Zur Lage im Gazastreifen

Es gibt im Gazastreifen derzeit keine ausreichende Gesundheitsversorgung und die Hilfslieferungen reichen weiterhin nicht aus.

Über 18.500 Menschen warten auf eine dringende medizinische Evakuierung, weil sie im Gazastreifen nicht mehr behandelt werden können. Hilfslieferungen werden an der Grenze aufgehalten und abgelehnt. Wichtiges medizinisches Equipment, Medikamente und Ersatzteile für Wasseraufbereitungsanlagen werden zurückgehalten, darunter Material für Amputationen, Desinfektionsmittel, Wasser und Treibstoff für Dialysegeräte.

Anfang des Jahres hat die israelische Regierung unsere Registrierung zur Arbeit in Gaza abgelehnt. Wir arbeiten weiter an einer Lösung, um die dringend benötigte medizinische Hilfe weiterführen zu können. Wir sind jetzt noch in einer Übergangsphase und dürfen bis zum 1. März unsere Arbeit im Gazastreifen und Westjordanland fortsetzen.

Neben Zivilist:inenn werden auch Einsatzkräfte aus dem medizinischen und humanitären Bereich zur Zielscheibe von Angriffen. Bereits 15 unserer Kolleg:innen und unzählige Angehörige wurden seit Oktober 2023 getötet.

Im Gazastreifen ist die Situation extrem gefährlich.

Marcus Bachmann, Einsatzleiter für die besetzten palästinensischen Gebiete

Unseren Teams werden seit fast zwei Jahren Zeug:innen massenhafter Tötungen und massiver Zerstörung. Israelische Streitkräfte zerstören Wohnhäuser, Krankenhäuser, Märkte, Wasserversorgung, Straßen und Stromnetze in Gaza – nicht aus Nachlässigkeit, sondern gezielt. Was wir beobachten, ist die systematische Vernichtung von Lebensgrundlagen, unter Missachtung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte. Wir als Ärzte ohne Grenzen halten es für unsere moralische und humanitäre Pflicht, uns klar und deutlich dazu zu äußern und sprechen deshalb von einem Genozid im Gazastreifen. 

Unser Einsatz geht weiter

Unsere Arbeit im Gazastreifen geht weiter - unsere Kolleg:innen sind erschöpft, aber sie geben nicht auf. Wir passen unsere Aktivitäten an und weiten sie aus, je nachdem, wie sich die Lage entwickelt.

Aktuell sind wir im Gazastreifen in sechs Spitälern, dem Al-Helou-, Al Shifa-, Al-Aqsa-, Al Ahli, Al Ranteesi und dem Nasser-Krankenhaus aktiv. In Deir Al-Balah betreiben wir zwei Feldspitäler. Außerdem unterstützen wir mit vier Gesundheitszentren, betreiben ein Ernährungszentrum und sechs medizinische Anlaufstellen. Außerdem unterstützen wir mit sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen. Auch diese Arbeiten werden aber durch die Blockade von Hilfsgütern, Evakuierungsaufrufe und gezielte Angriffe eingeschränkt.

Unsere Teams sind zudem im Westjordanland aktiv und unterstützen dort Gesundheitseinrichtungen. Durch die zunehmende Militärpräsenz und Gewalt durch israelische Siedler:innen wird unsere Arbeit aber erschwert. Auch medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen wurden bereits attackiert. Wir rufen zu seinem sofortigen Ende von Vertreibung und Gewalt an Palästinenser:innen im Westjordanland auf!

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Timeline: Aktuelles aus Gaza

Die Situation im Nahostkonflikt ändert sich täglich und wir passen unsere Hilfe, soweit es uns möglich ist, an. Hier halten wir Sie auf dem Laufenden über aktuelle Entwicklungen seit 2025. Ältere Berichte zwischen Oktober 2023 und 2024 finden Sie hier:

06. Februar 2026: Mitarbeiterin in Al-Mawasi verletzt

Am 4. Februar wurde eine Kollegin durch eine verirrte Kugel im Bauchbereich getroffen, während sie sich unserem Primärgesundheitszentrum in Al-Mawasi im Gazastreifen befand. Sie wurde zur Operation ins Nasser-Krankenhaus gebracht und befindet sich inzwischen in stabilem Zustand.

Nirgendwo im Gazastreifen ist es sicher. Wir fordern alle Konfliktparteien erneut auf, medizinische Einrichtungen zu schützen und sicherzustellen, dass medizinisches Personal sowie Patient:innen nicht unter Beschuss geraten. 

3. Februar 2026: Israelische Angriffe im Gazastreifen

Allein in den letzten drei Tagen haben unsere Teams sieben Patient:innen - darunter zwei Kinder - aufgenommen, die durch israelische Angriffe verletzt wurden. Obwohl ein Waffenstillstandsabkommen in Gaza herrscht, wurden seitdem Hunderte von Menschen getötet.

"Die Auswirkungen der Bombardierungen waren sehr stark", sagte ein Patient, der am 31. Januar im Al-Shifa Krankenhaus behandelt wurde. 

Ich habe Verbrennungen, Verletzungen am Rücken und Splitterwunden erlitten. Es soll doch ein Waffenstillstand gelten. Der muss eingehalten werden.

Patient im Al-Shifa Krankenhaus am 31. Jänner 2026

Neben der Behandlung dieser durch Gewalt verursachten Verletzungen leisten wir in Gaza jede Woche lebenswichtige medizinische Hilfe: Wir unterstützen jedes fünfte Krankenhausbett in Gaza, begleiten jede dritte Mutter bei der Geburt und decken den Wasserbedarf von 30% der Bevölkerung.

30. Jänner 2026: Erklärung zur Weitergabe von Mitarbeiter:innen-Daten

Nach monatelangen erfolglosen Verhandlungen mit den israelischen Behörden und mangels Zusicherungen hinsichtlich der Sicherheit unserer Mitarbeitenden und der unabhängigen Durchführung unserer Einsätze sind wir zu dem Schluss gekommen, dass unsere Organisation unter den gegenwärtigen Umständen keine Liste ihrer palästinensischen und internationalen Mitarbeitenden an die israelischen Behörden weitergeben wird.

Zur ganzen Erklärung

2. Jänner 2026: Hilfe für Palästinenser:innen durch Registrierungspflicht in Gefahr

Die neuen Auflagen der israelischen Regierung für NGOs in Gaza bringen die internationale Hilfe in Gefahr. Die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen können nicht gedeckt werden, es gibt kaum Gesundheitsversorgung für Palästinenser:innen und wichtige Infrastruktur ist zerstört.

Gemeinsam mit anderen humanitären Hilfsorganisationen sorgen wir für eine medizinische Grundversorgung. Alleine im vergangenen Jahr haben wir im Gazastreifen über 800.000 ambulante Behandlungen durchgeführt und mehr als 100.000 Verletzte versorgt. Ein Fünftel aller Spitalsbetten im Gazastreifen wird von uns ermöglicht und jede dritte Geburt von unseren Kolleg:innen unterstützt. Diese Hilfe fällt weg, sollten wir durch israelische Auflagen unsere Arbeit einstellen müssen.

Mit 2026 verlangt die israelische Regierung strenge Registrierungsauflagen für internationale NGOs in den palästinensischen Gebieten. Wird den Hilfsorganisationen die Registrierung entzogen, ist das eine Katastrophe für Palästinenser:innen. Wir arbeiten weiter an einer Lösung, damit wir unsere Hilfe in Gaza fortsetzen können.

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11. November 2025: Einen Monat nach Waffenstillstand

Einen Monat nach Beginn dieses fragilen Waffenstillstands ist die Lage in Gaza weiterhin verzweifelt. Fast täglich werden Palästinenser:innen von israelischen Streitkräften in den Gebieten nahe der gelben Linie, hinter der Israel die Kontrolle behält, getötet und verletzt. Palästinenser:innen riskieren oft ihr Leben, wenn sie zu ihren Häusern zurückkehren – da diese Linie immer noch nicht immer klar markiert ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sich einige wichtige Krankenhäuser in von israelischen Streitkräften kontrollierten Gebieten befinden, was den sicheren Zugang zur Gesundheitsversorgung einschränkt. Die israelischen Behörden schränken die Einfuhr von Hilfsgütern nach Gaza weiterhin erheblich ein.

Der Bedarf ist enorm, die Menschen leiden, und das wäre völlig vermeidbar.

Caroline Seguin, Notfallkoordinatorin

Die Lebensbedingungen in Gaza sind nach wie vor entsetzlich. Nach wiederholten Zwangsumsiedlungen leben viele Palästinenser:innen immer noch in provisorischen Zelten ohne Zugang zu fließendem Wasser und Strom, neben Müllbergen und überlaufenden Abwasserkanälen. Wir sehen, wie diese schrecklichen Bedingungen die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen. Der Winter steht vor der Tür, die Temperaturen sinken und wir rechnen mit starken Regenfällen und Wind.

Die israelischen Behörden müssen unverzüglich eine massive Ausweitung der ungehinderten humanitären Hilfe für den Gazastreifen zulassen.

29. Oktober 2025: Angriffe trotz Waffenstillstand

Am 29. Oktober haben wir im gesamten Gazastreifen schwer verletzte Patient:inn nach Angriffen israelischer Streitkräfte behandelt. Wir haben verletzte im Al-Aksa, im Nasser und im Al-Shifa Krankenhaus gesehen. 

Als ich in die Notaufnahme kam, war die Situation dramatisch. Es besteht kein Zweifel, dass dies ein Angriff auf Zivilist:innen ist - so viele Kinder sind verletzt oder getötet worden. Nennen wir das wirklich einen Waffenstillstand?

Morten Rostrup

Im Nasser-Krankenhaus wurden 22 Tote und 60 Verletzte eingeliefert. Das Al-Aksa-Krankenhaus hat 77 Verletzte behandelt, einige von ihnen wurden in unser Feldkrankenhaus verlegt. Im von uns unterstützten Al-Shifa-Krankenhaus wurden 27 Tote und 56 Verletzte aufgenommen.

Laut Angaben des Gesundheitsministeriums haben israelische Streitkräfte seit Beginn des Waffenstillstands 211 Menschen getötet. Allein in den vergangenen 24 h meldet das Gesundheitsministerium, dass mind. 104 Menschen getötet wurde und 253 weitere verletzt wurden, darunter 78 Kinder.

05. Oktober 2025: Unser Kollege Abed El Hameed Qaradaya wurde in Gaza getötet

Mit tiefer Trauer und Empörung müssen wir den Tod unseres Kollegen Abed El Hameed Qaradaya bestätigen. Trotz der medizinischen Versorgung durch die Teams der Organisation erlag er am Sonntag, dem 5. Oktober, seinen schweren Schrapnellverletzungen. Diese hatte er bei dem Angriff am vergangenen Donnerstag erlitten, bei dem auch sein Kollege Omar Hayek getötet und mehrere weitere Menschen verletzt wurden.

Abed Portrait December 2019

02. Oktober 2025: Wir trauern um unseren Kollegen Omar Hayek

Omar wurde am Morgen des 2. Oktober bei einem Angriff der israelischen Streitkräfte in Gaza getötet, vier weitere Kolleg:innen wurden dabei schwer verletzt.

Der Angriff ereignete sich auf einer Straße, wo das Team der Hilfsorganisation auf den Bus wartete, der sie in unser Feldkrankenhaus  in Deir al Balah bringen sollte.

Sie alle trugen Westen von Ärzte ohne Grenzen, die sie eindeutig als medizinische humanitäre Helfer:innen auswiesen. 

Diese Angriffe auf humanitäre Helfer:innen müssen beendet, der Genozid in Gaza gestoppt werden!

Wir sind in Gedanken bei Omars Familie, seinen Freund:innen und Kolleg:innen.

Omar war 42 Jahre alt und hat für uns als Ergotherapeut gearbeitet. Er ist der 14. Kollege, der bisher seit Kriegsbeginn getötet wurde.

Omar Hayek, Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen
MSF

29. September 2025: Wir müssen unsere medizinischen Aktivitäten in Gaza-Stadt aussetzen

Durch die Ausweitung der israelischen Militäroffensive und die damit zusammenhängende rapide wachsende Unsicherheit sehen wir uns gezwungen, unsere Aktivitäten in Gaza-Stadt einzustellen.

Anhaltende Luftangriffe und vorrückenden Panzer, weniger als einen Kilometer von ihren Gesundheitseinrichtungen entfernt, haben zu einem inakzeptablen Risiko für unsere Mitarbeiter:innen geführt. 

„Wir hatten keine andere Wahl, als unsere Aktivitäten einzustellen, da unsere medizinischen Einrichtungen von israelischen Streitkräften umringt sind. Das ist das Letzte, was wir wollten, denn der Bedarf in Gaza-Stadt ist enorm. Die am stärksten gefährdeten Menschen, etwa Säuglinge und Menschen mit schweren Verletzungen oder lebensbedrohlichen Krankheiten, können sich nicht bewegen und sind in großer Gefahr." 

Jacob Granger, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Gaza.

16. September 2025: Wir trauern um unseren Kollegen Hussein Alnajjar

Hussein wurde bei einem israelischen Luftangriff lebensgefährlich verletzt und starb am 16. September. Er war ein engagierter Krankenpfleger und Vater von drei kleinen Kindern.

Wir verurteilen seine Tötung aufs Schärfste und fordern erneut die sofortige Wiederherstellung des Waffenstillstands und den Schutz der Zivilbevölkerung im Gazastreifen.

Hussein ist der 13. Kollege, der seit Beginn des Krieges im Gazastreifen getötet wurde. Dieses Blutvergießen muss ein Ende haben!

Wir sind in Gedanken bei Husseins Frau, seinen Kindern sowie all seinen Angehörigen und Freund:innen.

Hussein Alnajjar, Krankenpfleger bei Ärzte ohne Grenzen, wurde am 16.9.2025 im Gazastreifen getötet.
MSF
Hussein Alnajjar, Krankenpfleger bei Ärzte ohne Grenzen, wurde am 16.9.2025 im Gazastreifen getötet.
MSF

25. August 2025: Doppelangriff auf das Nasser-Krankenhaus

Das Nasser-Krankenhaus in Khan Younis wurde bei einem Angriff beschädigt und mehrere Menschen getötet.

Unser Einsatzleiter Jerome Grimaud dazu: "Wir verurteilen die heutigen schrecklichen Angriffe Israels auf den Nasser-Krankenkomplex – das einzige teilweise noch funktionierende öffentliche Krankenhaus im Süden Gazas – aufs Schärfste. Israelische Streitkräfte töteten bei aufeinanderfolgenden Angriffen mindestens 20 Menschen und verletzten 50 weitere, darunter medizinisches Personal, Rettungskräfte und Journalist:innen. Unter ihnen war Mariam Abu Dagga, eine freiberufliche Fotografin, die häufig mit Ärzte ohne Grenzen zusammengearbeitet hat. Wir sind untröstlich über ihren Tod. Mariam hinterlässt einen Sohn, der nun ohne seine Mutter aufwachsen muss. Mindestens vier weitere Journalist:innen wurden heute ebenfalls getötet."

Einige unserer Mitarbeiter:innen mussten sich im Labor verstecken, da Israel das Gebäude während der Rettungsmaßnahmen wiederholt bombardierte. Wir sind empört darüber, dass die israelischen Streitkräfte weiterhin ungestraft medizinisches Personal und Journalist:innen angreifen.

"In den vergangenen 22 Monaten haben wir mit angesehen, wie medizinische Einrichtungen zerstört, Journalist:innen zum Schweigen gebracht und medizinisches Personal von den israelischen Streitkräften unter Trümmern begraben wurden. Während Israel weiterhin das Völkerrecht missachtet, werden die einzigen Zeug:innen ihrer genozidalen Kampagne gezielt angegriffen. Das muss sofort aufhören."

21. August 2025: Israel verantwortlich für Wassermangel

Im Gazastreifen herrscht ein massiver Wassermangel - verursacht von der israelischen Regierung. Über 22 Monate hinweg haben israelische Streitkräfte Infrastruktur für die Wasserversorgung zerstört. Das verfügbare Wasser reicht mittlerweile nicht mehr aus. 

Zur ganzen Presseaussendung

07. August 2025: Neuer Bericht über Gewalt an den GHF-Verteilstellen

„Das ist keine Hilfe. Das ist orchestrierte Tötung“ – unser neuer Bericht über die tödlichen Verteilstellen der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) zeigt, wie systematisch Gewalt gegen Hungernde eingesetzt wird.

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01. August 2025: 83 % der Verletzungen durch Bomben und Granaten

Unsere neue Studie zeigt die fatalen Folgen der Angriffe auf die Bevölkerung im Gazastreifen. Nach über 200.000 Konsultationen in sechs Gesundheitseinrichtungen im Jahr 2024 zeigt sich ein eindeutiges Bild: 83 % der Gewaltverletzungen wurden durch Explosionswaffen - also Bomben und Granaten - verursacht.

Unsere Analyse zeigt außerdem eine sehr hohe Infektionsrate der Wunden. Das liegt an den unhygienischen Bedingungen aufgrund der mehrfachen Zwangsvertreibungen der Bevölkerung. Fast ein Drittel der Patient:innen mit Wundverletzungen sind Kinder unter 15 Jahren.

Die gesamte Studie wurde in "The Lancet" auf Englisch veröffentlicht.

23. Juli 2025: Wir warnen mit über 100 weiteren NGOs

Die Lage im Gazastreifen ist katastrophal. Deshalb haben wir uns einem Appell von mehr als 100 Hilfsorganisationen angeschlossen, in dem ein sofortiges Ende der von der israelischen Regierung verursachten humanitären Katastrophe im Gazastreifen gefordert wird. Darin warnen wir vor einer drohenden Hungersnot.

Zur gemeinsamen Erklärung (Englisch)

22. Juli 2025: Teams mussten Klinik wegen Evakuierung verlassen

Wegen Evakuierungsanordnungen der israelischen Streitkräfte mussten 39 unserer palästinensischen Kolleg:innen eine wichtige Gesundheitseinrichtung in Al Mawasi verlassen, um ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Sie waren gerade dabei, Patient:innen zu versorgen, die bei Verteilzentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF)verletzt wurden.

Das Gebiet um Deir al-Balah galt bisher als einigermaßen Sicher. Laut den Vereinten Nationen wurden mit dieser Evakuierungsaufforderung 50.000 bis 80.000 Menschen abermals vertrieben.

Zur Presseaussendung

16. Juli 2025: Petition "Schützt die Menschen in Gaza" gestartet

Wir fordern die österreichische Bundesregierung auf, alle politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Mittel einzusetzen, um wirksamen Druck auf die israelische Regierung auszuüben. Der Genozid in Gaza muss gestoppt werden. Die humanitäre Katastrophe muss beendet werden. Hilfe muss ungehindert möglich sein.

11. Juli 2025: Arbeit in Klinik muss eingestellt werden

Die israelischen Streitkräfte haben ihre Bodenoffensive im Westen von Khan Younis ausgeweitet. Unsere Hilfe vor Ort wird davon massiv beeinträchtigt. In der Al-Attar-Klinik müssen wir unsere Arbeit komplett einstellen und die Klinik evakuieren.

Das Gesundheitssystem hier ist zusammengebrochen. Es gibt kein Krankenhaus mehr, wo man noch hingehen könnte.

Iman Abo Shawish, leitende Ärztin der Klinik in Al-Mawasi

9. Juli 2025: Fast die Hälfte der Getöteten sind Kinder

Eine aktuelle Erhebung unter unseren Mitarbeitenden und deren Familien zeigt die erschütternde Sterblichkeitsrate infolge des Kriegs in Gaza. 48 % der durch Explosionen Getöteten waren Kinder – 40 % davon jünger als 10 Jahre.

Unsere Zahlen decken sich mit den offiziellen Zahlen zu Todesfällen in Gaza seit dem 7. Oktober 2023. 

In Gaza werden Kinder getötet. Diese Missachtung von Kinderleben zeigt deutlich, dass der Krieg Israels in Gaza gegen alle Palästinenser:innen gerichtet ist.

Amande Bazerolle, stellvertretende Leiterin der Notfallabteilung

Die Ergebnisse beziehen sich nur auf Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen und deren Familien und lassen sich nicht auf die gesamte Bevölkerung Gazas übertragen. Tatsächlich könnten medizinisches Personal und deren Familien – auch jene von Ärzte ohne Grenzen – tendenziell besseren Zugang zu medizinischer Versorgung haben als der Großteil der Bevölkerung.

4. Juli 2025: Wir trauern um unseren Kollegen Abdullah Hammad

Wir trauern um unseren ehemaligen Mitarbeiter Abdullah Hammad, der am 3. Juli von israelischen Streitkräften getötet wurde. 

Die israelischen Streitkräfte griffen ohne Vorwarnung gezielt eine Gruppe von Menschen an, die auf Hilfslieferungen warteten - darunter Abdullah. Die Gruppe hatte gehofft, Mehl aus einem Hilfsgüter-Lkw in Khan Younis im Süden Gazas zu erhalten, wo sich am 17. Juni ein ähnlicher Vorfall ereignet hatte. Insgesamt wurden laut Angaben des medizinischen Teams des Nasser-Krankenhauses mindestens 16 Menschen getötet. 

Abdullah war Hygienefachkraft und arbeitete bis Ende Juni in der Klinik in Al-Mawasi. Wir sind entsetzt über diese Tragödie und verurteilen diesen Vorfall aufs Schärfste! Unsere Gedanken sind in dieser Zeit bei Abdullahs Familie, darunter seine Schwester Zainab und seine beiden Brüder Karam und Bahaa, die ebenfalls für uns arbeiten. 

Neben Abdullah wurden bereits 11 weitere Kolleg:innen seit Oktober 2023 im Gazastreifen getötet. Dieses Blutvergießen muss aufhören!

3. Juli 2025: Zwei Kolleg:innen bei Luftangriff verletzt

Vor einigen Tagen traf ein Luftangriff das Haus eines Chirurgen und einer Datenanalystin von Ärzte ohne Grenzen in Gaza-Stadt. Das Ehepaar und seine drei Kinder wurden verletzt.

Die Familie wurde ins Al-Shifa-Krankenhaus gebracht. Doch das Krankenhaus war völlig überlastet und hatte zu wenig Kapazitäten für die nötige Behandlung. Der 9-jährige Khalil, der 8-jährige Kareem und die 4-jährige Julia werden zwischen verschiedenen Kliniken hin- und her verlegt, um die benötigte Behandlung zu bekommen. Die Familienmitglieder mussten mehrfach verlegt und schließlich auf drei Krankenhäuser verteilt werden. 

Während ihrer Behandlung im Al-Aqsa-Krankenhauskomplex, wurde die Klinik beschossen. Es war bereits das zwölfte Mal, dass dieses Krankenhaus angegriffen wurde.

27. Juni 2025: Wir fordern das Ende des tödlichen Verteilmechanismus der GHF

Durch die monatelange Blockade von Hilfsgütern sind viele Menschen geschwächt. Der weite Weg zu den vier Verteilzentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) ist für sie kaum zu schaffen. Und diejenigen, die den Weg auf sich nehmen, laufen Gefahr, in ein tödliches Chaos zu geraten.

Kommen die Menschen zu früh zu den Verteilzentren und nähern sich ihnen, wird auf sie geschossen. [...] Kommen sie zu spät, dann dürfen sie nicht mehr dort sein, und es wird auf sie geschossen."

Aitor Zabalgogeazkoa, Notfallkoordinator

Jeden Tag behandeln unsere Kolleg:innen im Gazastreifen Menschen, die beim Versuch, an einem dieser Orte Lebensmittel zu bekommen, verletzt werden.

Wir fordern ein Ende des tödlichen Verteilmechanismus und die Wiederherstellung eines echten Hilfssystems! 

16. Juni 2025: Offener Brief an die Europäische Union

Bei einer Pressekonferenz in Brüssel kritisieren wir die Doppelmoral und die Untätigkeit der Europäischen Union (EU) und ihrer Mitgliedstaaten. Wir fordern, dass unparteiische und bedarfsgerechte Hilfe in großem Umfang in den Gazastreifen gelangt. Die Zivilbevölkerung muss geschützt und ein dauerhafter Waffenstillstand hergestellt werden. Die europäischen Regierungen müssen entschlossen darauf hinwirken.

 

Der Krieg in Gaza ist einer der ungeheuerlichsten, tödlichsten und rücksichtslosesten Kriege unserer Zeit, der gegen ein Volk geführt wird

Christopher Lockyear, internationaler Generalsekretär von Ärzte ohne Grenzen

11. Juni 2025: Aktivitäten im Nasser-Krankenhaus teilweise verlegt

Wir müssen unsere Aktivitäten im Nasser-Krankenhaus teilweise verlegen. Wegen schweren Bombardierungen in Khan Younis, Evakuierungsaufrufen und Bewegungseinschränkungen für unser Personal wird ein Teil unserer medizinischen Hilfe in unser Feldkrankenhaus in Deir al-Balah übersiedelt.

Das betrifft die Versorgung von Verbrennungen und die Orthopädie. Andere Einsatzbereiche im Nasser-Krankenhaus bleiben aufrecht: Unsere Arbeit in der Entbindungs- und Kinderstation, unsere technische Expertise, fachärztliche Visiten und finanzielle Unterstützung.

Das Nasser-Krankenhaus ist die letzte verbleibende Hoffnung für die Palästinenser:innen im Süden Gazas. Es ist entscheidend, dass diese medizinische Einrichtung vollständig geschützt, respektiert und funktionsfähig bleibt.

6. Juni 2025: Neue Anordnungen für das Nasser Krankenhaus

Anhaltende Bewegungseinschränkungen und Evakuierungsanordnungen bringen das Nasser-Krankenhaus im südlichen Gazastreifen an die Grenze der Funktionsfähigkeit. Es ist die einzige Lebensader für die Zivilbevölkerung in der Region und muss erhalten bleiben! 

Die israelischen Streitkräfte haben in dem Krieg immer wieder die medizinische Versorgung verhindert – einerseits durch Anordnungen, keine neuen Patient:innen mehr aufzunehmen, andererseits, indem sie Menschen den Zugang zu medizinischen Einrichtungen erschweren.

Am 3. Juni wurde unserem Team mitgeteilt, dass sie für jede Fahrt zum Krankenhaus eine Genehmigung bräuchten, die mindestens 24 Stunden im Voraus beantragt werden müsse. Das für die Tagesschicht vorgesehene Personal konnte das Krankenhaus nicht erreichen. Das Nachtpersonal musste weiterarbeiten. Die Ambulanz musste den ganzen Tag geschlossen bleiben. Die Teams in Krankenwägen, die Patient:innen ins Krankenhaus brachten, taten dies unter großem Risiko, da die Gefahr bestand, dass auf sie geschossen wurde, weil sie keine Genehmigung hatten.

Das Nasser-Krankenhaus ist ein großes Allgemeinkrankenhaus, in das unter normalen Umständen viele Patient:innen überwiesen werden. Es hat Spezialabteilungen, die es sonst nirgendwo im Süden des Gazastreifens gibt, darunter Operationssäle, eine Sauerstoffanlage, Beatmungsgeräte und Inkubatoren.

Die israelischen Behörden müssen das Nasser-Krankenhaus schützen und den uneingeschränkten und ungehinderten Zugang für Patient:innen und medizinisches Personal gewährleisten, um weitere Todesfälle zu vermeiden.

2. Juni 2025: Palästinenser:innen bei Lebensmittelausgabe getötet

Dutzende Palästinenser:innen wurden am 01. Juni getötet und Hunderte weitere verletzt, als sie an neu eingerichteten Verteilungszentren der „Gaza Humanitarian Foundation“ in Rafah und nahe des Netzarim-Korridors auf Lebensmittel warteten. Unsere Teams beteiligten sich an der Versorgung der Verletzten, die massenhaft im Nasser-Krankenhaus in Khan Younis eintrafen. Patient:innen berichteten, dass sie aus allen Richtungen beschossen wurden – durch Drohnen, Hubschrauber, Boote, Panzer und israelische Militäreinheiten am Boden.

28. Mai 2025: Appell an Außenministerin

Wir haben eine Nachricht an die österreichische Regierung in Bezug auf Gaza: Jeder weitere Tag ohne Konsequenzen ist ein stilles Einverständnis! Die Zahl der getöteten und vertriebenen Menschen in Gaza wächst täglich an. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, den Betroffenen zu helfen.

In Gaza wird täglich das humanitäre Völkerrecht gebrochen. Wir können das nicht hinnehmen und haben mit der Caritas gemeinsam ein Statement vor dem österreichischen Außenministerium gesetzt. Wir fordern die Außenministerin Beate Meinl-Reisinger dazu auf, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu ergreifen, damit die roten Linien eingehalten und das humanitäre Völkerreicht gewahrt wird.

21. Mai 2025: Hilfen werden instrumentalisiert

Die Hilfen, die derzeit in den Gazastreifen gelassen werden, sind völlig unzureichend. Sie sollen allein den Anschein vermitteln, die Blockade sei beendet. Gleichzeitig schränken Bodenoperationen, Luftangriffe und Evakuierungsanordnungen der israelischen Streitkräfte die Versorgung der Bevölkerung weiter ein.

Vor Oktober 2023 erreichten laut UN-Angaben täglich 500 Lastwagen mit Hilfsgütern den Gazastreifen. Die jetzt zugelassenen 100 Lastwagen pro Tag sind angesichts der katastrophalen Lage vollkommend unzureichend. 

14. Mai 2025: "Hilfe in Gaza bald nicht mehr möglich"

Gemeinsam mit der Caritas und dem Roten Kreuz rufen wir zu einem dringenden Ende der Blockade von Hilfsgütern auf. Seit Anfang März 2025 werden lebensnotwendige Lieferungen in den Gazastreifen von israelischen Behörden blockiert. Darunter Lebensmittel und wichtige medizinische Hilfsgüter. Personen mit schweren Verletzungen – viele davon Kinder – müssen ohne Schmerzmittel behandelt werden.

Nun geht auch noch der Treibstoff aus, mit dem lebensnotwendige Systeme in den Spitälern betrieben werden – etwa Inkubatoren für Neugeborene auf Intensivstationen.

Laura Leyser, Geschäftsführerin von Ärtze ohne Grenzen Österreich

Den Organisationen vor Ort wird es zunehmend schwer gemacht, humanitäre Hilfe zu leisten. Gemeinsam mit der Caritas und dem Roten Kreuz fordern wir von den israelischen Behören die Einhaltung des humanitären Völkerrechts, ein sofortiges Ende der Blockade, Sicherheit für Helfer:innen und einen dauerhaften Waffenstillstand.

13. Mai 2025: Luftangriff auf das Nasser Krankenhaus

Heute wurde eines der Gebäude des Nasser Medical Complex in Khan Younis durch einen israelischen Luftangriff getroffen. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums wurden dabei zwei Menschen getötet & 12 weitere verletzt. Wir führen derzeit chirurgische Notoperationen an zwei der Verletzten durch.

Nach dem ersten Angriff vor sechs Wochen mussten wir unsere Station für Brandverletzungen in ein benachbartes Gebäude verlegen, wo weiterhin schwer verletzte Patient:innen mit Verbrennungen und anderen Trauma-Verletzungen behandelt sowie zwei Operationssäle betrieben werden.

Nach dem heutigen Angriff wurden die ambulanten Behandlungen vorübergehend ausgesetzt, das medizinische Personal von Ärzte ohne Grenzen vor Ort wurde reduziert. Solche Angriffe auf medizinische Einrichtungen bringen unsere Patient:innen und Mitarbeitenden in Gefahr.

Es ist eine schwerwiegende Handlung, wie wir sie in den letzten 19 Monaten immer wieder beobachten mussten – gegen Krankenhäuser, Kliniken und medizinisches Material, und das vielfach ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen.

8. Mai 2025: Tote bei Luftangriffen nahe Krankenhaus

Bei Luftangriffen der israelischen Streitkräfte auf Gaza-Stadt kam es gestern auch zu Einschlägen nur wenige Meter entfernt von unserem Krankenhaus. Mindestens 33 Menschen wurden den Angaben des Gesundheitsministeriums zufolge getötet, Dutzende weitere wurden verletzt, darunter zwei unserer Kolleg:innen. 

Innerhalb eines Tages mussten unsere Teams drei Vorfälle mit zahlreichen Verletzten bewältigen. Zwei davon ereigneten sich zwischen 19:00 und 23:00 Uhr. 50 Patient:innen wurden in unser provisorisches Krankenhaus nach Deir al-Balah gebracht, wo 27 von ihnen aufgenommen wurden. 96 Patient:innen wurden in die Notaufnahme des von uns unterstützten Al-Aksa-Krankenhauses in Deir al-Balah gebracht. Weitere dreißig Menschen starben laut Angaben des Gesundheitsministeriums nach Luftangriffen in der Gegend.

Israels Streitkräfte weiten ihre Angriffe im gesamten Gazastreifen aus. Palästinenser:innen werden massenhaft getötet und verletzt. Das Maß an Verantwortungslosigkeit ist schockierend.

Claire Manera, Notfallkoordinatorin im Gazastreifen

16. April 2025: Angriffe auf Helfer:innen

Eine Reihe von Angriffen der israelischen Streitkräfte hat gezeigt, dass die Sicherheit der humanitären und medizinischen Helfer:innen missachtet wird. In den letzten drei Wochen hat Ärzte ohne Grenzen mehrere Vorfälle beobachtet, bei denen Helfer:innen getötet wurden. „Der Gazastreifen hat sich in ein Massengrab für Palästinenser:innen und diejenigen, die ihnen Hilfe leisten, verwandelt“, sagt Amande Bazerolle, Nothilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Gaza.

Auch medizinische Einrichtungen sind nicht vor Angriffen sicher. Teams von Ärzte ohne Grenzen mussten viele Einrichtungen verlassen. Andere sind noch in Betrieb, jedoch sind Mitarbeitende und Patient:innen oft eingeschlossen und können stundenlang das Gelände nicht verlassen. Die mangelnde Versorgung mit Treibstoff im gesamten Gazastreifen wird unweigerlich zur Einstellung der Aktivitäten führen, da Krankenhäuser auf Generatoren angewiesen sind, um schwerkranke Patient:innen am Leben zu erhalten und lebensrettende Operationen durchzuführen.

Ärzte ohne Grenzen fordert die israelischen Behörden auf, die Belagerung des Gazastreifens aufzuheben und das Leben der Palästinenser:innen sowie des humanitären und medizinischen Personals zu schützen.
 

9. April 2025: Tote bei Angriff nahe des Al Mawasi Krankenhauses

Gestern Abend haben unsere Teams im Al Mawasi Krankenhaus neun Patient:innen aufgenommen, nachdem 300 Meter von der Einrichtung entfernt ein Angriff erfolgt war. Zwei Patient:innen waren bei Ankunft bereits tot, darunter ein zweijähriger Junge.

„Das Team befand sich in einem Schockzustand“, sagt unser Notarzt Dr. Mohammed Shaath. „Ehrlich gesagt kann ich die Szene und die Bauch-, Kopf- und Brustkorbverletzungen nicht beschreiben. Absoluter Horror.“ Nur Dr. Shaath und zwei Krankenpflegerinnen waren zum Zeitpunkt des Vorfalls in der Klinik.

Seit dem 18. März haben die israelischen Streitkräfte ihre Einsätze im Gazastreifen verstärkt, Evakuierungsbefehle erteilt und die Pufferzone innerhalb der Grenzen des Streifens, auch in der Nähe unserer Klinik, ausgeweitet.

Um die Sicherheit und die Kontinuität der Versorgung zu gewährleisten, sahen wir uns gezwungen, das Schichtpersonal in einigen Einrichtungen, darunter in Al-Mawasi, auf ein Drittel zu reduzieren. Das Fehlen angemessener Sicherheitsvorkehrungen und eines Schutzes vor Militärschlägen bringt humanitäre Helfer:innen und unsere Teams in unmittelbare Gefahr. Die Einrichtungen, in denen wir arbeiten, sind allen Konfliktparteien bekannt. 

Wir fordern die Achtung und den Schutz von Gesundheitseinrichtungen, Patient:innen und Personal.

04. April 2025: Wir trauern um unseren Kollegen Hussam Al Loulou

Wir sind entsetzt und traurig über die Tötung unseres Kollegen Hussam Al Loulou durch einen Luftangriff am Morgen des 1. April im Südwesten von Deir al-Balah. Auch seine Frau und seine 28-jährige Tochter wurden bei diesem schrecklichen Angriff getötet. 

Dies ist die zweite Tötung eines Kollegen innerhalb von nur zwei Wochen.

Hussam wurde so wie hunderte weitere Menschen im gesamten Gazastreifen getötet, seit die israelischen Streitkräfte am 18. März ihre Angriffe wieder aufgenommen haben.

Hussam kam im Dezember 2024 zu Ärzte ohne Grenzen und arbeitete als Wachmann in der  von uns unterstützen Notaufnahme in Khan Younis. Er war 58 Jahre alt und bekannt für seine Selbstlosigkeit, Bescheidenheit und aufrichtige Fürsorge für seine Mitmenschen. Er hinterlässt zwei Söhne.

In diesem tragischen Moment sind unsere Gedanken bei seiner Familie und allen unseren Kolleg*innen in Gaza, mit denen wir seinen Tod betrauern. Hussam ist der elfte Kollege, der seit Beginn des Krieges in Gaza getötet wurde. Wir verurteilen seine Ermordung aufs Schärfste und fordern erneut die sofortige Wiederherstellung des Waffenstillstands und den Schutz der Zivilbevölkerung.

21. März 2025: Wir trauern um unseren Kollegen Alaa Abd-Elsalam Ali Okal

Wir sind schockiert und traurig über den Tod unseres Kollegen Alaa Abd-Elsalam Ali Okal, der bei einem israelischen Luftangriff auf sein Wohnhaus in Deir Al Balah im Zentrum des Gazastreifens ums Leben kam. Er war 29 Jahre alt.

Er wurde am frühen Morgen des 18. März zusammen mit Hunderten anderen im Gazastreifen getötet, nachdem die israelischen Angriffe wieder aufgenommen worden waren. Hunderte weitere wurden verletzt.

Im September 2024 kam Alaa Okal als Wäschereimitarbeiter zu Ärzte ohne Grenzen und spielte eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen, die im Krankenhaus in Deir Al Balah medizinisch versorgt werden.

Alaa Okaal ist der zehnte Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen, der seit Beginn des Krieges in Gaza getötet wurde. Wir verurteilen die Tötung des Kollegen und fordert erneut Respekt und Schutz für die Zivilbevölkerung.

20. März 2025: Tote bei Explosion auf UN-Gelände

Gestern sind bei einer Explosion auf UN-Gelände in einem Sperrgebiet in Deir al-Balah eine Person getötet und fünf weitere schwer verletzt worden. Wir sind tief erschüttert und sprechen unseren Kolleg:innen von UNOPS und den Familien unser tiefstes Beileid aus.

Nach Angaben von UNOPS wurde „ein Sprengkörper auf die Infrastruktur abgeworfen oder abgefeuert", der dann im Gebäude detonierte. Wir behandelten einige der Verletzten in dem von uns unterstützten Al-Aqsa-Krankenhaus.

Humanitäre Helfer:innen müssen stets geschützt werden. Seit Oktober 2023 wurden im Gazastreifen mindestens 377 Mitarbeitende von Hilfsorganisationen getötet, darunter auch 9 unserer Kolleg:innen. Diese Todesfälle sind inakzeptabel und müssen unabhängig untersucht werden.

18. März 2025: Erneute Angriffe mit Hunderten Toten im Gazastreifen

In den frühen Morgenstunden des 18. März griffen die israelischen Streitkräfte mehrere Gebiete im Gazastreifen an, nachdem die Waffenruhe in jüngster Zeit brüchig gewesen war. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden dabei Hunderte von Menschen getötet.

Unsere Teams reagieren auf den Zustrom von Patient:innen im südlichen und zentralen Gazastreifen. Im Nasser-Krankenhaus haben wir 55 Tote und 113 Verletzte aufgenommen.

In Deir al Balah haben wir 10 Verletzte in unserem Feldkrankenhaus aufgenommen und im Al Aqsa-Krankenhaus wurden 20 Tote und 68 Verletzte in die Notaufnahme eingeliefert. 

In unserer Klinik Attar in Al-Mawasi im südlichen Gazastreifen hat unser Team 26 Verletzte aufgenommen, drei davon in kritischem Zustand, die ins Nasser-Krankenhaus überwiesen wurden. Die Klinik wurde ebenfalls von Granatsplittern getroffen, unsere Teams blieben unverletzt.

Wir rufen weiterhin zu einem dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen auf. Israel muss seine kollektive Bestrafung der Bevölkerung beenden. Hilfsgüter und grundlegende Waren müssen ins Land gelassen werden.

7. März 2025: Wir nehmen die Arbeit in der Kinderabteilung des Indonesischen Krankenhauses wieder auf

Nach der erzwungenen Evakuierung im Oktober 2023 kehren unsere Teams in das schwer beschädigte Indonesische Krankenhaus in Nord-Gaza zurück. Wir unterstützen die Kinderabteilung und errichten eine provisorische Krankenstation. In den ersten Tagen wurden bereits 75 Kinder behandelt – vor allem mit Atemwegsinfektionen, Hautkrankheiten und Magen-Darm-Problemen.

Die medizinische Versorgung in Nord-Gaza bleibt extrem eingeschränkt: Viele Gesundheitseinrichtungen wurden zerstört oder schwer beschädigt, darunter das Kamal-Adwan-Krankenhaus, das Indonesische Krankenhaus und das Al-Awda-Krankenhaus. Der Bedarf ist enorm, doch Hilfslieferungen werden weiterhin blockiert.

Ärzte ohne Grenzen in Gaza
MSF
Ärzte ohne Grenzen in Gaza
MSF

3. März 2025: Ärzte ohne Grenzen verurteilt Israels Lieferstopp für humanitäre Güter

Wir verurteilen die Ankündigung Israels, den Einlass von Hilfslieferungen nach Gaza auszusetzen. Die Menschen in Gaza sind nach wie vor dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es braucht eine schnelle und massive Aufstockung dieser Güter.  

„Erneut schneidet Israel die Bevölkerung von Hilfsgütern ab und setzt den Zugang zu humanitärer Hilfe damit als Druckmittel ein. Das ist inakzeptabel und wird verheerende Folgen haben“, so die Nothilfekoordinatorin Caroline Seguin von Ärzte ohne Grenzen. „Diese Nachricht hat Unsicherheit und Angst ausgelöst und hat bereits die Lebensmittelpreise ansteigen lassen“.  

Zwar kommen seit Beginn des Waffenstillstands wieder mehr Lastwagen nach Gaza, jedoch wird die Einfuhr kritischer Lieferungen für die humanitäre Hilfe weiter durch die israelischen Behörden behindert. Bei dem Großteil der eingeführten Hilfsgüter handelt es sich um Lebensmittel und Treibstoff. Die Hilfen reichen bei Weitem nicht aus, um den enormen Bedarf der Menschen im Gazastreifen zu decken. 

13. Februar 2025: Kinderpsychologin Katrin Glatz Brubakk berichtet aus Gaza

6. Februar 2025: Bericht dokumentiert gewaltsame Behinderung der Gesundheitsversorgung im Westjordanland

Seit Beginn des Krieges in Gaza im Oktober 2023 haben israelische Streitkräfte und Siedler:innen die Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung im besetzten Westjordanland verstärkt. Ein neuer Bericht von Ärzte ohne Grenzen macht dies deutlich. 

Laut UN-Angaben wurden zwischen Oktober 2023 und Jänner 2025 mindestens 870 Palästinenser:innen getötet und mehr als 7.100 verletzt. Der Bericht mit dem Titel Inflicting harm and denying care beschreibt, wie der Zugang zur Gesundheitsversorgung im Westjordanland systematisch eingeschränkt wird.

30. Jänner 2025: Das UNRWA-Verbot tritt in Kraft

Die Entscheidung Israels, das UNRWA aus Ostjerusalem zu verbannen, wird dessen Aktivitäten im Westjordanland und im Gazastreifen stark beeinträchtigen und verheerende Folgen für die Palästinenser:innen und ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.

Eine UN-Organisation mit einem Mandat der Generalversammlung einzuschränken, stellt einen gefährlichen Präzedenzfall dar, der die unparteiische humanitäre Hilfe bedroht

Claire Nicolet, stellvertretende Leiterin der Nothilfe

Keine andere Organisation kann das UNRWA in Gaza und im Westjordanland ersetzen.
Dadurch werden Kindern lebensrettende Impfungen vorenthalten, Schwangere haben weniger Zugang zu medizinischer Versorgung und Menschen mit chronischen Krankheiten leiden unter vermeidbaren Komplikationen.

Im Jahr 2024 hat das UNRWA über 6 Millionen medizinische Konsultationen im Gazastreifen und über 776.000 Konsultationen im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, durchgeführt.

Das UNRWA hat nicht nur einen enormen Einfluss auf die Gesundheitsversorgung, sondern dient auch als Lebensader für die Menschen in den besetzten palästinensischen Gebieten.

24. Jänner 2025: Wir trauern um unseren Kollegen Bilal Okal

Wir sind erschüttert über den Tod von unserem Kollegen Bilal Okal, der zusammen mit zehn seiner Familienmitglieder von den israelischen Streitkräften in Dschabalia im Norden des Gazastreifens getötet wurde.

Bilal und seine Angehörigen, darunter seine Frau, sieben Kinder, seine Schwester und seine Mutter, hatten sich in ihrem Haus verschanzt, nachdem sie während der gewaltsamen Belagerung durch die israelischen Streitkräfte in dem Gebiet gefangen waren. Sie wurden im Dezember 2024 durch einen israelischen Luftangriff getötet.

Wir verloren am 1. Dezember jeglichen Kontakt zu Bilal, und trotz all unserer Versuche, Informationen über seine Situation zu erhalten, bekamen wir erst am 19. Januar 2025 die Bestätigung seines Todes.

Bilal kam 2017 als Hygieneexperte zu Ärzte ohne Grenzen. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen, die medizinische Hilfe benötigten, als die Organisation im April 2024 die Arbeit in der Klinik in Gaza-Stadt wieder aufnahm.

Als wir das letzte Mal von Bilal hörten, hatte er keine Lebensmittel und kein Wasser mehr und saß mit seinen Verwandten in seinem Haus fest. Sie hatten versucht, Dschabalia zu verlassen, aber die Bombardierungen waren so heftig, dass es unsicher war, sich zu bewegen. Am 11. November erfuhr Ärzte ohne Grenzen von Bilals Bruder, dass dieser und seine Familie verhungern würden, sie aber zu viel Angst hätten, um nach Nahrung zu suchen oder das Haus zu verlassen, weil alles, was sich bewege, beschossen würde. 

Wir verurteilen die Tötung von Bilal und seiner Familie aufs Schärfste. In diesem tragischen Moment sind unsere Gedanken bei Bilals Familie, seinen Freund:innen und Kolleg:innen, die seinen Tod betrauern.

Bilal ist der neunte Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen, der seit Beginn des Krieges in Gaza getötet wurde.

 

17. Jänner 2025: Waffenstillstand in Gaza nur ein erster Schritt

Die Ankündigung eines möglichen Waffenstillstandsabkommens, das noch unterzeichnet und umgesetzt werden muss, ist eine lebensnotwendige Atempause für die Menschen in Gaza. Nach dem unermesslichen Leid und den unzähligen Toten, die dieser Krieg schon gebracht hat, kommt sie allerdings sehr spät.

Der geplante Waffenstillstand muss mehr sein als eine bloße Pause, er muss dauerhaft eingehalten werden. Die Menschen in Gaza brauchen die Möglichkeit, ihr Leben wieder aufzubauen und ihre Würde zurückzugewinnen. Sie brauchen auch Raum für ihre Trauer um die Getöteten und alles, was sie in diesem Krieg verloren haben.

Darüber hinaus muss die humanitäre Hilfe massiv aufgestockt werden, um den enormen Bedarf an medizinischen Hilfsgütern und Dingen des täglichen Bedarfs zu decken. Wir fordern alle Parteien auf, dafür zu sorgen, dass die Hilfe die Menschen im gesamten Gazastreifen jetzt erreicht.

14. Jänner 2025: Schwer verletzte Kinder aus Gaza evakuiert – Tausende warten weiterhin auf medizinische Hilfe

Am 8. Januar wurden drei schwer verletzte Kinder aus dem Gazastreifen in unser Krankenhaus in Jordanien evakuiert. Ihre Verletzungen wurden durch israelische Luftangriffe verursacht. Vor der Evakuierung wurden die Kinder monatelang von den israelischen Behörden hingehalten und abgewiesen.

Es hat drei Monate gedauert, bis drei Kinder, die medizinische Hilfe brauchten, evakuiert werden konnten. Die Genesung verletzter Kinder in Gaza hängt davon ab, dass sie rechtzeitig versorgt werden - Verzögerungen können zu lebenslangen Behinderungen uns sogar zum Tod führen. 

Moeen Mahmood, Länderdirektor in Jordanien

In der Zwischenzeit wurde zwei weiteren Patient:innen weiterhin die medizinische Evakuierung aus dem Gazastreifen verweigert – ohne Erklärung. Seit dem 7. Oktober 2023 konnten wir lediglich 13 Kinder aus dem Gazastreifen in unser Krankenhaus in Jordanien bringen, obwohl der Bedarf enorm ist.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mindestens 12.000 Menschen auf eine dringende medizinische Evakuierung aus dem Gazastreifen angewiesen. Patient:innen, die auf spezialisierte medizinische Versorgung angewiesen sind, können aktuell nirgendwo hin.

Wir fordern die israelischen Behörden auf, die medizinische Evakuierung aller pflegebedürftigen Palästinenser:innen, einschließlich ihrer Betreuenden, sicherzustellen und gleichzeitig ihre sichere, freiwillige und würdige Rückkehr nach Gaza zu garantieren.

8. Jänner 2025: In Krankenhäusern geht der Treibstoff aus

In Krankenhäusern geht der Treibstoff für die Energieversorgung aus. Dies bedroht das Leben von Hunderten Patient:innen, darunter auch Neugeborene. Babys in Brutkästen sind auf konstanten Strom für die Beatmungsgeräte angewiesen, die sie am Leben erhalten.

Betroffen sind das Nasser-Krankenhaus, das Al Aqsa-Krankenhaus und das European Gaza Hospital. Ärzte ohne Grenzen bringt Treibstoff in die Krankenhäuser. Das ist leider nur eine Übergangslösung für die nächsten 36 bis 48 Stunden.

Wir rufen alle Parteien auf, die Einfuhr von Treibstoff in den Gazastreifen zu erleichtern und eine sichere Lieferung an medizinische Einrichtungen sicherzustellen!

2. Jänner 2025: Kinder in Lebensgefahr

Mehr als 1,9 Millionen Menschen haben aufgrund der anhaltenden Kriegshandlungen im Gazastreifen ihre Häuser zu verlassen. Viele Familien leben in notdürftigen Zelten, die im Winter kaum Schutz vor der eisigen Kälte bieten. 

Der Zugang zu lebenswichtigen Gütern wie Wasser und Lebensmitteln bleibt weiterhin verwehrt. Besonders Kinder sind stark gefährdet: Wir behandeln immer häufiger unterkühlte Babys und Kleinkinder mit Atemwegserkrankungen.

Zwischen Oktober und Dezember 2024 wurden 325 Kinder in die von uns unterstützte Neugeborenen-Intensivstation des Nasser-Krankenhauses in Khan Younis aufgenommen. Die Station ist bereits seit Mitte des Jahres voll ausgelastet.

Berichte vor 2025

Die Lage im Gazastreifen ändert sich aktuell täglich. Ältere Berichte über die Entwicklungen von Oktober 2023 bis Ende 2024 finden Sie hier:

Grundsätzliches zur Lage in den palästinensischen Gebieten

Sowohl das Westjordanland als auch der Gazastreifen stehen seit Jahren im Zentrum des Konflikts mit Israel. Seit dem schrecklichen Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 eskaliert die Situation zunehmend. Der Gazastreifen wird laufend angegriffen und von dringend notwendigen Hilfslieferungen abgeschottet. Auch im Westjordanland nehmen Gewalt und Bewegungseinschränkungen zu.

Wir sind sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland aktiv. Dabei müssen wir unsere Hilfe laufend anpassen und aufstocken. Unsere Arbeit wird jedoch zunehmend schwieriger. Grund dafür sind die Gewalt gegen unser medizinisches Personal, Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und Bewegungseinschränkungen durch Blockaden und militärische Check-Points.

Häufig gestellte Fragen

Wie hilft Ärzte ohne Grenzen in Gaza?

Wir arbeiten an 20 Standorten im Gazastreifen und zusätzlich an vier Orten im Westjordanland. Dort helfen wir in Krankenhäusern, mit Feldspitälern, Gesundheits- und Ernährungszentren. Erst vor kurzem haben wir sechs neue Versorgungsstationen eröffnet, in denen wir unter anderem Wundversorgung anbieten. Wir unterstützen außerdem mit sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen.

Im Jahr 2025 haben unsere Teams über 100.000 Verletzte behandelt. Sie haben mehr als 400 Spitalsbetten für die Versorgung von Patient:innen bereitgestellt und 22.700 chirurgische Eingriffe durchgeführt.

Jedes fünfte Krankenhausbett im Gazastreifen wird von uns betreut und wir unterstützen jede dritte Geburt. Viele dieser Leistungen sind wegen der Zerstörung des Gesundheitssystems nirgends sonst verfügbar. Gleichzeitig bräuchte es noch viel mehr Hilfe, als wir aktuell leisten können.

Am 31. Dezember ist unsere Registrierung als Hilfsorganisation für den Gazastreifen und das Westjordanland ausgelaufen. Aktuell setzen wir unsere Arbeit fort, so gut es geht. Wir sehen allerdings bereits erste Auswirkungen auf unsere Aktivitäten: Hilfslieferungen wurden abgelehnt und unser Personal darf nicht mehr einreisen. 

Die Mengen an Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern, die sich noch im Gazastreifen befinden, reichen nicht aus, um den enormen Bedarf langfristig zu decken.

 

Aktivitäten im Nasser-Krankenhaus

Im Jänner 2026 haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, alle nicht-lebensnotwendigen Operationen im Nasser-Krankenhaus einzustellen. Es sind Bedenken zur Verwaltung der Einrichtung, ihrer Neutralität und Sicherheit aufgekommen.

In den letzten Monaten haben Patient:innen und Personal bewaffnete und maskierte Männer in verschiedenen Bereichen der Einrichtung gesehen. Niemals dort, wo Ärzte ohne Grenzen tätig ist, sondern in anderen Teilen des Geländes. Seit dem Waffenstillstand haben unsere Teams außerdem eine Zunahme inakzeptabler Handlungen gemeldet, darunter Einschüchterungen, willkürliche Verhaftungen von Patient:innen und kürzlich den Verdacht auf Waffenbewegungen. Solche Vorfälle sind ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko für unsere Teams und Patient:innen.

Wir haben unsere Besorgnis darüber den zuständigen Behörden gemeldet und betonts, dass solche Verstöße mit unseren Werten und Prinzipien nicht vereinbar sind. Krankenhäuser müssen neutrale, zivile Orte bleiben, frei von militärischer Präsenz.

Unsere Bedenken sind dadurch verstärkt, dass es bereits zu Angriffen auf Krankenhäuser gekommen ist und Gesundheitseinrichtungen regelmäßig und gezielt angegriffen wurden.

Wir fordern alle bewaffneten Gruppen sowie die israelischen Streitkräfte dazu auf, medizinische Einrichtungen zu respektieren und den Schutz von Personal und Patient:innen zu gewährleisten.

Was ist die Registrierung und ist Ärzte ohne Grenzen aktuell registriert?

In all unseren Einsatzländern brauchen wir Genehmigungen, damit wir unsere Arbeit leisten können. Nur so können unsere Einsatzkräfte einreisen, wir können Hilfsgüter in die Regionen bringen und Menschen lokal anstellen.

Unsere Arbeit basiert auf den Regeln des Humanitären Völkerrechts. Wenn ein bewaffneter Konflikt oder Krieg ausbricht, muss notwendige Hilfe für Zivilist:innen zugelassen werden. Als medizinisch-humanitäre Organisation sind wir deshalb dazu berechtigt, unsere Arbeit zu machen.

Israel verlangt von humanitären Hilfsorganisationen eine offizielle Registrierung. Am 31. Dezember 2025 ist unsere Registrierung für die Arbeit im Gazastreifen und im Westjordanland ausgelaufen. Wir haben uns aktiv um eine Neuregistrierung bemüht und am Prozess teilgenommen. Aktuell ist der Stand unseres Antrags “ausstehend und unvollständig”. Laut Gesetz haben wir bis zum 01. März 2026 Zeit, um entweder von der israelischen Regierung die Erlaubnis zur Weiterarbeit zu erhalten oder die Arbeit in den besetzten palästinensischen Gebieten einzustellen.

Unser Antrag gilt als unvollständig, weil wir aus berechtigter Sorge um deren Sicherheit, gewisse, sensible Daten unserer palästinensischen Kolleg:innen nicht bereitgestellt haben. Diese Voraussetzung ist nicht üblich und wir wissen nicht, wer Zugang zu den Daten bekommt. Der Zweck und die Folgen von einer Überprüfung der Listen von Mitarbeiter:innen ist nicht klar. Auch in anderen Ländern sind wir vorsichtig mit der Weitergabe von Daten.

Unsere Bedenken rühren auch daher, dass 15 unserer Kolleg:innen zwischen Oktober 2023 und Oktober 2025 von der israelischen Armee getötet wurden und medizinische und humanitäre Mitarbeiter:innen eingeschüchtert, willkürlich festgenommen oder angegriffen wurden. Daher haben wir in den vergangenen Monaten immer wieder ernsthafte Bedenken wegen der Registrierungsanforderung ausgedrückt und das Gespräch mit der israelischen Regierung gesucht. Trotz unserer Anfragen und Kompromissvorschläge haben wir keine Antwort auf diese Bedenken erhalten.

Um alle Möglichkeiten zu berücksichtigen haben wir auch angeboten, eine Liste von Kolleg:innen, die freiwillig zustimmen, weiterzugeben. Wir haben uns allerdings dagegen entschieden, da wir keinerlei Zusicherung von der Israelischen Regierung zur Sicherheit der Daten bekommen haben. Wir haben den israelischen Behörden im Rahmen dieses Registrierungsprozesses zu keinem Zeitpunkt eine Liste unserer nationalen oder internationalen Mitarbeiter:innen übergeben. Wir haben außerdem deutlich gemacht, dass die Übergabe einer vollständigen Mitarbeiter:innenliste eine rote Linie ist, die wir niemals überschreiten würden.

Statt diese Fragen im Dialog zu klären, hat das zuständige Ministerium wiederholt Treffen verweigert und Ärzte ohne Grenzen fälschlich öffentlich vorgeworfen, wissentlich Personen eingestellt zu haben, die an bewaffneten Aktivitäten beteiligt seien. Diese Art von Anschuldigungen trägt zur gezielten Delegitimierung humanitärer Arbeit bei – und damit jener Menschen, die unter extrem schwierigen Bedingungen lebensrettende Hilfe leisten.

Wir bemühen uns weiterhin um einen Dialog mit den israelischen Behörden, um eine Lösung zu finden und unsere Aktivitäten fortsetzen zu können. Die Gewährung humanitärer Hilfe ist eine Verpflichtung nach internationalem Recht, um zumindest eine grundlegende Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Welche Folgen hat die Aufhebung der Registrierung?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Zukunft unserer Arbeit im Gazastreifen und im Westjordanland nach dem 1. März 2026 nicht geklärt. Bis dahin leisten wir weiterhin lebensnotwendige Hilfe. Wegen Ablauf der Registrierung sind wir nicht länger berechtigt, medizinisches Material einzuführen oder internationale Einsatzkräfte in den Gazastreifen zu senden. Dadurch fehlen uns aktuell dringend benötigtes Material und fachliche Expertise.

Für die Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland wäre der Wegfall unserer Hilfe eine Katastrophe. Zahlreiche Menschen würden den Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung und sauberem Wasser verlieren. Unsere Arbeit ist für nahezu eine halbe Million Menschen im Gazastreifen überlebenswichtig. Wir sind bereits seit 1988 in den palästinensischen Gebieten tätig und leisten dort unverzichtbare medizinische und humanitäre Hilfe.

Allein im vergangenen Jahr haben wir: 

  • 100.000 Verletzte behandelt
  • 22.700 lebensrettende Operationen durchgeführt
  • 800.000 ambulante Konsultationen ermöglicht
  • 700 Millionen Liter Wasser bereitgestellt

An einem durchschnittlichen Tag behandeln wir 100 Menschen in unserer Ambulanz und führen 10 operative Eingriffe durch. Mehr als 18.000 Menschen müssen dringend medizinisch evakuiert werden – über 10.000 sind bereits verstorben. Viele Familien leben in Zelten, wo niedrige Temperaturen und Überschwemmungen Infektionskrankheiten begünstigen.

All diese Hilfe würde wegbrechen, wenn wir den Gazastreifen verlassen müssen. Um eine gefährliche Versorgungslücke zu verhindern, prüfen wir alle Optionen, einschließlich Partnerschaften mit lokalen Organisationen. Gleichzeitig setzen wir weiterhin alle Hebel in Bewegung, um eine Registrierung zu bekommen. Dabei bleiben wir neutral, unparteilich und unabhängig.

Humanitäre Hilfe ist eine Verpflichtung und darf kein politisches Druckmittel sein.
 

Kann ich weiter für Hilfe in Gaza spenden?

Ja. Spenden sind weiterhin möglich. Um bei akuten Krisen besonders schnell und flexibel agieren zu können, bitten wir unsere Spender:innen hauptschlich um zweckungebundene Spenden. Sollten wir uns tatsächlich aus den palästinensischen Gebieten zurückziehen müssen, würden wir die eingeplanten Gelder in anderen Projekten bzw. Ländern zur medizinischen Nothilfe nutzen.

Für Hilfe in den palästinensischen Gebieten und in den vom Konflikt betroffenen Nachbarländern sammeln wir zusätzlich auch zweckgebundene Spenden. Sollte sich zeigen, dass wir diese nicht entsprechend dem angegebenen Spendenzweck verwenden können, greifen unsere üblichen Regeln für die Umwidmung oder ggf. notwendige Erstattung von zweckgebundenen Spenden. 

Jetzt spenden

Warum spricht Ärzte ohne Grenzen von einem Genozid im Gazastreifen?

Wir äußern uns öffentlich, wenn wir inakzeptables Leid feststellen, wenn Gesundheitseinrichtungen angegriffen, der Zugang zu medizinischer Versorgung verwehrt wird oder Konfliktparteien ihrer Pflicht zum Schutz der Zivilbevölkerung nicht nachkommen.

Dies ist kein Begriff, den wir leichtfertig verwenden. Unsere Entscheidung, die Ereignisse in Gaza jetzt als Genozid zu bezeichnen, basiert auf umfangreichen Informationen aus erster Hand von unseren Teams, die seit fast zwei Jahren Zeug:innen massenhafter Tötungen und massiver Zerstörung sind.

Israelische Streitkräfte zerstören Wohnhäuser, Krankenhäuser, Märkte, Wasserversorgung, Straßen und Stromnetze in Gaza – nicht aus Nachlässigkeit, sondern gezielt. Was wir beobachten, ist die systematische Vernichtung von Lebensgrundlagen, ausgeführt unter Missachtung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte.

Dies spricht für den Tatbestand des Völkermords/Genozids.

Die gezielte Blockade dringend benötigter Hilfsgüter, darunter Nahrung, medizinisches Material und Treibstoff, die damit verbundene Instrumentalisierung von Hunger als Mittel der Kriegsführung, die gezielte Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen, Angriffe auf ziviles Leben und zivile Infrastruktur, die Zwangsvertreibung der Menschen, die politische und militärische Instrumentalisierung von humanitärer Hilfe durch die Gaza Humanitarian Foundation – all diese Maßnahmen der israelischen Regierung und Streitkräfte entziehen der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen systematisch die Lebensgrundlagen. Dies ist die unbestreitbare Realität in Gaza, wie sie unsere Mitarbeiter:innen immer wieder bezeugen und klar beschreiben.

Angesichts solcher Gräueltaten, die von Israels Verbündeten ermöglicht werden, halten wir als Ärzte ohne Grenzen es für unsere moralische und humanitäre Pflicht, uns klar und deutlich dazu zu äußern.

Wie steht Ärzte ohne Grenzen zur Hamas?

Wir sind zutiefst erschüttert über die Gewalt und die Massaker der Hamas und verurteilen die Angriffe auf Israel und die Geiselnahmen, insbesondere am 7. Oktober 2023. Wir haben zudem alle Konfliktparteien wiederholt aufgefordert, den Schutzstatus medizinischer Einrichtungen zu respektieren, eine ausreichende Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe sicherzustellen und auf einen Waffenstillstand hinzuarbeiten.

Als medizinische Hilfsorganisation haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, über das zu berichten, was wir in den Gebieten, in denen wir tätig sind, direkt beobachten. Ärzte ohne Grenzen selbst hat nie beobachtet oder bestätigen können, dass die Hamas militärische Aktionen in Krankenhäusern durchgeführt hat. In so einem Fall hätten wir aus Gründen der Sicherheit unserer Patient:innen und Mitarbeiter:innen unsere Präsenz in diesen Einrichtungen nicht aufrechterhalten können. Solche Situationen würden wir unmissverständlich anprangern.

Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium im Gazastreifen

Wie überall auf der Welt, wo wir arbeiten, kooperieren wir auch im Gazastreifen mit den lokalen Gesundheitsbehörden. Das Gesundheitsministerium im Gazastreifen ist Teil der von der Hamas geführten Zivilverwaltung. Tatsächlich ist die Koordination mit den zuständigen Gesundheitsbehörden in all unseren Einsatzgebieten eine gängige und notwendige Praxis.

Wir arbeiten aber auch dort strikt nach den humanitären Prinzipien der Neutralität und Unparteilichkeit und bieten medizinische Versorgung ausschließlich basierend auf dem Bedarf an. Das Gesundheitsministerium kann uns keine Weisung geben. Wir machen ein Angebot, beispielsweise für die Errichtung eines provisorischen Krankenhauses oder die Übernahme der Aktivitäten auf einer Station eines bestehenden Krankenhauses, und das wird dann von allen Seiten akzeptiert - also sowohl vom palästinensischen Gesundheitsministerium als auch von den israelischen Behörden. 

Vorwürfe der israelischen Regierung gegen ehemalige Mitarbeiter

Die israelische Regierung wirft drei unserer ehemaligen Mitarbeiter „Verbindungen zum Terrorismus” vor, was unserer Organisation erst nach deren Tod gemeldet wurde.

Diese Vorwürfe sind gefährlich. Sie gefährden unsere überlebenswichtige Arbeit im Gazastreifen. Ärzte ohne Grenzen beschäftigt keine Personen, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind. Mitarbeitende mit Verbindungen zu bewaffneten Gruppen würden ein erhebliches Risiko für unsere Teams und für unsere Patient:innen darstellen.

Aus diesem Grund müssen sich alle unsere Mitarbeitenden weltweit zur Charta von Ärzte ohne Grenzen bekennen, die auf Unabhängigkeit, humanitären Grundsätzen und medizinischer Ethik beruht. Unser Rekrutierungsverfahren beinhaltet umfassende Sorgfaltsprüfungen, Hintergrund- und Referenzchecks, die Überprüfung von Lebensläufen sowie Probezeiten. Im Gazastreifen haben wir ein erweitertes Prüf- und Überprüfungsverfahren für alle Neueinstellungen eingeführt.

Sofern die israelischen Behörden über verlässliche Informationen über eine Beteiligung von Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen an militärischen Aktivitäten verfügten, haben sie diese vor deren Tod niemals an uns weitergegeben. So haben wir weder darauf reagieren noch die Situation prüfen können.

Diese Vorwürfe rechtfertigen nicht, dass wir unsere lebenswichtige Arbeit im Gazastreifen nicht fortsetzen kann. Uns zum Verlassen zu zwingen, würde Hunderttausende Menschen der lebenswichtigen medizinischen Versorgung berauben, was angesichts der ohnehin schon katastrophalen Versorgungsengpässe verheerende Folgen hätte.
 

Karte und Ländervergleich

Zoom in Zoom out Afghanistan Angola Albanien Vereinigte Arabische Emirate Argentinien Armenien Australien Österreich Aserbaidschan Burundi Belgien Benin Burkina Faso Bangladesch Bulgarien Bosnien und Herzegowina Weißrussland Belize Bolivien Brasilien Brunei Bhutan Botsuana Zentralafrikanische Republik Kanada Schweiz Chile China Elfenbeinküste Kamerun Dem. Rep. Kongo Kongo Kolumbien Costa Rica Kuba Tschechien Deutschland Dschibuti Dänemark Dominikanische Rep. Algerien Ecuador Ägypten Eritrea Estland Äthiopien Finnland Fidschi Gabun Großbritannien Georgien Ghana Guinea Gambia Guinea-Bissau Äquatorialguinea Griechenland Grönland Guatemala Guyana Honduras Kroatien Haiti Ungarn Indonesien Indien Irland Iran Irak Island Israel Italien Jamaica Jordanien Japan Kasachstan Kenia Kirgisistan Kambodscha Südkorea Kuwait Laos Libanon Liberia Libyen Sri Lanka Lesotho Litauen Luxemburg Lettland Marokko Moldavien Madagaskar Mexico Nordmazedonien Mali Myanmar Montenegro Mongolei Mosambik Mauritanien Malawi Malaysia Namibia Niger Nigeria Nicaragua Niederlande Norwegen Nepal Neuseeland Oman Pakistan Panama Peru Philippinen Papua-Neuguinea Polen Nordkorea Portugal Paraguay Palästina Katar Rumänien Russland Ruanda Westsahara Saudi-Arabien Sudan Südsudan Senegal Sierra Leone El Salvador Serbien Suriname Slowakei Slovenien Schweden Swasiland (Eswatini) Syrien Tschad Togo Thailand Tadschikistan Turkmenistan Osttimor Tunesien Türkei Taiwan Tansania Uganda Ukraine Uruguay USA Usbekistan Venezuela Vietnam Vanuatu Jemen Südafrika Sambia Simbabwe Somalia Französisch-Guayana Frankreich Spanien Aruba Anguilla Andorra Antigua und Barbuda Bahamas Bermuda Barbados Komoren Kap Verde Kaimaninseln Dominica Falklandinseln Färöer-Inseln Grenada Hong Kong St. Kitts und Nevis St. Lucia Liechtenstein Malediven Malta Montserrat Mauritius Neukaledonien Nauru Pitcairn Puerto Rico Französisch-Polynesien Singapur Salomonen São Tomé und Príncipe Sint Maarten Seychellen Turks- und Caicosinseln Tonga Trinidad und Tobago St. Vincent und die Grenadinen Britische Jungferninseln Amerikanische Jungferninseln Zypern Réunion Mayotte Martinique Guadeloupe Curacao Kanarische Inseln

1988

Beginn der Arbeit

85,1

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

875

Einsatz­kräfte

Ländervergleich Österreich & Gaza Streifen

AT
PS
83.30
75.88

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
PS
78.66
71.14

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
PS
2.60
14.30

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
PS
5.52
0.80

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

Ärzte ohne Grenzen in Gaza: Unsere Nothilfe

Aufgrund der katastrophalen humanitären Situation im Gazastreifen haben wir unsere medizinische Hilfe ausgeweitet.

Wir behandeln Patient:innen mit Brand- und Traumawunden, Mütter und Neugeborene und bieten eine medizinische Grundversorgung. Dazu gehören auch Operationen, Physiotherapie und psychosoziale Versorgung. Außerdem unterstützen wir mit psychologischer Hilfe, sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung und der Behandlung von chronischen Krankheiten.

Wir bemühen uns auch um medizinische Evakuierungen für Menschen, die auf spezialisierte medizinische Versorgung angewiesen sind. Diese werden jedoch meistens abgewiesen. Patient:innen sterben, während sie auf die israelische Genehmigung warten.

Immer wieder mussten wir Gesundheitseinrichtungen verlassen, vor allem im Norden des Gazastreifens, nachdem es zu gewalttätigen Angriffen gekommen ist. Seit Oktober 2023 wurden 15 unserer Kolleg:innen im Gazastreifen getötet.

Durch die Zerstörung von Infrastruktur haben wir auch unsere Arbeit zur Wasserversorgung und Hygienemaßnahmen verstärkt. Wir unterstützen bei der Verteilung von sauberem Trinkwasser und der Installation von Wasseraufbereitungsanlagen.

MSF resumed its activities in Gaza City
MSF
Wir nehmen Aktivitäten in Gaza-Stadt wieder auf. (Oktober 2025)
MSF forced to suspend activities in Gaza City
MSF
Wir müssen das Krankenhaus in Gaza-Stadt verlassen. (September 2025)
Nasser Hospital in southern Gaza is overcrowded with patients
MSF
Das Nasser Krankenhaus in Khan Younis ist überfüllt. (August 2025)
Israeli strike on Nasser hospital in Gaza
MSF
Das Nasser Krankenhaus in Khan Younis wird angegriffen. (März 2025)
The rubbles in Gaza
Nour Alsaqqa/MSF
Eine Familie sucht Schutz inmitten von Trümmern in Beit Lahia im Norden des Gazastreifen. (Februar 2025)

Westjordanland

Im Westjordanland verschlechtert sich die Lage für Palästinenser:innen. Unsere Patient:innen berichten von Gewalt, Bewegungseinschränkungen und Vertreibung. Den Menschen wird dadurch auch der Zugang zu medizinischer Versorgung erschwert.

Auch unsere Kolleg:innen im Westjordanland spüren die eskalierende Gewalt. Unsere Krankenwägen werden an Kontrollpunkten blockiert, Gesundheitseinrichtungen umzingelt und geplündert.

Derzeit leisten wir Nothilfe, bieten eine medizinische Grundversorgung über mobile Kliniken und psychologische Betreuung an. Wir sind in den Städten Hebron, Nablus, Tubas, Jenin, Tulkarem und Kalkilia aktiv.

Life under Daily Violence and repeated Demolitions in Masafer Yatta
MSF
Unsere Kolleg:innen vor zerstörten Häusern in Masafer Yatta. (September 2025)

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