsetzten wurde sie von Dr. Jeltje Danhof von Ärzte ohne Grenzen unterstützt, und bei der erfolgreichen Geburt kamen zwei gesunde Töchter zu Welt.

Bundesstaat Borno, Nigeria : Ärzte ohne Grenzen eröffnet ein Cholera-Behandlungszentrum mit 150 Betten um auf einen aktuellen Ausbruch der Durchfallerkrankung zu reagieren. Bei der Epidemie wurden bisher 4.500 Fälle registriert und 70 Menschen verstarben. In dieser isolierten und unsicheren Region gibt es kaum Zugang zu Gesundheitsversorgung.

Gety, Provinz Orientale, Demokratische Republik Kongo : Eine Frau wurde von drei Männern einer Miliz vergewaltigt, als sie in der Nähe ihrer Felder ging. Das Team von Ärzte ohne Grenzen im Programm für Opfer sexueller Gewalt versorgten sie medizinisch und psychologisch. In diesem konfliktgebeutelten Gebiet sind Vergewaltigungen beunruhigend häufig: Von Jänner 2013 bis Oktober 2014 behandelte Ärzte ohne Grenzen in Gety 602 Vergewaltigungsfälle – 15 davon betrafen Kinder im Alter unter fünf Jahren.

Nordirak : Die Teams von Ärzte ohne Grenzen untersuchen weiterhin die Bedürfnisse der Menschen, die kürzlich vor den Kämpfen in anderen Teilen des Landes geflohen sind – darunter auch mehrere hundert Familien, die keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben. Ärzte ohne Grenzen arbeitet bereits an mehreren Orten im Norden des Irak und versorgt sowohl syrische Flüchtlinge als auch irakische Vertriebene.

Khaiwai Para, Chittangong Hill Tracts, Bangladesch : Eine Frau brachte ihre 3-jährige Tochter in unser gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium geführten Projekt – sie war zu krank war, um zu essen. Nach einem Test stellte sich heraus, dass sie Malaria hatte. Die Tropenkrankheit ist in dieser Region endemisch. „Diese Gesundheitsleistungen geben und das Gefühl von Erleichterung und Sicherheit“, so die Mutter. „Wir sind glücklich dass wir nun gut versorgt werden.“

Barcelona, Spanien: Busisiwe "Buci" Beko überlebte gemeinsam mit ihrer 5-jährigen Tochter multiresistente Tuberkulose – Dank ihrer Behandlung im Programm von Ärzte ohne Grenzen im südafrikanischen Khayelitsha. Sie wurde später eine Beraterin für andere Tuberkulose-PatientInnen. Bei der 45. Welt-Tuberkulose-Konferenz von 28.10. bis 1.11.2014 in Barcelona forderte sie radikale Verbesserungen bei der Diagnose und Behandlung medikamentenresistenter TB. Gleichzeitig veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen den Bericht „Out of Step“ ( PDF-Download ), der die fünf Hauptgründe für die derzeit rasante weltweite Ausbreitung resistenter Formen von Tuberkulose aufzeigt.

Pretoria, Südafrika : Phumeza Tisile schließt sich anderen GesundheitsaktivistInnen an, die eine Zulassung eines leistbaren Generikums des Arzneimittels Linezolid fordern, das derzeit $65 pro Tablette kostet. Phumeza hat ihre Behandlung gegen extrem medikamentenresistente Tuberkulose (XDR-TB) mithilfe von Ärzte ohne Grenzen abgeschlossen. Der Aufruf ist Teil der Anstrengungen, eine leistbare Behandlung im Land zu ermöglichen. In Südafrika werden jährlich rund 15.000 Menschen mit medikamentenresistenter Tuberkulose diagnostiziert und weniger als die Hälfte davon beginnt mit einer Behandlung. Einer der Gründe dafür ist, dass die bestehenden Behandlungsformen so strapaziös und wirksamere Methoden unerschwinglich teuer sind.

Pozallo & Augusta, Italien : Die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Italien versorgen zwei Gruppen von MigrantInnen, Flüchtlingen und Asylsuchenden, die mit dem Boot von Afrika aus versuchten, nach Europa zu gelangen. In Augusta landeten um 2 Uhr morgens rund 140 MigrantInnen, die hauptsächlich aus Somalia und der Sub-Sahara Region Afrikas stammen. Das zweite Boot erreichte Pozzallo und brachte rund 58 weitere Menschen – der Großteil davon aus Libyen, was die sich verschlechternde Lage in diesem Land deutlich macht, aber auch aus Nigeria, dem Senegal, Mali und Gaza.

Provinz Haut Uele, Demokratische Republik Kongo : 27 MitarbeiterInnen des “mobilen Team zur Bekämpfung der Schlafkrankheit” von Ärzte ohne Grenzen sind seit dem Morgengrauen unterwegs: Sie fuhren mit dem Auto, bis die Straße endete, und gingen danach drei Stunden lang zu Fuß durch den Wald, um Menschen in entlegenen Dörfern auf die Schlafkrankheit zu testen und/oder zu behandeln. Die vernachlässigte Krankheit endet tödlich wenn sie nicht behandelt wird. Unter den positiven Testergebnissen war auch der Test einer schwangeren Frau namens Marcelline; sie erhielt schmerzhafte aber notwendige Injektionen, die gemeinsam mit der weiterführenden Behandlung ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes retten werden.

Provinz Helmand, Afghanistan : Das Team von Ärzte ohne Grenzen in der Station für Mangelernährung im Boost Krankenhaus in Lashkar Gah nahm ein untergewichtiges, akut mangelernährtes Mädchen im Alter von acht Monaten namens Nelofar auf. Die Leiterin  der Pflegefachkräfte riet der Mutter des Kindes, ihre Tochter zu stillen und ihr ergänzende Milch zu verabreichen. Während der nächsten Tage begann Nelofar, wieder Appetit zu entwickeln und zu weinen – ein Zeichen dafür, dass sie mehr Energie und Kraft hatte. Das Team geht davon aus, dass sie in ca. zehn Tagen wieder nach Hause gehen wird können.

Lankien, Südsudan : Die Teams in Lankien arbeiten weiterhin an der Eindämmung des Ausbruchs von Kala Azar. Seit Anfang des Jahres haben sie mehr als 4.000 PatientInnen gegen die vernachlässigte Krankheit behandelt.

Bekaa-Ebene, Libanon : Eine 24-jährige syrische Frau, die vor dem Konflikt in ihrem Heimatland geflohen war und nun mit ihren Eltern, ihrem Ehemann und ihrem 3-jährigen Sohn in einer Garage lebt, suchte mit schweren Bauchschmerzen die Klinik von Ärzte ohne Grenzen auf. Ein Test ergab, dass sie schwanger war – gute Nachrichten für ihre Familie. Die Hebammen von Ärzte ohne Grenzen werden sie im Laufe ihrer Schwangerschaft weiter betreuen.

Kinshahsa, Demokratische Republik Kongo : Ein 12-jähriges Mädchen, das mit HIV geboren worden war, entwickelte auf Grund einer früheren unvollständigen Behandlung eine Resistenz gegen die antiretroviralen Medikamente der ersten und zweiten Behandlungslinie. Das Team von Ärzte ohne Grenzen arbeitete hart, um ihr Leben zu retten, als sie in kritischem Zustand – bewusstlos und von Krämpfen geschüttelt – das Krankenhaus erreichte. Nach einigen Stunden Behandlung wachte sie auf und fragte nach Essen – schwach, müde, aber stabil.

Kailahun, Sierra Leone : Ein 14-jähriger Junge konnte gemeinsam mit seiner 23-jährigen Schwester und seiner Großmutter nach Hause zurückkehren, nachdem er sich von einer Ebola-Erkrankung erholt hatte.

Ramtha, Jordanien : Ahmad (14) wurde im Juni verletzt, als das Flüchtlingslager Al Shajara in Syrien bombardiert wurde – sein Vater starb bei dem Angriff. Vergangene Woche rief er das Team an, dass ihn vier Monate lang im chirurgischen Projekt von Ärzte ohne Grenzen in Ramtha behandelt hatte: Er erzählte, dass er wieder mit seiner Familie vereint war und bedankte sich bei Ärzte ohne Grenzen für die Behandlung, die er erhalten hatte.

Flüchtlingslager Al Zaatari, Jordanien : Zwei PatientInnen, die vom chirurgischen Projekt in Ramtha überstellt worden waren, tragen zum ersten Mal ihre Beinprothesen. Weiters eröffnete Ärzte ohne Grenzen eine vierte Abteilung im Lager. Ein halbseitig gelähmter Patient unternahm seine ersten fünf Schritte und lächelte die ganze Zeit. Ein anderer Patient, der wegen einer Kopfverletzung behandelt worden war, sprach zum ersten Mal seit seiner Verwundung. Er sagte: „Wasser“ – denn er war durstig.

Kibera, Nairobi, Kenia : Innerhalb von 48 Stunden half unser Team im größten Slum Ostafrikas bei der Geburt von 20 Babies – 13 Buben und 7 Mädchen. Besonders turbulent wurde es, als drei Mütter innerhalb von 35 Minuten ihre Kinder zur Welt brachten.

Syrien: Unser Projekt “Die Tragweite des Krieges” zeigt einen Tag im Leben unserer Teams, die in den Nachbarländern Syriens den vom Konflikt betroffenen Menschen helfen. Auch wenn dieser Tag nicht in den vergangenen Wochen stattgefunden hatte, zeigt das Online-Projekt auf beeindruckende Weise die Situation der Menschen und die Arbeit unserer MitarbeiterInnen vor Ort: "Reach of War"

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